BMBWF   Mitteilungen  |  Über das BMBWF  |  bifeb
PORTAL   Newsletter  |  Sitemap  |  English  |    |  LL

Mediatisierung

CC BY 4.0 Helmut Peissl, COMMIT 2022/2018 | Redaktion: CONEDU

Der Begriff Mediatisierung beschreibt jene Veränderungen von Kultur und Gesellschaft, die durch den Medienwandel entstehen oder verstärkt werden. Frühe Formen der Mediatisierung sind die Einführung des Buchdrucks, die Erfindung der Dampfmaschine oder die Elektrifizierung.

Ein Social-Media-Like ist auf ein Wand gesprüht, darunter eine Hand, die ein Smartphone hältFoto: Unsplash Lizenz, Karsten Winegeart, bearb. durch CONEDU/Paar, https://unsplash.com
Ein Medienwandel hat auch immer EInfluss auf Kultur und Gesellschaft.

 

Unter dem Begriff Mediatisierung werden jene Veränderungen von Kultur und Gesellschaft diskutiert, die durch den Medienwandel entstehen oder verstärkt werden. Mediatisierung ist damit ein historischer Metaprozess, vergleichbar mit Globalisierung, Individualisierung oder Kommerzialisierung. Als frühere Formen der Mediatisierung können die Einführung des Buchdrucks, die Erfindung der Dampfmaschine oder die Elektrifizierung verstanden werden. Mit der Einführung des Internets basiert diese Entwicklung auf der Digitalisierung, Miniaturisierung und Vernetzung.

 

Die enorme Verbreitung mobiler und konvergenter Endgeräte (z.B. Smartphones, Tablets u.ä.), die Funktionen vormals unterschiedlicher Geräte vereinen und zudem ortsunabhängig und mobil nutzbar machen, hat diese Entwicklung noch wesentlich beschleunigt. Grundlage der Diskussion zur Mediatisierung ist so die Entgrenzung der Medien in mehrfacher Hinsicht: in Bezug auf Zeit, Raum, soziale Beziehungen, permanente und ortsunabhängige Verfügbarkeit, die Zunahme medienbezogener Kommunikationsformen, Konnektivität sowie in Bezug auf eine Veränderung der Wahrnehmung. Medienvermittelte und medienbezogene Kommunikation erzeugt mediatisierte Lebens- und Gesellschaftszusammenhänge. Diese Medienkultur (Hepp 2011) ist damit auch Grundlage für die Herausbildung neuer Gewohnheiten, Normen, Werte und Erwartungen in der Gesellschaft. Karmasin (2016) hält dazu fest, dass die Zunahme der medienvermittelten Formen der Wahrnehmung von Wirklichkeit weitreichende Folgen hat. Wirklichkeit wird zwar nicht völlig beliebig konstruierbar, aber je nach politischen, sozialen und ethischen Standards der Nutzer*innen dehnbar oder elastisch. Die Mediatisierung bzw. der Medienwandel ist damit auch die Grundlage für die Notwendigkeit einer Kritischen Medienkompetenz von Bürger*innen.


Im deutschsprachigen Raum haben sich besonders Friedrich Krotz (2015) und Andreas Hepp (2011) mit dem Konzept der Mediatisierung auseinandergesetzt, wobei es ihnen besonders darum geht, wie vor dem Hintergrund des Medienwandels zivilgesellschaftliche Prozesse im Sinne von Active Citizenship und Partizipation gestärkt werden können. Medienwandel sollte nicht zu einer Funktionalisierung menschlicher Kommunikation zu Datenmengen führen - sei es im Sinne kommerzieller Interessen oder staatlicher Überwachbarkeit. 

 

 

esf logoESF 2014-2022eb und coronaEB und Corona