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Fake News und Erwachsenenbildung

Praxis

Andre Wolf von MIMIKAMA erklärt, was Falschmeldungen sind und welche Aufgaben sich im Kontext von Fake News für die Erwachsenenbildung stellen.

Didaktische Impulse für Lehr-/Lernsettings zu Fake News

 

Text: Johanna Urban, Mitarbeiterin Uni Wien und freiberufliche Trainerin
Redaktion: Lucia Paar, CONEDU

... für den Einstieg und die Hinführung

Falschmeldungen verstecken sich häufig hinter visuellen Impulsen (Fotos, Videos). Daher eignen sich beispielsweise Bildimpulse, um ins Thema einzusteigen. Dabei kann es sich um einen Screenshot eines Postings handeln oder einfach um ein manipuliertes Bild. In jedem Fall sollte die Dimension "Fake" abgedeckt werden. Die Teilnehmenden sollen die Gelegenheit haben, das Bild oder den Screenshot zu sichten und ihre Einschätzung abzugeben, ob es sich hierbei um einen Fake handelt oder eben nicht. Anschließend können die TrainerInnen die Auflösung präsentieren und erläutern, dass es im Folgenden um das Thema "Fake News" / Falschmeldungen gehen wird.


Beispiele lassen sich insbesondere auf Fact-Checking Seiten zuhauf finden (z.B. bei Mimikama, Correctiv, Snopes) und können je nach Gruppe und Relevanz angepasst werden.
Etwas umfangreicher ist der Einstieg ins Thema über ein Quiz. Hier können sowohl Bild- als auch Textbeispiele eingewoben werden. Fertige Quiz-Beispiele gibt es z.B. beim SRF oder beim Verein Digitaler Kompass. Für die Onlinelehre können TrainerInnen und Lehrende beispielsweise HP5 nutzen, um eigene Quiz zu erstellen.

Tipp: Bei der Auswahl der Beispiele auf die Zielgruppe achten

Bei der Auswahl der Beispiele sollten Lehrende bzw. TrainerInnen darauf achten, mit welcher Zielgruppe sie arbeiten, um möglichst viele "Aha-Effekte" zu erzielen. Welche Themen beschäftigen die Gruppe möglicherweise im Moment? Können alle mit den ausgewählten Beispielen etwas anfangen? Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wir wissen heute, dass die Abholzung des Regenwaldes ein Problem darstellt und in der Gesellschaft ist das Bewusstsein dafür in den letzten Jahren stark gestiegen. Arbeite ich mit einer Gruppe, in der dieses Bewusstsein ebenso vorhanden ist, könnte z.B. dieses Beispiel passen. Es handelt sich dabei um eine Bildmanipulation zum Thema Regenwald. Aufgrund der Assoziationen und dem Vorwissen zum Thema Abholzung, das die Teilnehmenden evtl. mitbringen, ist davon auszugehen, dass viele auf diesen Fake hineinfallen.

... für die Reflexion und den Lerntransfer

Zusätzlich oder auch als Einstieg können TrainerInnen mit den Teilnehmenden generell zum Begriff "Fake News" arbeiten, um das Vorwissen und die Meinungen zum Thema in der Gruppe abzufragen. Hierzu können beispielsweise zwei Pinnwände (physisch oder online) dienen. Auf der ersten Pinnwand können die Teilnehmenden ihre Assoziationen zum Begriff "Fake News" festhalten, auf einer weiteren Pinnwand können sie esthalten, wo sie sich in der Regel informieren (aktiv oder passiv) – das kann on-/offline sein, in sozialen Netzwerken, auf Webseiten von Nachrichtenmedien, usw. Die Notizen werden anschließend besprochen und diskutiert.

 

Folgende Fragen können TrainerInnen aufgreifen:

  • Welche Informationskanäle kommen auf der Pinnwand am häufigsten vor?
  • Haben die Teilnehmenden in diesen Kanälen bereits Erfahrungen mit Falschmeldungen gemacht? Wenn ja, welche?
  • Welche Rolle spielen Informationskanäle in Zusammenhang mit Falschmeldungen?
    Hinweis: Während Falschmeldungen kein neues Phänomen sind, befeuern Online-Dynamiken die Verbreitung von Falschmeldungen besonders. Zudem entfällt die Gatekeeper-Funktion klassischer Medien, was einerseits zu einer Demokratisierung beiträgt, gleichzeitig können beliebig Behauptungen online gepostet werden, die häufig ungeprüft weitergeleitet werden.
  • Wie wird der Begriff "Fake News" verwendet?
    Hinweis: Es kann hilfreich sein, darauf hinzuweisen, dass nicht jede falsche Berichterstattung unter "Fake News" fällt. Denn auch seriösen Medien passieren immer wieder Fehler in der Berichterstattung. Es ist dabei allerdings davon auszugehen, dass dies ohne Absicht passiert – in diesem Fall würde man von "Misinformation" sprechen anstatt von "Disinformation". Idealerweise veröffentlichen seriöse Medien dementsprechend auch Richtigstellungen.

 

Eine weitere Möglichkeit, einen Diskussionsraum zum Thema zu eröffnen, bietet eine Aufstellungsübung, im Rahmen derer die eigenen Erfahrungen der Teilnehmenden im Mittelpunkt stehen. Die Teilnehmenden können sich dabei zustimmend/ablehnend zu folgenden Statements positionieren, die anschließend diskutiert werden (Liste je nach Zielgruppe erweiter-/kürzbar):

  • Ich informiere mich und diskutiere gerne online.
  • Menschen, die Dinge posten, die nicht meinen Ansichten entsprechen, folge ich nicht online - es nervt mich.
  • Wenn jemand aus meiner Familie oder enge FreundInnen etwas weiterleiten, dann vertraue ich auch darauf, dass der Inhalt korrekt ist.
  • Ich hinterfrage meine Informationsquellen immer.
  • Ich bin bereits auf eine Falschmeldung hineingefallen.
  • Ich habe bereits eine Falschmeldung geteilt.
  • Wenn mir online eine Falschmeldung unterkommt und ich diese als solche erkenne, dann melde ich sie.

 

Mit Hilfe der Übung können die Teilnehmenden dazu angeregt werden, ihr eigenes Informationsverhalten ein Stück weit zu reflektieren und die Lehrenden können weitere Phänomene wie die "Echokammer" ansprechen. Zudem können Lehrende erste Impulse setzen, was das Vorgehen gegen Falschmeldungen online betrifft.

 ... für die Stärkung der Kompetenz

Um Lernende dafür zu sensibilisieren, wie sie Falschmeldungen erkennen können, können Lehrende ein geeignetes Beispiel einer Fact-Checking-Seite auswählen und den Lernenden vorlegen. Es muss sich hier nicht zwingenderweise um eine Falschmeldung handeln.


In Kleingruppen oder allein können die Lernenden herausfinden, ob es sich beim ausgewählten Beispiel um eine Falschmeldung handelt oder nicht. Die LernerInnen sollen festhalten, wie sie zu ihrem Ergebnis gekommen sind. Worauf haben sie geachtet? Was hat Skepsis erzeugt?
Sollten die Teilnehmenden bei der Recherche Unterstützung benötigen, so können die TrainerInnen auch Impulsfragen stellen, z.B.:

  • Wer ist der/die AutorIn?
  • Werden Quellen angeführt?
  • Wo und wann wurde die Meldung veröffentlicht?

 

Die TrainerInnen lösen anschließend auf, ob es sich bei dem gewählten Beispiel um eine Falschmeldung handelt oder nicht.

Online lassen sich zahlreiche Listen zum Quellencheck finden, die Lehrende mit den LernerInnen besprechen können, u.a. bei Saferinternet.at oder Mimikama.

 

Einige allgemeine Tipps zum Quellencheck:

  • Quelle hinterfragen
  • über die Schlagzeile hinauslesen
  • Ursprung von Bildern/Videos auf den Grund gehen
  • Datum der Veröffentlichung suchen
  • auf vorhanden Belege für Behauptungen achten
  • prüfen, ob es sich um Satire handelt
  • nach vorhandenem Faktencheck suchen
  • eigenen Bias hinterfragen

 

Auch Tools können hier hilfreich sein: z.B. gibt es eine Erweiterung für Google Chrome und Firefox, das Invid-Verification Plugin, das für den Faktencheck hilfreich sein kann.

Tipp: Keine Falschmeldungen zum Lehrzweck teilen und Beispiele updaten

Leiten Sie den Lernenden keine Links von Falschmeldungen direkt weiter, denn so erhöhen Sie nur die Sichtbarkeit und Reichweite dieser Websites. Es kann sich lohnen, die Website in der Vorbereitung zu archivieren und dann den Archivlink zu verwenden (z.B. mit der Way-Back-Machine). Auch hier gilt: Wählen Sie die Beispiele mit Bedacht aus. Was interessiert die Gruppe? Welche Meldung ist möglicherweise noch unbekannt? Es lohnt sich diese Beispiele regelmäßig "upzudaten".

Wenn die Teilnehmenden mit dem Thema schon etwas vertrauter sind, können sie auch selbst in die Rolle von (Fake-)News-ProduzentInnen schlüpfen. Die Teilnehmenden werden aufgefordert eine Nachrichtenmeldung zu verfassen (der Inhalt kann der Wahrheit entsprechen oder erfunden sein). Folgende Websites können dafür z.B. zum Einsatz kommen: die Seite "Break Your Own News" oder die Seite "Channel23news". Anschließend erhalten die Teilnehmenden ein Beispiel einer anderen Person zur Analyse und diskutieren folgende Fragen:

  • Ist der Inhalt der Meldung korrekt oder fake? Warum ja/nein?
  • Worauf haben die LernerInnen bei der Analyse geachtet?

 

Die Auflösung kann im Plenum oder als schriftliche Reflexion erfolgen.
Erfahrungsgemäß macht es den Teilnehmenden meistens viel Spaß, eine derartige Meldung zu erstellen. Wichtig ist, dass die Lernenden im Anschluss darüber reflektieren, wie es ihnen beim Erstellen der Nachricht ergangen ist. War es schwierig/einfach? Wie ist es bei der Analyse gegangen – waren alle Meldungen eindeutig als korrekt oder fake zu identifizieren?

 

In der Auseinandersetzung mit Falschmeldungen ist es auch relevant, die Dynamiken hinter der Verbreitung sichtbar zu machen: Welche psychologischen Faktoren spielen eine Rolle? Welche Kontrolle haben wir über die Inhalte die wir sehen? Dabei geht es z.B. darum, emotionale Komponenten bei Falschmeldungen sowie Hintergründe von Big Data und Algorithmen zu berücksichtigen.


Um diese und weitere Dynamiken zu thematisieren, können Lernende beispielsweise das browserbasierte Serious Game "Get Bad News" spielen, das auch auf dem Smartphone funktioniert. Die Teilnehmenden schlüpfen dabei in die Rolle von "Fake-News-MacherInnen". Ziel des Spieles ist es mit perfiden Methoden möglichst viele FollowerInnen zu generieren und dabei unterschiedliche Badges einzuheimsen.


Außerdem eignet sich die personalisierte Web-Serie "Do not Track" als Basis für eine Diskussion dazu.

Didaktisches Know-How

Hier finden Lehrende und TrainerInnen Methoden und Ressourcen zum Thema Fake News, die wir auf erwachsenenbildung.at für Sie gesammelt haben.

Stimmen aus der Praxis

ErwachsenenbildnerInnen teilen ihre Erfahrungen aus ihrer Arbeit zum Thema Fake News.

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