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Begriffserklärung Diversität

Surur Abdul-Hussain und Roswitha Hofmann (2013)

Diversität kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Vielfalt und Vielfältigkeit (Duden, Fremdwörterbuch). Synonym zu Diversität/Diversity werden häufig auch die Begriffe Heterogenität, Unterschiedlichkeit, Verschiedenheit, Mannigfaltigkeit und Differenz verwendet. Der Begriff Diversität fokussiert auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Menschen. Dabei stehen historisch gewachsene gesellschaftliche Differenzsetzungen im Mittelpunkt, die soziale Ungleichheiten hervorgebracht haben.

 

Diversity im Sozialwissenschaftlichen Diskurs

Im aktuellen sozialwissenschaftlichen Diskurs wird mit dem Begriff Diversität oder Diversity auf individuelle, soziale und strukturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen und Gruppen fokussiert. Dabei handelt es sich vorwiegend um gesellschaftlich gesetzte Unterschiede wie Alter, Hautfarbe, Geschlecht, ethnische Herkunft, Religion und Weltanschauung, sexuelle Orientierungen, Behinderungen und Beeinträchtigungen. Diese Dimensionen, auch Kerndimensionen genannt, stehen in Österreich und der EU unter gesetzlichem Diskriminierungsschutz. Als gesellschaftliche Strukturkategorien beeinflussen diese und noch weitere Unterschiedsdimensionen individuelle Möglichkeiten und Chancen in unserer Gesellschaft. Als Zuschreibungen und Zugehörigkeitsaspekte wirken sie bis in persönliche Identitätsprozesse und unsere Integrität.

 

Diversitätsverständnis von Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten

Für die Bildungsarbeit ist es wichtig, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Blick zu nehmen. Der ausschließliche Fokus auf die Differenz führt häufig zur Trennung und Kategorisierung von sozialen Gruppen - ein guter Boden für Stereotypisierungsprozesse und Konflikte. Wenn der Fokus auf den Gemeinsamkeiten liegt, fördert dies konstruktive Beziehungen und Vertrauen. Für den Beratungs- und Bildungskontext ist es daher hilfreich, mit einem Diversitätsverständnis von Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten zu arbeiten. Denn der Blick auf die Gemeinsamkeiten erleichtert sehr häufig die Auseinandersetzung mit Unterschiedlichkeit im sozialen System.

Soziologisches und ethnologisches Verständnis von Diversity

Soziologisch und ethnologisch gesehen ist soziale Diversität das Resultat von Differenzierungen und von Differenzhandlungen in konkreten sozialen Interaktionen (Fuchs 2007). Sarah Fenstermaker und Candace West (2001) prägten dafür auch den Begriff "Doing Difference". Sie konnten nachweisen, dass Geschlecht, Ethnizität und soziale Klasse in sozialen Interaktionen gleichzeitig hergestellt werden und wirken. Erwachsenenbildung hat daher die Aufgabe, strukturelle, soziale und individuelle Doing-Difference-Prozesse zu analysieren, zu reflektieren und im Sinne einer Anerkennung von Diversität zu gestalten.

 

 

 

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Weitere Informationen

Quellen

  • Abdul-Hussain, Surur (2012): Genderkompetenz in Supervision und Coaching. Mit einem Beitrag von Ilse Orth und Hilarion G. Petzold zu "Genderintegrität". Wiesbaden: Springer VS Verlag.
  • Abdul-Hussain, Surur/Baig, Samira (Hg.) (2009): Diversity in Supervision, Coaching und Beratung. Wien: facultas.wuv.
  • Bendl, Regine/Hanappi-Egger, Edeltraud/Hofmann, Roswitha (Hg.) (2012): Diversität und Diversitätsmanagement. Wien: facultas.wuv.
  • Fenstermaker, Sarah/West, Candace (2001): "Doing Difference" revisited. Probleme, Aussichten und der Dialog in der Geschlechterforschung. In: Heintz, Bettina (Hg.): Geschlechtersoziologie. Sonderheft 41/2001 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, S. 236-249.
  • Fuchs, Martin (2007): Diversity und Differenz - Konzeptionelle Überlegungen. In: Krell, Gertraude/Riedmüller, Barbara/Sieben, Barbara/Vinz, Dagmar (Hg.): Diversity Studies. Grundlagen und disziplinäre Ansätze. Frankfurt/New York: Campus Verlag, S. 17-34.

 
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