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Kompetenzen von ErwachsenenbildnerInnen

Was sollen ErwachsenenbildnerInnen können?

Das Sammeln von formalen Qualifikationsnachweisen gilt im öffentlichen Bewusstsein als vermeintliche Eintrittskarte in den Arbeitsmarkt. Die steigende Dynamik des Arbeitsmarktes zeigt jedoch ein anderes Bild: Es sind die beruflichen Erfahrungen und die damit zusammenhängenden Fähigkeiten, also die erworbenen Kompetenzen, die darüber entscheiden, ob man in einer Runde von BewerberInnen vorgereiht wird. Aus diesem Grund soll hier in erster Linie von den erforderlichen Kompetenzen von Erwachsenen- und WeiterbildnerInnen gesprochen werden, wie sie begrifflich gefasst werden könnten und welche von ihnen "Zukunft haben".

 

Kompetenzprofil nach Heilinger

Unabhängig davon, ob eine Person lehrt, plant und organisiert, berät oder in einer Bibliothek tätig ist, werden von der "Weiterbildungsakademie" (2005) sechs grundlegende Kompetenzen genannt:

  • Pädagogisch gesellschaftliche Kompetenz: umfassendes allgemeines Wissen und Verstehen von Vorgängen in Gesellschaft und Bildungspolitik
  • Didaktische Kompetenz: Fähigkeit zu professionellem Planen, Durchführen und Evaluieren von Unterricht
  • Managementkompetenz: ein unternehmerisches, strategisches Denken und Handeln, das den Leitlinien und dem Auftrag der Einrichtung entspricht
  • Beratungskompetenz: Beratung von MitarbeiterInnen und AuftraggeberInnen, insbes. die Berufs- und Bildungsberatung
  • Soziale Kompetenz: alle Dimensionen von Kommunikation und sozialer Interaktion
  • Personale Kompetenz: Empathie, Ausdauer, Begeisterungsfähigkeit sowie professionelle Nähe und Distanz zu Themen und Personen u.Ä.

Dieses Kompetenzprofil wurde (2007) durch die Kompetenz in Bibliothekswesen und Informationsmanagement ergänzt. Zusätzlich wurde die pädagogisch gesellschaftliche Kompetenz in bildungstheoretische Kompetenz geändert.

Ergänzungen für diplomierte ErwachsenenbildnerInnen

  • Fachkompetenz
  • Wissenschaftsorientiertes Arbeiten
  • Fachliteratur & Rezensionen
  • Reflexive Kompetenz (Theorie & Praxis)
  • Verpflichtende Praxis

Kompetenzprofil nach Kraft 2009

Susanne Kraft beschreibt ein Kompetenzprofil für betriebliche WeiterbildnerInnen, das sich allerdings auch auf die "allgemeine" Weiterbildung übertragen lässt:

  • Fachliche Kompetenz (betriebswirtschaftliches und technisches Wissen und Verständnis)
  • Methodische Kompetenz (Kenntnis sowie Fähigkeit zur Anwendung diverser Methoden, z.B. Projekt-, Prozess- und Moderationsmethoden)
  • Pädagogische Kompetenz (z.B. Konzeptions- und Durchführungsfähigkeit von Weiterbildung, Beratungsfähigkeit)
  • Persönliche Kompetenz (z.B. Reflexionsfähigkeit, Flexibilität, Ausgeglichenheit)
  • Soziale Kompetenz (z.B. Konflikt-, Team- und Kommunikationsfähigkeit)
  • Unternehmerische Kompetenz (Fähigkeit zum strategischen Denken)

Schlüsselkompetenzen für ErwachsenenbildnerInnen 2010

Die Studie "Key competences for adult learning professionals" der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2010 beschreibt neunzehn Schlüsselkompetenzen für ErwachsenenbildnerInnen. Die Studie unterscheidet zwischen generischen und spezifischen Schlüsselkompetenzen.

Generische Kompetenzen

Generische Kompetenzen sind im gesamten Feld der erwachsenenbildnerischen Tätigkeiten und Maßnahmen relevant. Unabhängig von Tätigkeitsprofil und Position sollten sowohl Lehrende, ManagerInnen, BeraterInnen oder AdministratorInnen diese Kompetenzen besitzen, so die Studie.

  • Persönliche Kompetenz: zur systematischen Reflexion der eigenen Praxis als ErwachsenenbildnerIn sowie der persönlichen Lernprozesse als autonome/r lebenslang Lernende/r.
  • Zwischenmenschliche Kompetenz: zur Kommunikation und Zusammenarbeit mit Lernenden, KollegInnen und Stakeholdern.
  • Professionelle Kompetenz: zur bewussten Übernahme von Verantwortung für die Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung.
  • Theoretisches und praktisches Fachwissen: zur professionellen Nutzung verfügbarer Lernressourcen.
  • Didaktische Kompetenz: zur kritischen Anwendung verschiedener Lernmethoden, -stile und -techniken.
  • Kompetenz zu Empowerment: zur Motivation und Unterstützung erwachsener Lernender.
  • Kompetenz im Umgang mit Heterogenität in Gruppen: zur Berücksichtigung der unterschiedlichen Lernbedürfnisse und Erfahrungen der Lernenden.

Spezifische Kompetenzen

Spezifische Kompetenzen sind für die Durchführung einer Reihe bestimmter Maßnahmen und Aktivitäten in der Erwachsenenbildung vonnöten, so die Studie.

  • Kompetenz zur fachgerechten Einschätzung der Lernbedürfnisse, Motivationen und Erfahrungen von erwachsenen Lernenden
  • Kompetenz zur Gestaltung von Lernprozessen für Erwachsene
  • Kompetenz, Lernprozesse für Erwachsene zu erleichtern
  • Kompetenz zur kontinuierlichen Evaluation von Lernprozessen
  • Kompetenz zur Beratung von Lernenden
  • Kompetenz, Lernprogramme für Erwachsenen aufzubauen und zu entwickeln
  • Kompetenz zur Verwaltung finanzieller Ressourcen in Institutionen der Erwachsenenbildung
  • Kompetenzen im Personalmanagement in Institutionen der Erwachsenenbildung
  • Kompetenzen in Management und Qualitätssicherung
  • Kompetenzen in Marketing und Public Relations
  • Administrative Kompetenzen
  • Kompetenz, Erwachsenen ICT-basiertes Lernen zu erleichtern

 

 

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