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Bildungsberatung: Strategieentwicklung in Österreich

Rudolf Götz, Franziska Haydn, Magdalena Tauber 2014

Auf Basis nationaler und internationaler Studien und in Abstimmung mit den Entwicklungen und Diskussionen auf EU-Ebene startete in Österreich im Jahr 2005, unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Frauen, die Entwicklung einer nationalen Strategie für Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf (IBOBB-Strategie). Grundlegend sind dabei die Verbesserung der Koordination und die enge Verknüpfung mit der Strategie LLL:2020 und den gesamteuropäischen Entwicklungen. Als Eckpunkte der nationale IBOBB Strategie sind die Implementierung der Grundkompetenzen in allen Curricula, der Fokus auf Prozessorientierung und Begleitung, die Professionalisierung der BeraterInnen, TrainerInnen, die Qualitätssicherung und Evaluation von Angeboten, Prozessen und Strukturen und die Verbreitung des Zugangs festgelegt.

 

Gesellschaftliche und politische Ausgangslage der Strategieentwicklung

Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen, die zu einer zunehmenden Individualisierung der Bildungs- und Berufswege führen und Berufs- und Bildungsentscheidungen im Lauf eines Lebens immer wieder getroffen und oftmals auch revidiert werden müssen, rückt die Bedeutung von Lifelong Learning zunehmend in den Mittelpunkt. Da Lifelong Learning Bildungsberatung benötigt, wird Bildungsberatung als ein zentraler Punkt im Zusammenhang mit Wissensgesellschaft, Individualisierung und Globalisierung angesehen.

 

In diesem Sinne und im Sinne der Ziele der Europäischen Gemeinschaft arbeitet auch Österreich - im Besonderen das Bundesministerium für Bildung und Frauen (BMBF) - an der Entwicklung eines lebensbegleitenenden Unterstützungssystems der Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf (IBOBB).

 

Als internationale Grundlagen für die Entwicklung der IBOBB Strategie in Österreich wurden die OECD Studie 2003 ("Career Guidance Policy Review"), die Resolution des EU-Bildungsministerrates Mai 2004 und das EU-Policy Handbook (Dezember 2004) herangezogen. 

IBOBB Strategieentwicklung - Prozess und Struktur

Zwischen März und September 2005 wurden im Rahmen einer sektionsübergreifenden Arbeitsgruppe des Bundesministeriums für Bildung und Frauen unter der Leitung von SC Mag. Strohmeyer und Dr. Gerhard Krötzl, die Grundlagen für die Entwicklung der IBOBB Strategie geschaffen.

 

Im Oktober 2005 erweiterte sich die Arbeitsgruppe mit externen Partnern (VertreterInnen von BMASK, AMS, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Industriellenvereinigung, BFI, Euroguidance, Volkswirtschaftliche Gesellschaft), die in regelmäßigen Workshops die österreichische IBOBB Strategie entwickelt.

 

Die grundsätzlichen strategischen Ziele wurden im Mai 2006 gemeinsam festgelegt und lauten folgendermaßen:

 

  • Verbesserung der Koordination der Angebote und Strategieentwicklung im Bereich Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf
  • Enge Verknüpfung zur Lifelong Learning Strategieentwicklung
  • Enge Verknüpfung mit gesamteuropäischen Entwicklungen in diesem Bereich (Teilnahme am geplanten EU-Lifelong-Guidance-Policy-Netzwerk)

 

Im Oktober 2006 erfolgte eine Konkretisierung, Präzisierung und Verknüpfung mit der nationalen LLL-Strategie.

IBOBB Strategieentwicklung - Inhalt, Ziele, Analysen

Inhalt

Inhalt der Koordination und Strategieentwicklung sind alle Angebote und Maßnahmen, die unter dem Begriff "Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf" (IBOBB) in allen Sektoren und allen Zielgruppen zusammengefasst werden können.

Programmatische Ziele

Die Lifelong Guidance Strategieentwicklung in Österreich definiert folgende programmatische Ziele:

 

  • Implementierung der Grundkompetenzen in allen Curricula: Bei möglichst vielen Bildungsmaßnahmen sollte Vermittlung und Erwerb wichtiger Grundkompetenzen für das Treffen selbstverantwortlicher Bildungs- und Berufsentscheidungen bewusst angestrebt werden.
  • Fokus auf Prozessorientierung und Begleitung: Qualitätsvolle Entscheidungsprozesse sind die Voraussetzung für das Gelingen von treffsicheren Bildungs- und Berufsentscheidungen in allen Lebensphasen. Daher sollen sich alle Unterstützungsmaßnahmen an diesen Prozessen orientieren. Dem begleitenden Aspekt soll besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.
  • Professionalisierung der Berater/innen, Trainer/innen: Verbesserung und Intensivierung der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Berater/innen, Trainer/innen, Lehrer/innen, die im Bereich Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf in den verschiedenen Sektoren tätig sind.
  • Qualitätssicherung und Evaluation von Angeboten, Prozessen und Strukturen: Die Qualität von Angeboten, Prozessen und Strukturen im Bereich Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf ist systematisch zu analysieren und weiterzuentwickeln. Dabei ist der Ausrichtung an tatsächlichen Bedürfnissen der Bürger/innen besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
  • Zugang verbreitern – Angebote für neue Zielgruppen schaffen: Die Angebote sollten so gestaltet und ausgerichtet sein, dass sie tatsächlich diejenigen Personen erreichen, die dieser Unterstützung besonders bedürfen. Ebenso ist zu überprüfen, für welche spezifischen Problemstellungen es überhaupt keine bzw. zu wenige Angebote gibt (siehe Ziele und Kernaufgaben).

Analysen und Erhebung

Im Zuge der Koordination und Strategieentwicklung im Bereich IBOBB wurde untersucht, wie deutlich und zahlreich die Ziele und Werte einer effizienten IBOBB, die die Bedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt stellt, in der Österreichischen Gesetzgebung verankert sind. Dafür wurden circa 30 rechtliche Grundlagen, die die IBOBB in Österreich gestalten, daraufhin untersucht, wie stark sie die 7 Grundsätze aus der EU-Guidance-Resolution (2004) berücksichtigen (Krötzl 2006). Im Frühjahr und im Herbst 2005 wurde eine Erhebung von Projekten und Initiativen durchgeführt, die das formale System der IBOBB in Österreich ergänzen. Es handelte sich um Projekte und Initiativen die Mängel ausgleichen, die im OECD Ländergutachten zu Österreich (2003) festgehalten wurden und die Vorschläge des EU-Policy-Handbook (2004) umsetzen. Der Fokus der Erhebung konzentriert sich auf Projekte, die im Zuge der weiteren Strategieentwicklung besonders beachtenswert sind und auf die Frage, in welchen Bereichen Initiativen fehlen (Lifelong Guidance Strategie in Österreich 2014).

Weitere Informationen

Links

Quellen

  • Krötzl, Gerhard (2007): Lifelong Guidance – Entwicklung einer nationalen Strategie. Statusbericht. »Link
  • Krötzl, Gerhard (Hg.) (2006): Information, Beratung, Orientierung für Bildung und Beruf. Verankerung der Grundwerte und Ziele in der Österreichischen Gesetzgebung. DRAFT-Version zur Vorlage bei der Guidance-Strategiesitzung am 24.2.2006. »Link
  • Lifelong Guidance Strategieentwicklung Österreich (2014): Lifelong Guidance Strategieentwicklung in Österreich. »Link

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