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Struktur der Beschäftigten in der Erwachsenenbildung

CC BY Lucia Paar und Wilfried Frei (geb. Hackl) - Redaktion/CONEDU, 2019/2020

Die österreichische Erwachsenenbildung zeichnet sich durch eine sehr differenzierte Struktur aus, die es schwierig macht, umfassende und eindeutige Daten hinsichtlich der in der Erwachsenen- und Weiterbildung Beschäftigten zu ermitteln. Die Datenlage ist überschaubar, die Angaben sind je nach Zählweise uneinheitlich und daher auch nicht vergleichbar. Bei den Erwerbsdaten der Statistik Austria fallen ErwachsenenbildnerInnen (v.a. TrainerInnen) beispielsweise unter die unspezifische Berufsbezeichnung "sonstiger Unterricht" entsprechend der ÖNACE-Einordnung. Gruber und Lenz kamen daher 2016 zum Befund, dass es bisher kaum nähere Informationen über die Anzahl oder über rechtlich-organisatorische Aspekte von den in der Erwachsenenbildung Tätigen gibt (vgl. Gruber/Lenz 2016, S. 92).

 

Was wissen wir ungeachtet dessen? Unterschiedliche ExpertInnen sprechen immer wieder von 100.000 und mehr Menschen in Österreich, die in irgendeiner Form in der Erwachsenenbildung tätig sind. Diese Zahlen beinhalten aber auch Schätzwerte. Allein die Verbände der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) zählten im Jahr 2018 gesamt 61.500 haupt- u. nebenberufliche Beschäftigte. Dazu kamen über 25.000 Ehrenamtliche (vgl. KEBÖ 2019 ). Nach den Regeln des branchenspezifischen Kollektivvertrags der BABE (Berufsvereinigung der ArbeitgeberInnen privater Bildungseinrichtungen) waren mit Stand 2017 immerhin rund 12.500 ArbeitnehmerInnen beschäftigt (vgl. Sturm 2019). Sturm geht auf Anfrage der Redaktion von insgesamt rund 16.000 echten DienstnehmerInnen in der Erwachsenenbildung aus und legt dem einen Datenabgleich zwischen KEBÖ u. BABE zugrunde.

 

Dieses heterogene Bild der Beschäftigungsstruktur der Erwachsenenbildung lässt einen etwas rätselnd zurück, um welche und wie viele Beschäftigte in welchen Dienstverhältnissen und bei welchen Arbeitgebern es sich insgesamt wohl handeln mag. Mit Stand 2020 fehlen neuere Forschungen dazu.

 

Eine informative und auch laufend publizierte Datenlage findet man immerhin in den Statistiken der zur KEBÖ gehörenden Verbände, die auch im Förderungsgesetz für die Erwachsenenbildung als solche anerkannt sind. Dabei zeigt sich: Es arbeiten mehr Frauen als Männer in diesen Einrichtungen, die meisten sind nebenberuflich tätig und über 35 Jahre alt.

Mehr Frauen als Männer in der Erwachsenenbildung

Die Verbände der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs weisen jährlich ihre MitarbeiterInnenzahl aus. Demnach haben im Jahr 2018 insgesamt 86.722 MitarbeiterInnen in den KEBÖ-Verbänden gearbeitet, Ehrenamtliche mitgezählt. Knapp 60% davon waren Frauen, wobei es von den WIFIs keine Angaben zur Geschlechterverteilung gibt.

 

Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA djp) hatte in den Jahren 2011 und 2012 mittels zweier Umfragen Daten zu Honoraren und Arbeitsbedingungen in der Erwachsenenbildung erhoben. Wie bei der KEBÖ hat sich auch hier gezeigt, dass das Berufsfeld frauendominiert ist: 64% der befragten Personen waren weiblich.

 

Ein Monitoring des Bildungsnetzwerk Steiermark aus 2018 bestätigt diese Einschätzung der Geschlechterverteilung für dieses Bundesland. Demnach waren über 59% aller MitarbeiterInnen in 62 steirischen Organisationen weiblich, fast 41% männlich.

 

Eine Studie zu Arbeits- und Lebensbedingungen von Beschäftigten in der Erwachsenenbildung in Kärnten aus 2017 wertete die Angaben zu 1.455 Beschäftigte im Weiterbildungssektor aus, bei einer Rücklaufquote von ca. 14 %. Auch hier waren 54 % der Befragten Frauen. Die Studie konnte zudem zeigen, dass gerade hauptberufliche Arbeit in der Kärntner Erwachsenenbildung frauendominiert ist: der Frauenanteil in der Gruppe der Hauptberuflichen lag mit etwa 73% deutlich über jenem der Männer (ca. 27%). Ein umgedrehtes Bild zeigte sich bei den nebenberuflich Beschäftigten: 65% der in der Erwachsenenbildung nebenberuflich Tätigen waren in dieser Erhebung Männer.

Die meisten arbeiten nebenberuflich in der Erwachsenenbildung

Die meisten MitarbeiterInnen der KEBÖ-Verbände waren 2018 nebenberuflich tätig, nämlich ca. 63%. Etwa 29% arbeiteten ehrenamtlich in der Erwachsenenbildung, nur 7% hauptberuflich. Es zeigten sich dabei starke Unterschiede zwischen den Organisationen. So waren zum Beispiel im Büchereiverband und im Forum katholischer Erwachsenenbildung viele ehrenamtlich tätig, während die Statistik für WIFI und BFI keine Ehrenamtlichen ausweist.

 

In der bereits oben erwähnten Studie der GPA djp wurde gefragt, wie viele Wochen ErwachsenenbildnerInnen im Jahr arbeiten (ohne Urlaub, Weiterbildungszeit, Krankheit, etc.). Hier zeigte sich eine große Streuung, was laut den AutorInnen auch das Produkt einer hohen Anzahl an nebenberuflich Tätigen sei.

 

Die besagte Erhebung aus der Steiermark zeigte, dass 2018 rund 8.000 MitarbeiterInnen in der steirischen Erwachsenenbildung tätig waren, fast 85% von ihnen waren als TrainerInnen und Vortragende beschäftigt. Ca. 19% aller MitarbeiterInnen befanden sich in einem Angestelltenverhältnis, 8% in Vollzeit und knapp 11% in Teilzeit. Ca. 9% aller erfassten MitarbeiterInnen waren ehrenamtlich tätig, wobei zwei Organisationen ausschließlich ehrenamtlich organisiert waren.

Das Gros der ErwachsenenbildnerInnen ist über 35 Jahre alt

Die Studie der GPA djp aus 2011/2012 ergab, dass 84% der befragten ErwachsenenbildnerInnen über 35 Jahre alt waren, keine einzige Person unter den Befragten war unter 25 Jahre alt. Über 50% der Beschäftigten waren älter als 45, 34% der Befragten waren zwischen 35 und 45 Jahren alt.

 

Ein ähnliches Bild zeigte sich für ErwachsenenbildnerInnen in Kärnten. In der Studie hat die Universität Klagenfurt im Auftrag der Arbeiterkammer Kärnten Personen zwischen 20 und 77 Jahren befragt, das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 47 Jahren.

 

Etwa 18% der Befragten waren zwischen 20 und 34 Jahre alt, fast 41% waren zwischen 35 und 49 Jahre alt und ca. 41% waren 50 oder älter. Während in den ersten beiden Altersgruppen mehr Frauen als Männer vertreten waren, gab es in der Gruppe im Alter von 50+ um 15% mehr Männer als Frauen.

Berufsvereinigung BABE: Förderung von Erwachsenenbildung als eigene Branche

Erwachsenenbildung war schon immer durch eine vielfältige Trägerstruktur und unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse gekennzeichnet. Dadurch kam es häufig zu Unterschieden in der Entlohnung und der sozialen Absicherung des Bildungspersonals, aber auch zu Verzerrungen bei Wettbewerbsbedingungen zwischen den Einrichtungen und somit bei der Vergabe von Aufträgen. Erst in den vergangenen fünfzehn Jahren hat sich hier Entscheidendes geändert.

 

Mitte der 1990er Jahre gab es erste Überlegungen zu einem Kollektivvertrag, der die Entgelt- und Arbeitsbedingungen der ArbeitnehmerInnen in der Erwachsenenbildung regeln sollte (vgl. Sturm 2019). Daraufhin wurde 1999 die Berufsvereinigung der ArbeitgeberInnen privater Bildungseinrichtungen (BABE) gegründet, die den Kollektivvertrag umsetzen sollte. 2005 trat der BABE-KV als erster Kollektivvertrag der Erwachsenenbildung in Kraft.

 

Die BABE mit ihren 69 Mitgliedseinrichtungen (Stand Mitte 2020) fördert die Etablierung von Erwachsenenbildung als eigene Branche, will ihr Kontur verleihen und gibt Einblick in die Beschäftigtenstruktur von Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Sie vertritt die Interessen ihrer Mitglieder bei Vertragsverhandlungen und setzt sich für die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Bildungseinrichtungen ein (vgl. BABE 2020).

Quellen

  • BABE (2020): BABE-Mitglieder. »Link
  • Gruber, Elke/Lenz, Werner (2016): Erwachsenen- und Weiterbildung Österreich. 3. Auflage. Bielefeld: W. Bertelsmann.
  • GPA djp (2012): Honorare und Arbeitsbedingungen in der Erwachsenenbildung 2012. »Link
  • Gutknecht-Gmeiner, Maria (2008): Die statistische Erfassung des Erwachsenenbildungs- und Weiterbildungspersonals in Österreich. In: MAGAZIN erwachsenenbildung.at. »Link
  • KEBÖ (2019): 33. KEBÖ-Statistik für das Arbeitsjahr 2018 oder 2017/2018. »Link
  • Klinglmair, Robert/Kandutsch, Florian (2017): Arbeits- und Lebensbedingungen von Beschäftigten in der Erwachsenenbildung in Kärnten: Empirische Ergebnisse. »Link
  • Kulmer, Karin (2018): Atypisch Beschäftigte in der Erwachsenenbildung. Prekäre Tendenzen. »Link
  • Slamanig, Kerstin/Zechner, Marlies (2019): Bildungsnetzwerk startet Monitoring für die steirische Erwachsenenbildung. »Link
  • Sturm, Michael (2019): Erwachsenenbildung als Beruf. Wie ein Kollektivvertrag zur Gestaltung beiträgt. In: Kastner, Monika/Lenz, Werner/Schlögl, Peter (Hrsg.): Kritisch sind wir hoffentlich alle. Erwachsenenbildung im Spannungsfeld von Subjekt, Arbeit und Gesellschaft. Wien: Erhard Löcker. »Link
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