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Initiative Bildungsberatung Österreich im Bereich Erwachsenenbildung

CC BY Rudolf Götz, Franziska Haydn, Magdalena Tauber 2014 / aktualisiert 2020

Aufbauend auf früheren Initiativen hat das BMBWF (ehemals BMBF) im Jahr 2011 die Initiative Bildungsberatung Österreich lanciert. Ziel ist in einem flächendeckenden, leistungsfähigen und anbieterneutralen Bildungsinformations- und Beratungssystem kostenlose Beratung für Erwachsene als Erstanlaufstelle für Bildungsinteressierte anzubieten. Diese Beratungsleistungen werden von Projektnetzwerken angeboten, die in den Bundesländern gebildet wurden.

 

Die einzelnen Beratungsangebote werden in verschiedenen Formaten und Settings umgesetzt. Sie versuchen dabei unterschiedlichste Zielgruppen anzusprechen und bei ihren Anliegen in Bildungs- und Berufsfragen zu unterstützten. Hohe Kontaktzahlen bestätigen, dass die Angebote der Initiative insgesamt gut angenommen werden. Verstärkt sollen nun besonders förderwürdige Zielgruppen angesprochen werden. Parallel zu den Beratungsaktivitäten auf regionaler Ebene wird überregional an Querschnittsthemen zur Weiterentwicklung und Vernetzung der Initiative gearbeitet.

 

Über die Initiative

Aufbauend auf früheren Initiativen hat das BMBWF (ehemals BMBF) im Jahr 2011 die österreichweite Initiative Bildungsberatung Österreich lanciert: Im Mittelpunkt der Initiative steht der Auf- und Ausbau eines flächendeckenden, leistungsfähigen und anbieterneutralen Bildungsinformations- und Beratungssystems für Erwachsene. Dazu wurden in den Bundesländern Projektnetzwerke gebildet, in denen über 30 beratungsaktive Einrichtungen (Stand 2020) tätig sind. Diese Projektnetzwerke sind je nach Bundesland mit unterschiedlichen Partnern zusammengesetzt, auf Landesebene mehr oder weniger integriert und miteinander verbunden.

 

Neben den beratungsaktiven Partnern sind strategische Partner und Institutionen, die zwar nicht beraten, aber Zugang zu diversen Zielgruppen haben, in die Netzwerke eingebunden. Damit soll erreicht werden, dass

  • möglichst viele Institutionen in die Bildungsberatungsnetzwerke eingebunden sind,
  • eine breite regionale Verteilung der "Anlaufstellen" gewährleistet ist,
  • möglichst viele und unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden,
  • die Qualität der Beratungsleistungen und die Professionalisierung der beratenen Einrichtungen erhöht wird.

 

Parallel zur Vernetzung auf der regionalen Ebene arbeiten weitere Partnerorganisationen der Initiative gemeinsam mit den Ländernetzwerken an Querschnittsthemen (siehe Weiterentwicklung und Vernetzung). Alle Akteure agieren unter der gemeinsamen Dachmarke "Bildungsberatung Österreich". Diese soll sowohl die Transparenz und Sichtbarkeit des Angebots wie auch die berufliche Identität der BildungsberaterInnen stärken (Barth 2012).

Eine vollständige Übersicht über die beratungsaktiven Einrichtungen der Initiative Bildungsberatung Österreich nach Bundesländern finden Sie unter Bildungsinfo.

Beratungsformate

Die unterschiedlichen Angebote der Initiative Bildungsberatung Österreich lassen sich wie folgt systematisieren (siehe auch "Ansätze, Formate und Prozesse von Bildungsberatung"). Die Systematisierung folgt der Dokumentationslogik, mit der die Beratungskontakte erhoben werden.

Information zu Bildung und Beruf

Mitteilung von einfacheren Sachverhalten und/oder Bereitstellung von Materialien oder Medien zur Selbstinformation der KundInnen durch BeraterInnen. Der Entscheidungsprozess der KundInnen selbst ist nicht Gegenstand der Interaktion. Es handelt sich in der Regel um eine punktuelle Leistung, die jedoch in Folge zu anderen (internen oder externen) beraterischen Leistungen weiter vermitteln kann (Schlögl 2012).

Bildungs- und Berufsberatung (im weiteren Sinn)

Wünsche, Vorstellungen, Interessen und Neigungen, Kompetenzen, Potenziale und Fähigkeiten der Ratsuchenden werden in erster Linie an Hand von Gesprächen reflektiert und ggf. durch vorhergehende Testungen unterstützt. Es werden zusätzliche Handlungsoptionen erschlossen, oder die Reihenfolge der aktuellen individuellen Entscheidungskategorien besprochen. Fragen der Lebenslaufvorstellungen, Berufs- oder Karrierepläne werden diskutiert und kritisch hinterfragt und Entwicklungen des Bildungs- und Arbeitsmarktes integriert. Die aktive und eigenverantwortliche Gestaltung des Entscheidungsprozesses durch die Beratungskunden und - kundinnen steht bei dieser Form von Beratung im Vordergrund (Schlögl 2012).

Ressourcen- bzw. kompetenzorientierte Beratungsangebote

Diese stellen ein Beratungsformat dar, das auf vorhandene Ressourcen und Kompetenzen aufbaut und idealerweise auch ressourcenaktivierende Arrangements umfasst; so etwa solche Interventionen, die bei der Ausarbeitung eines persönlichen Kompetenzprofils beraten und dabei helfen, Dispositionen zu explorieren und persönliche Perspektiven besser einzuschätzen. Dabei kommen vielfach narrative Methoden zum Einsatz, die generell der Förderung von Selbstorganisation dienen (Schlögl 2012).

Beispiel Kompetenzberatung

Das Format "Kompetenzberatung" der Initiative Bildungsberatung Österreich wurde vom Ring Österreichischer Bildungswerke und dem Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) unter Einbindung der Projektnetzwerke in den Bundesländern und von FachexpertInnen entwickelt und eingeführt. Es stellt damit erstmals ein österreichweites, institutionenübergreifend standarisiertes Format dar.

 

Das Design einer Kompetenzberatung sieht einen Gruppenworkshop (eintägig oder in Form von zwei Halbtagen), Eigenarbeit (mindestens fünf Stunden) und abschließend eine oder mehrere Einzelberatung/en vor. Ergebnisse der Kompetenzberatung sind ein Kompetenzprotokoll, das die Erkenntnisse aus den Workshops und der Eigenarbeit dokumentiert, sowie ein persönlicher Aktionsplan. Im Mittelpunkt steht die Erkundung und Auseinandersetzung mit bisherigen Wegen der Kompetenzentwicklung und den "zugehörigen" Interessen und Wünschen, um schließlich Maßnahmen für die künftige persönliche Kompetenzentwicklung zu planen.

Die Kompetenz+Beratung. Ein Leitfaden

Brandstetter, Genoveva; Kellner, Wolfgang: Die Kompetenz+Beratung. Ein Leitfaden. Projektpublikation des Rings Österreichischer Bildungswerke und des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung im Rahmen des Projektnetzwerks "Bildungsberatung Österreich - Querschnittsthemen". Wien, Juli 2014.

Bildungsberatung im Fokus 01/2012: Kompetenz-Entwicklungsberatung

ÖSB: Kompetenz-Entwicklungsberatung. In: Bildungsberatung im Fokus. Ausgabe 1, 2012. Themtisch insbesondere passend: Schildberger/Kellner: Gruppen, Einzelcoaching und Eigenarbeit in kompetenzorientierten Formaten: Erfahrungen, Reflexionen und ein Skalierungsversuch; sowie Schlögl/Irmer: "Kompetenzberatung": so neu, dass sie noch gar keinen Namen hat.

Beratung in unterschiedlichen Settings

In jedem Bundesland wird durch die Beratungseinrichtungen ein breites Angebot an Information und Beratung umgesetzt. Dazu zählen persönliche Einzelkontakte Face-to-face oder Beratungen gestützt auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wie Telefon, Mail oder Web, wobei auch Beratung in der Erstsprache angeboten wird. Das Gros der Beratungsleistungen findet in Einzelgesprächen statt. Beratung wird aber auch im Gruppen- bzw. im Workshop-Setting angeboten (z.B. Workshop Kompetenzberatung). Weiters sind BildungsberaterInnen der Initiative auch auf Berufs- und Bildungsmessen zu finden.

 

Zunehmend werden die Beratungseinrichtungen in der aufsuchenden Bildungsarbeit aktiv. Beratung im Park, ein Bildungsbus durch ländliche Regionen oder Beratung vor Ort in Eltern-Kind-Zentren zählen zu den erprobten Angebotsformen der Bildungsberatung.

Beispiel Online-Bildungsberatung

2014 wurde die Online-Bildungsberatung bildungsberatung-online.at ins Leben gerufen, die mittlerweile gemeinsam von den Bundesländern Wien, Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol, Kärnten und Vorarlberg auf der datengeschützten Beratungsplattform "beranet" für alle Menschen in Österreich Bildungsberatung anbietet.
Angesprochen werden alle Personen mit Fragen zu Bildung und Beruf. Der asynchrone Beratungsprozess ermöglicht eine schriftliche Anfrage rund um die Uhr, unabhängig von Öffnungszeiten und Verkehrsverbindungen. Mit einer Antwort kann in der Regel innerhalb von drei Werktagen gerechnet werden. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit eine Chatberatung in Anspruch zu nehmen.

Das online-Beratungsformat ist besonders geeignet für:

  • Personen, die zeitlich und örtlich unabhängig sein wollen,
  • Personen mit eingeschränkter Mobilität,
  • Personen, die anonyme Beratung wünschen,
  • Personen, die Ihre Anliegen und Gedanken gerne aufschreiben,
  • Personen, die Online-Kontakte bevorzugen, weil sie diese z.B. besser steuern können,
  • Personen, die Internet gerne als effizientes Recherchemedium und für soziale Kontakte nutzen.

 

Mit der österreichweiten Online-Bildungsberatung gibt es nun erstmals ein bundesländerübergreifendes Beratungsangebot.

Beispiel Peer Interventionen in der Bildungsberatung

Durch den Einsatz von Peers versucht die Bildungsberatung in Wien verstärkt Menschen mit erschwertem Zugang zu Bildung und Beruf anzusprechen. Die bisher gemachten Erfahrungen zeigen, dass ein Teil dieser Menschen besser ansprechbar ist, wenn sie von Personen mit denselben oder zumindest vergleichbaren sozialen Erfahrungen kontaktiert werden. Das Wissen "im selben Boot" zu sitzen ermöglicht eine schnellere Kontaktaufnahme, schafft Vertrauen und erleichtert den wechselseitigen Austausch. Durch ihre Erfahrungen leisten Peers einen wertvollen Beitrag für die Menschen, die die Bildungsberatung ansprechen möchte. Zusätzlich kommt das Wissen der Peers über diese Zielgruppen auch der Weiterentwicklung des Angebots der Bildungsberatung zugute.

Beratungszahlen und Evaluation der Beratungsaktivitäten

Die Beratungsleistungen, die im Rahmen der Initiative Bildungsberatung Österreich erbracht werden, werden in einem institutionsübergreifenden Dokumentationssystem erfasst. Diese Dokumentation erlaubt einen Überblick über Indikatoren wie die Anzahl der Beratungskontakte nach unterschiedlichen Beratungsformaten, nach Zielgruppen, in regionaler Streuung und Ähnliches.

Beratungskontakte der Initiative (2018)

So sind im Jahr 2018 in allen beratungsaktiven Einrichtungen der Initiative 102.020 Beratungskontakte zustande gekommen. Der Großteil der Beratungskontakte lässt sich entweder der Information und Weiterverweise (ca. 62.500 Kontakte) bzw. der Bildungs- und Berufsberatung im weiteren Sinne (39.600 Kontakte) zuordnen. Durch das ressourcenaufwendige Format der Kompetenzberatung wurden an die 864 Personen erreicht (öibf 2019).

 

Mit knapp 70.500 Kontakten war die Face-to-face Einzelberatung das am häufigsten genutzte und umgesetzte Angebot aller österreichischen beratungsaktiven Einrichtungen der Initiative. Knapp 20.000 Kontakte konnten über die Telefonberatung hergestellt werden. Während durch die E-Mail-Beratung an die 43.700 Kontakte hergestellt werden konnten, gab es 2018 nur an die 1.800 Anfragen an die Online-Beratung.

Erreichung verschiedener Zielgruppen

Eine Evaluierung der Beratungskontakte durch das Institut für Höhere Studien (IHS), die 2013 die erreichten Personen anhand dokumentierter soziodemographischer Merkmale in den Blick nahm, zeigte, dass bestimmte Zielgruppen bislang besser als andere erreicht werden. Im besonderen Fokus standen hierbei die Hauptzielgruppen ESF-geförderter Maßnahmen (Frauen, ältere Personen, niedrigqualizierte Personen). Frauen (als ESF-Zielgruppe genannt) werden gut erreicht. Sie stellten zwei Drittel aller BeratungskundInnen. Obwohl altersspezifische Unterschiede abnehmen, zählten ältere Personen (45+) noch immer zu den schlechter erreichten Gruppen. Um die Gruppe der Niedrigqualifizierten als primäre Zielgruppe des ESF (als Indikator gilt der höchste Bildungsabschluss) zu erreichen, wurden verstärkte Anstrengungen empfohlen, da diese unter den KlientInnen der Bildungsberatung unterrepräsentiert waren (Steiner et al. 2013).

 

Fünf Jahre später zeigen die Beratungskontakte 2018 (Schmidtke et al. 2019) folgendes Bild: Weiterhin werden ältere Menschen zu einem geringeren Anteil erreicht. 34% der Beratungskontakte sind Menschen im Alter von 25-34 Jahren. Hingegen nur 12,4% machen Beratungssuchende im Alter von 45-54 Jahren aus. Personen im Alter von 55-64 Jahren zählen seltener zu den KundInnen der Bildungsberatung. Nur 2,5% der Kontakte sind in dieser Altersgruppe zu finden.

 

Hingegen hat sich die Ansprache von niedrigqualifizierten Personen deutlich verbessert. Personen mit maximal Pflichtschulabschluss machen rund 32% der Beratungskontakte und damit die größte erreichte Gruppe nach Bildungsniveau aus. Sie werden damit mittlerweile überdurchschnittlich im Vergleich zur Gesamtgesellschaft erreicht. Zu einem bedeutenden Anteil werden auch Personen mit Migrationshintergrund erreicht. 23,3% der Beratungskontakte lassen sich dieser Gruppe zuordnen. Werden nur die Beratungsformate "Bildungs- und Berufsberatung im weiteren Sinn" wie "Kompetenz+Beratung" berücksichtigt, steigt der Anteil sogar auf 43,6%.

 

Die geschlechtsspezifische Verteilung der Beratungskontakte bleibt in den letzten Jahren stabil bei knapp 60% Frauen und etwas über 40% Männern.

Weiterentwicklung und Vernetzung

Zusätzlich zu den Beratungsaktivitäten wurde im Rahmen der Initiative auf verschiedenen Ebenen einerseits an der Weiterentwicklung der Bildungsberatung wie auch an der Vernetzung der Bildungsberatungslandschaft gearbeitet. Zu den bearbeiteten Themen zählen u.a. die Entwicklung von Qualitätsstandards unter besonderen Berücksichtigung von Gender/Diversity Standards, Strategien zur Professionalisierung und Qualifizierung, neue Wege des Zugangs zu bislang schwer erreichten Zielgruppen, Wissensmanagement sowie die strategische Weiterentwicklung der Bildungs- und Berufsberatung in Innovationsfeldern. Weiteres Ziel war die Förderung der Vernetzung und des Austauschs unter BildungsberaterInnen durch Vernetzungsveranstaltungen, Informationstagungen oder durch das Online-Medium "Bildungsberatung im Fokus".

Weitere Informationen finden Interessierte unter "Initiative Bildungsberatung Österreich - Qualität und Professionalisierung". Die Koordination des Förderprogramms hat das BMBWF, Abteilung Erwachsenenbildung, Abtl. MnR.in Mag.a Regina Barth inne.

Weitere Informationen

Quellen

  • Barth Regina (2012): Pressestatement. 28. März 2012. Wien. »Link
  • Bildungsberatung im Fokus (2012): Kompetenz-Entwicklungsberatung. Ausgabe 1. »Link
  • Schmidtke, B., Gugitscher, K., & Lachmayr, N. (2019). Bildungsberatung 2018. Gesamtjahresaus-wertung der gemeldeten Beratungskontakte. ÖIBF.
  • Schlögel, Peter (2009): Verfahren der externen Qualitätssicherung für anbieterneutrale Bildungsberatung in Österreich. Konsolidierte Fassung. Wien.
  • Steiner, Mario/Pessel, Gabriele/Wagner, Elfriede (2013): ESF Beschäftigung Österreich 2007-2013. Bereich Erwachsenenbildung. Zwischenbericht 2012. Eine Evaluierung im Auftrag des BMUKK. Wien. »Link
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