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Inklusive Kurs- und Seminarmodelle

Beatrix Eder-Gregor, Eva-Maria Speta (2018)

Inklusive Kurse und Seminare unterscheiden sich nicht grundlegend von Kursen der allgemeinen Erwachsenenbildung. Als barrierefrei gelten Methoden, wenn sie auf die Bedürfnisse aller TeilnehmerInnen abgestimmt werden. Tipps zu diesen Themenbereichen können auch in der Broschüre Bildungsveranstaltungen barrierefrei nachgelesen werden.

 

Barrierefreie Veranstaltungen konzipieren und leiten

Die Konzeption eines barrierefreien Kurs- und Seminarmodells erfordert schon im Vorfeld einige zusätzliche Überlegungen und Planungsschritte. Dazu gehören zum Beispiel:

Festlegung der Gruppengröße

Bei barrierefreien Veranstaltungen ist auf eine entsprechende Gruppengröße zu achten. Um gezielt auf die einzelnen TeilnehmerInnen und deren Bedarfe eingehen zu können, ist eine Gruppengröße von sechs bis zehn Personen empfehlenswert.

Erstellung von Skripten

Es ist hilfreich, wenn Skripten zur Verfügung gestellt werden, damit die TeilnehmerInnen nicht mitschreiben müssen. Das hilft im Besonderen jenen Menschen, die sich mit dem Schreiben schwertun. Aber auch für viele andere Menschen ist es angenehm, die volle Aufmerksamkeit auf das Geschehen vor Ort richten zu können und sich nicht auf eine Mitschrift konzentrieren zu müssen. Wenn es Skripten und andere Materialien gibt, ist es gut, das gleich zu Beginn der ersten Einheit bekannt zu geben. Wichtig ist, darauf zu achten, dass manche Unterlagen ggf. vorab umgearbeitet werden müssen, so dass sie auch für behinderte TeilnehmerInnen gut nutzbar sind. Das betrifft zum Beispiel Schriftart und -größe, Symbole, einfache Sprache oder digitale Aufbereitung. Informationen dazu, welche Zielgruppe welche Materialien benötigt, finden Sie unter Barrierefreie Materialien und Hilfsmittel: wer braucht was? Tipps für den Seminaralltag. Diese Umarbeitung kostet Zeit und muss daher ggf. fristgerecht in Angriff genommen werden.

Durchführung von Planungsgesprächen

Wenn sich für einen Kurs auch ein/e TeilnehmerIn mit Behinderung angemeldet hat, ist es empfehlenswert, ihm/ihr vor der ersten Einheit ein Gespräch anzubieten, um die jeweiligen Bedarfe direkt zu erfragen und in der Planung darauf Rücksicht nehmen zu können.

Organisation von Assistenzpersonen

In einigen Situationen kann der Einsatz von AssistentInnen hilfreich sein, die während des Kurses behinderte TeilnehmerInnen auf unterschiedliche Art und Weise unterstützen (das können Handreichungen sein, das Anfertigen von Notizen, das Wegräumen von Hindernissen...). Es sollte daher schon im Vorfeld einer Veranstaltung mitbedacht werden, was es braucht, wenn Assistenzpersonen eingesetzt werden sollen.

Erstellung von Evaluierungs-Bögen

Bei barrierefreien Veranstaltungen ist es - mehr noch als bei allen anderen Veranstaltungen der Erwachsenenbildung - wichtig, diese zu evaluieren. Die Evaluierungsbögen sollten konkrete Fragen zur Umsetzung der Barrierefreiheit enthalten bzw. Verbesserungsvorschläge abfragen. Nur so ist es möglich, laufend dazu zu lernen und Veranstaltungen von Mal zu Mal zu verbessern und weiterzuentwickeln.

Barrierefreie Materialien und Hilfsmittel: wer braucht was? Tipps für den Seminaralltag

Ja nach Art der Behinderung, haben die Menschen unterschiedliche Bedarfe an Hilfsmitteln und sonstigen Unterstützungsangeboten. Wie bereits an anderer Stelle festgehalten, können auch hier nicht alle möglichen Tipps und Hinweise berücksichtigt werden. Die Auswahl beschränkt sich auf einige besonders wichtige Maßnahmen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dieser Abschnitt enthält Vorschläge zu:

 

  • Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen
  • Unterstützungsmöglichkeiten für gehörlose Menschen
  • Unterstützungsmöglichkeiten für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen
  • Unterstützungsmöglichkeiten Menschen mit Lernschwierigkeiten/kognitiver Behinderung
  • Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen

 

Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen

Für Menschen mit Hörbeeinträchtugung empfehlen sich folgende Unterstützungsangebote:


Der Einsatz einer induktiven Höranlage: Wenn es in der Bildungseinrichtung einen Raum mit einer induktiven Höranlage gibt, sollte für Veranstaltungen, die auch von hörbeeinträchtigten Menschen besucht werden, dieser Raum genutzt werden. Ist keine solche Anlage vorhanden, sollte abgeklärt werden, ob es (finanziell) möglich ist, eine Anlage für den jeweiligen Kurs auszuleihen.


Der Einsatz von SchriftdolmetscherInnen: Für hörbeeinträchtigte Menschen kann der Einsatz von SchriftdolmetscherInnen hilfreich sein.

Das Lippenlesen erleichtern: Im direkten Umgang mit einer hörbeeinträchtigten Person ist es wichtig, auf eine gute Ausleuchtung im Raum zu achten. Es sollte direkter Sichtkontakt zu hörbeeinträchtigten Person aufgebaut werden, um das Lippenlesen so einfach wie möglich zu machen Die Möglichkeiten, gesprochene Worte von den Lippen abzulesen, sind ohnedies sehr beschränkt, es ist daher wichtig, die bestmöglichen Rahmenbedingungen herzustellen. Daher ist es wichtig, nicht vor einem Fenster zu stehen, es sollte langsam, deutlich und in normaler Lautstärke gesprochen werden. Laut zu sprechen bringt häufig nichts und verzerrt das Mundbild. Kurze und klare Sätze, das Vermeiden von Fremdwörtern und Fachausdrücken helfen beim Verstehen.


Schwerpunkt auf visuellen Informationen: Optische Informationen stellen für hörbeeinträchtigte Menschen eine Erleichterung dar. Wichtiges sollte daher zusätzlich aufgeschrieben werden. Wesentlich ist bei der Verwendung von Tafeln, Flipcharts oder einer Pinwand, dass zuerst geschrieben bzw. gepinnt wird und erst weitergesprochen wird, wenn der Blickkontakt mit der hörbeeinträchtigen Person wiederhergestellt ist. Skripten sind für hörbeeinträchtigte Menschen ebenfalls hilfreich.

Unterstützungsmöglichkeiten für gehörlose Menschen

Für gehörlose Menschen sollten folgende Unterstützungsangebote realisiert werden:


Einsatz von GebärdensprachdolmetscherInnen: Gehörlose Menschen brauchen fast immer GebärdensprachdolmetscherInnen. Das erfordert sowohl organisatorische als auch zeitliche Ressourcen. Die DolmetscherInnen müssen fristgerecht angefragt werden, und es müssen ihnen etwaige Skripten und Unterlagen vorab zukommen gelassen werden, damit sie sich entsprechend auf die jeweiligen Inhalte der Veranstaltung vorbereiten können. Insofern muss dabei - je nach Umfang der Veranstaltung - eine entsprechende Vorbereitungszeit für die DolmetscherInnen miteingeplant werden. Im Gespräch mit einer gehörlosen Person mit DolmetscherIn ist es wichtig, die gehörlose Person als GesprächspartnerIn zu fokussieren. Das mag ungewöhnlich sein, da die gehörlose Person selbst eher den/die DolmetscherIn anschauen wird, zeigt aber von Verständnis für die Situation. Gehörlose Personen brauchen ausreichend Raum und Zeit, um Fragen zu stellen.


Das Lippenlesen erleichtern: Vor Ort sind gute Lichtverhältnisse im Raum wichtig. Im Gespräch mit einer gehörlosen Person ist nicht notwendig lauter zu sprechen und auch Gestik und Mimik werden wie gewohnt eingesetzt. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Hände nicht vor dem Mund stehen bleiben, damit die gehörlose Person so viel als möglich von den Lippen ablesen kann. Es ist gut, auf eine deutliche Aussprache zu achten und beispielsweise nicht Kaugummi zu kauen, da dies das Mundbild verzerrt.


Optische Hilfsmittel einsetzen: Optische Informationen stellen eine Erleichterung für gehörlose Menschen dar, Wichtiges sollte daher zusätzlich aufgeschrieben werden. Dabei ist es wesentlich, bei der Verwendung von Tafeln, Flipcharts oder einer Pinnwand zuerst zu schreiben bzw. zu pinnen und erst dann weiterzusprechen, wenn der Blickkontakt mit der gehörlosen Person wiederhergestellt ist. Bei einem Wechsel des Mediums (z.B. vom Beamer aufs Flipchart) ist es möglicherweise notwendig, dass sich die gehörlose Person und ihre DolmetscherInnen umsetzen.


Um die Aufmerksamkeit einer gehörlosen Person zu erregen, tippt man ihr auf die Schulter, stampft fest auf den Boden oder schaltet das Licht an und aus.


Informationen in Leichter Sprache: Skripten sind für gehörlose Menschen ebenfalls hilfreich. Fallweise sollten diese in Leichter Sprache verfasst sein, da sich die österreichische Gebärdensprache, was die Grammatik betrifft, deutlich von der Lautsprache unterscheidet. Da das Umschreiben von Skripten in Leichte Sprache einen gewissen organisatorischen Aufwand bedeutet, sollte am besten noch vor Beginn des Kurses mit der gehörlosen Person abgeklärt werden, in welcher Form sie die Skripten benötigt.

Unterstützungsmöglichkeiten für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen

Für sehbeeinträchtigte und/oder blinde Menschen bieten sich folgende Unterstützungsmaßnahmen an:


Screenreadertaugliche Unterlagen: Menschen mit starker Sehbehinderungen und blinde Menschen nutzen häufig einen so genannten Screenreader. Das ist ein Computerprogramm, mit dem sie sich alle Inhalte, die sehende Menschen auf ihrem Computerbildschirm sehen, vorlesen lassen können. Damit der Screenreader Dokumente entschlüsseln kann, müssen diese auf eine bestimmte Art und Weise erstellt werden. AnsprechpartnerInnen, die Ihnen bei der Erstellung von screenreadertauglichen Dokumenten behilflich sein können, finden Sie unter "Kontakte und Informationen". Sollte noch ein Sehrest vorhanden sein, kann es ausreichend sein, Unterlagen in einer größeren Schrift und möglicherweise auch einem stärkeren Kontrast als üblich zur Verfügung zu stellen. Was die Person im Detail braucht, sollte vorab direkt mit ihr besprochen werden. Die Erstellung von gut nutzbarem Materialien für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen erfordert möglicherweise zusätzliche Zeit und muss daher fristgerecht in Angriff genommen werden.


Materialien und Unterlagen vorab: Abseits von der konkreten Gestaltung von Dokumenten, hilft es sehbeeinträchtigten und blinden Menschen, wenn sie die Unterlagen schon im Vorfeld erhalten. So können sie noch vor Kursbeginn ausprobieren, ob der Screenreader die Dokumente entschlüsseln kann und sich schon einlesen.

 

Steckdosen-Plätze: Im Seminarraum vor Ort kann es hilfreich sein, darauf zu achten, dass sehbeeinträchtigte oder blinde TeilnehmerInnen einen Sitzplatz in der Nähe einer Steckdose bekommen, damit sie im Fall den Laptop mit dem Screenreader auch vor Ort nutzen können.

 

Sensibilität bei der Auswahl von Übungsaufgaben: Bei der Auswahl von Übungsaufgaben muss darauf geachtet werden, dass diese auch von sehbeeinträchtigten und/oder blinden Personen mitgemacht werden können.

 

Sprechen: Wenn ein/e TeilnehmerIn mit Sehbeeinträchtigung zum ersten Mal in einen Kurs kommt, kann es hilfreich sein, ihm oder ihr eine genaue Beschreibung des Raumes zu geben: wo steht was?, welche Hindernisse sind vorhanden?, ... Möglicherweise ist auch eine gemeinsame Begehung des Raumes notwendig. Jede Kurseinheit sollte ggf. mit einer Einstiegsrunde mit Namensnennung begonnen werden. Somit weiß auch die sehbeeinträchtigte/blinde Person, wer anwesend ist und wer in etwa wo sitzt. Wenn neue Personen den Raum betreten, sollte darauf Bezug genommen werden. Inhalte und Übungen müssen für sehbeeinträchtigte oder blinde Menschen klar und detailliert beschrieben werden.

 

Ansprechpersonen definieren: Es gibt Sicherheit, wenn zu Beginn des Kurses eine Person definiert wird, die die Person mit Sehbeeinträchtigung unterstützt, falls das Gebäude in einem Notfall rasch verlassen werden muss (z.B. bei einem Feueralarm).


Blindenführhunde nicht stören: Sollte ein Blindenführhund im Kurs anwesend sein, so darf er nicht gestreichelt oder abgelenkt werden.

Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Lernschwierigkeiten/kognitiver Behinderung

Für diese Personengruppe sind folgende Unterstützungsangebote wichtig:


Auf Formulierungen achten: Der vielleicht wichtigste Hinweis im Umgang mit Menschen mit Lernschwierigkeiten ist jener, dass sie als "Menschen mit Lernschwierigkeiten" bezeichnet werden wollen. Formulierungen wie "Menschen mit geistiger Behinderung" sind nicht mehr zeitgemäß und in der Zielgruppe unerwünscht.

 

Informationen in Leichter Sprache: Menschen mit Lernschwierigkeiten brauchen Informationen in Leichter Sprache. Das betrifft einerseits die Unterlagen, aber auch die verwendete Sprache im Kurs. Leichte Sprache ist ein Fachterminus, der auf besonders leichte Verständlichkeit abzielt. Die Regeln für Leichte Sprache werden vom Verein "Netzwerk Leichte Sprache" herausgegeben. Sie umfassen neben Sprachregeln auch Rechtschreibregeln und Empfehlungen zur Schriftart und Schriftgröße. Hinweise und Tipps zur Verwendung von Leichter Sprache finden Sie im Internet. Bei der Gestaltung der Unterlagen für das Seminar ist es wesentlich, den erhöhten Zeitaufwand zu berücksichtigen, der benötigt wird, um Unterlagen in Leichte Sprache umzuschreiben. Das ist schwieriger als man vielleicht glaubt und nimmt einiges an Vorbereitungszeit in Anspruch. Die Verwendung von entsprechenden Bildern und/oder Piktogrammen kann für diese Zielgruppe ebenfalls hilfreich sein.

 

Faktor Zeit: Generell sollte in barrierefreien Kursen auf eine großzügige Zeitplanung geachtet werden, da behinderte TeilnehmerInnen und im Besonderen TeilnehmerInnen mit Lernschwierigkeiten möglicherweise mehr Zeit benötigen, um sich gut auszudrücken bzw. um Fragen zu stellen.

 

Einladen, Fragen zu stellen: Es ist für diese Zielgruppe wesentlich, sie regelmäßig einzuladen und zu ermuntern, ihre Fragen zu stellen. Dabei erleichtern Formulierungen wie, "Habe ich mich verständlich genug ausgedrückt?" manchen TeilnehmerInnen das Nachfragen, weil diese Formulierung impliziert, dass der Fehler bei dem/der Vortragenden liegt, wenn er/sie nicht verstanden wurde. Im Gegensatz dazu können Formulierungen wie, "Haben Sie mich verstanden?" verunsichern.

 

Auf Wiederholungen achten: Wie vielen anderen Menschen auch, hilft es Menschen mit Lernschwierigkeiten wenn Inhalte auf verschiedene Art und Weise aufbereitet und öfter wiederholt werden. Übungen in Kleingruppen bzw. in Zweiergruppen bieten sich für diese Zielgruppe besonders an.

 

AnsprechpartnerInnen und Unterstützungspersonen definieren: Für Menschen mit Lernschwierigkeiten ist es ideal, wenn es ein/e AnsprechpartnerIn für alle Fragen (inhaltlich wie organisatorische) gibt, damit diese sofort geklärt werden können. Es kann außerdem hilfreich sein, eine Lernassistenz zu bekommen. Es sollte bereits im Vorfeld eines Kurses abgeklärt werden, ob das notwendig sein wird und ggf. die notwendigen Schritte eingeleitet werden.

 

Begegnungen auf Augenhöhe: Wenn eine Person mit Lernschwierigkeiten mit einer Assistenzperson unterwegs ist, sollte darauf geachtet werden, dass man direkt mit der Person mit Lernschwierigkeiten spricht und nicht mit der Assistenzperson. Die Person mit Behinderung ist der/die GesprächspartnerIn und sollte auch entsprechend behandelt werden.

Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Menschen mit psychischer Erkrankung werden beim Thema Barrierefreiheit häufig noch nicht mitgedacht. Dabei gehören psychische Erkrankungen zu den dringlichsten Gesundheitsproblemen der Bevölkerung. Aber da diese Erkrankungen nicht sichtbar sind, werden sie häufig übersehen. Es sollte daher immer im Hinterkopf behalten werden, was für diese Zielgruppe getan werden kann. Dazu gehören:


Klare und eindeutige Informationen: Für Menschen mit psychischer Erkrankung sind klare und eindeutige Informationen zur Veranstaltung und zu den Rahmenbedingungen wesentlich. Generell sind Einfachheit und Unkompliziertheit, sowohl im institutionellen wie räumlichen Umfeld, aber im Besonderen im persönlichen Umgang entscheidend.

 

Freundliche und warme Lernatmosphäre: Ein heller und freundlicher Kursraum unterstützt eine freundliche und warme Lernatmosphäre. Generell, aber im Speziellen im Hinblick auf diese Zielgruppe, sollte auf einen wertschätzenden Umgang, auch unter den TeilnehmerInnen, geachtet werden. Transparenz und Übersichtlichkeit bezüglich der Inhalte und hinsichtlich des Aufbaus der Veranstaltung sind für diese Zielgruppe wichtige Kriterien, ebenso wie Verlässlichkeit und Kontinuität.

Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen

Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sind in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und benötigen zum Ausgleich Hilfsmittel, wie Gehstöcke, Rollatoren oder auch Rollstühle. Für sie ist daher die Umsetzung baulicher Barrierefreiheit besonders wesentlich. Aber auch im direkten Umgang miteinander und im Kursgeschehen gibt es einiges, was beachtet werden kann:


Schwellenloser Zugang: Der Kursraum, sollte so ausgewählt werden, dass dieser - und auch die barrierefreie Toilette - möglichst schwellenlos erreicht werden kann. Wenn zur Erreichung des Kursraumes ein Treppenlift benötigt wird, sollte darauf geachtet werden, dass die Ansprechperson, die sich damit auskennt, zur Verfügung steht und ihn bedient.

 

Ausreichend Platz: Bei der Wahl des Kursraumes sollte weiterhin darauf geachtet werden, dass er so groß ist, dass sich auch eine Person im Rollstuhl gut darin fortbewegen kann. Die freie Platzwahl im Raum sollte gegeben sein, Tische müssen unterfahrbar sein. Gang- und Türbreiten spielen ebenfalls eine Rolle. Sollte es notwendig sein, den Raum zu wechseln, muss auch der neue Raum den Erfordernissen der Barrierefreiheit entsprechen.


Sensibilität bei der Auswahl von Übungsaufgaben: Bei der Auswahl von Übungsaufgaben muss darauf geachtet werden, dass diese auch von mobilitätseingeschränkten Personen mitgemacht werden können.

 

AnsprechpartnerInnen definieren: Es gibt Sicherheit, wenn zu Beginn des Kurses eine Person definiert wird, die die Person mit Mobilitätseinschränkung unterstützt, falls das Gebäude in einem Notfall rasch verlassen werden muss (z.B. bei einem Feueralarm).

 

Servicehunde nicht stören: Sollte ein Servicehund im Kurs anwesend sein, so darf er nicht gestreichelt oder abgelenkt werden.

Barrierefreie Methoden sind allgemeine Methoden

Als barrierefrei gelten Methoden, wenn sie auf die Bedürfnisse aller TeilnehmerInnen abgestimmt werden. Abseits dieser sehr allgemeinen Formulierung können dennoch ein paar konkrete Vorschläge zu Methoden für barrierefreie Veranstaltungen zusammengefasst werden:

 

Auf Blickkontakt achten: Eine Sitzordnung, bei der alle TeilnehmerInnen Blickkontakt zueinander haben ist optimal und für gehörlose oder hörbeeinträchtigte Personen zwingend notwendig.

 

Errichtung einer Fragewand: Eine einfache Methode, die vielen Menschen hilft, ist die Errichtung einer Fragewand. An diese Fragewand können KursteilnehmerInnen Fragen pinnen, die ihnen wichtig sind. Zu Beginn eines Kurses bietet die Fragewand für die Kursleitung den Vorteil, dass sie alle Fragen, aber auch Erwartungen, die an den Kurs gestellt werden, auf einen Blick sieht. Die Fragewand sollte während des gesamten Kurses stehen bleiben. So erfüllt sie zwei Funktionen gleichermaßen: einerseits bleiben dort jene Fragen, die gestellt wurden, aber aus verschiedenen Gründen noch nicht beantwortet wurden (weil der Zeitpunkt nicht passend war, weil man sich selbst erst erkundigen muss...) erhalten und sichtbar, so dass sie nicht vergessen werden können, bis der richtige Zeitpunkt für ihre Beantwortung gekommen ist. Andererseits haben so die TeilnehmerInnen jederzeit die Möglichkeit, neue Fragen zu deponieren, ohne sich zwangsläufig vor allen zu Wort melden zu müssen. Das ist besonders für TeilnehmerInnen hilfreich, die sich nicht gerne in der Gruppe äußern. Im Lauf der Zeit ist es so möglich, TeilnehmerInnen diesbzgliche Ängste zu nehmen und sie werden ermutigt, ihre Fragen zu stellen.

 

Methoden- und Medien-Mix: Es sollten verschiedene Methoden - nicht nur - mit kommunikativen Elementen verwendet werden. Darüber hinaus empfiehlt sich die Verwendung verschiedener Medien: visueller, auditiver, taktiler, etc. Dabei sollte immer das so genannte 2-Sinnes-Prinzip im Hinterkopf behalten werden: je nachdem welches Medium angeboten wird, sollte es jeweils noch eine Alternative geben, die einen anderen Sinn anspricht. Wenn also zum Beispiel eine Hörübung stattfindet, sollte der Text für hörbeeinträchtigte oder gehörlose TeilnehmerInnen auch in Schriftform angeboten werden. Wenn zum Beispiel visuelle Informationen angeboten werden, sollten diese für blinde TeilnehmerInnen zusätzlich verbal erläutert werden und so weiter. Das erfordert in manchen Situationen ein grundlegendes Umdenken.

 

Darüber hinaus ist es empfehlenswert, die TeilnehmerInnen regelmäßig in Kleingruppen zusammenarbeiten zu lassen. Bei Übungen, die es notwendig machen, sich im Raum zu bewegen darauf, muss darauf geachtet werden, dass diese auch für Personen im Rollstuhl und blinde Menschen selbstständig durchführbar sind und keine Hindernisse im Weg sind. Bei Unsicherheiten, ob eine konkrete Methode eingesetzt werden kann, ist es am besten direkt bei dem/der behinderten TeilnehmerIn nachzufragen. Dasselbe gilt auch für den Einsatz von Hilfsmitteln oder Unterstützungsangeboten.

 

Angst- und stressfreie Lernatmosphäre: Barrierefreie Bildungsangebote erfordern eine angst- und stressfreie Lernatmosphäre. Damit ist u.a. gemeint, dass Tempo und Erklärungen an die Gruppe angepasst werden müssen. Mehr noch als in anderen Kurs- und Seminarangeboten braucht es Zeit für Fragen, Wiederholungen und Pausen. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass alle aktiv mitarbeiten und Fragen stellen können. Schüchterne TeilnehmerInnen sollten ohne Druck regelmäßig dazu eingeladen werden, Fragen zu stellen. Formulierungen wie, "Habe ich mich verständlich genug ausgedrückt?" erleichtern TeilnehmerInnen das Nachfragen, weil diese Formulierung impliziert, dass der Fehler bei dem/der Vortragenden liegt, wenn er/sie nicht verstanden wurde. Die Frage "Haben Sie mich verstanden?" kann im Gegensatz dazu manche TeilnehmerInnen verunsichern. Für viele TeilnehmerInnen ist es hilfreich, wenn sie Lernform, Ziele und Themen des Kurses - je nach ihren individuellen Möglichkeiten - mitgestalten können.

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