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Strategie ET2020

Mit Beiträgen von Birgit Aschemann, Rainer Schabereiter und Sylvia Amann. Redaktion: CONEDU | CC BY 4.0 Aschemann 2016/2018, Schabereiter 2022

Der Rat der Europäischen Union hat 2009 die Bildungsstrategie "ET 2020" beschlossen. Sie bildete den strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung. Lebenslanges Lernen und ein wissensbasiertes Europa waren die Leitmotive der Strategie.

Im Jahr 2009 hat der Rat der Europäischen Union die Bildungsstrategie "ET 2020" (Allgemeine und berufliche Bildung 2020) beschlossen und damit einen strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung geschaffen. Der Rahmen baut auf dem Vorläuferprogramm "Allgemeine und berufliche Bildung 2010 (ET 2010)" auf. Auf dieses Rahmenprogramm bezog sich die Erwachsenenbildungspolitik bis 2020. Lebenslanges Lernen und ein wissensbasiertes Europa waren Leitmotive und die Mitgliedsstaaten sollten beim Ausbau ihrer nationalen Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung unterstützt werden.

Ziele der Strategie ET2020

Die Strategie umfasste vier strategische Ziele:

  • Verwirklichung von lebenslangem Lernen und Mobilität: Dazu gehören umfassende nationale LLL-Strategien, die Einführung von kompetenzbasierten nationalen Qualifikationsrahmen, die Schaffung flexiblerer Lernwege und Übergänge zwischen Bildungsbereichen, verbesserte Beratungssysteme, eine verbesserte Förderung der Erwachsenenbildung, die Ausweitung der Mobilität und die Nutzung neuer Technologien.
  • Verbesserung der Qualität und Effizienz der allgemeinen und beruflichen Bildung:  Dies umfasst u.a. den Erwerb von Schlüsselkompetenzen, die wirksame Qualitätssicherung und die entsprechende Aus- und Weiterbildung der Unterrichtenden.
  • Förderung der Gerechtigkeit, des sozialen Zusammenhalts und des aktiven Bürgersinns: Dieser Bereich umfasst z.B. die gezielte Förderung von Bildungsbenachteiligten und MigrantInnen, die Sicherstellung von Lernmöglichkeiten für alle und die Förderung demokratischer Werte.
  • Förderung von Innovation und Kreativität ein-schließlich unternehmerischen Denkens: Dieses Ziel umfasst auch eine stärkere Ausrichtung des Lernens auf die am Arbeitsmarkt benötigten Kompetenzen und Qualifikationen.

Das Rahmenprogramm ET2020 sah eine Reihe von mehrjährigen Arbeitszyklen bis 2020 vor. Für jeden Zyklus wurden prioritäre Bereiche für die europäische strategische Zusammenarbeit festgelegt. Am Ende eines jeden Zyklus wurde ein gemeinsamer Bericht des Rates und der Kommission über die Umsetzung erstellt, der dann jeweils als Planungsgrundlage für die Folgeperiode diente.

Benchmarks der Strategie ET2020

Mit ET2020 sollten folgende Benchmarks auf europäischer Ebene bis 2020 im Bereich der Erwachsenenbildung erreicht werden:

  • mindestens 40% der 30- bis 34-Jährigen sollten einen Hochschulabschluss oder gleichwertigen Abschluss haben,
  • mindestens 15% der Erwachsenen sollen am lebenslangen Lernen teilnehmen,
  • mindestens 20% der HochschulabsolventInnen und 6% der 18- bis 34-Jährigen mit einer beruflichen Erstqualifizierung sollen einen Auslandsaufenthalt zu Studien- oder Ausbildungszwecken absolviert haben,
  • mindestens 82% der 20- bis 34-jährigen Beschäftigten, die ihre Ausbildung vor ein bis drei Jahren abgeschlossen haben, soll mindestens einen Abschluss der Sekundarstufe II haben.

Thematische Schwerpunkte in ET2020

Entsprechend der Mitteilung "Neue Denkansätze für die Bildung: bessere sozioökonomische Ergebnisse durch Investitionen in Qualifikationen", auch bekannt als "Rethinking Education", sollten Umfang und Tempo der Reformen erhöht werden, um das angepeilte Gesamtziel von Wachstum und Beschäftigung durch hochwertige Qualifikationen zu unterstützen. Der Bekämpfung der steigenden Jugendarbeitslosigkeit galt dabei besondere Aufmerksamkeit. Es sollte mehr in die allgemeine und berufliche Bildung investiert werden, um die in den meisten Mitgliedsstaaten niedrige Beteiligung an der Erwachsenenbildung zu steigern. Mit der Schlussfolgerung des Rates "Beitrag der allgemeinen und beruflichen Bildung zu wirtschaftlichem Aufschwung, Wachstum und Beschäftigung" unterstrich der Rat der BildungsministerInnen im Jahr 2014 erneut die Rolle eines hochwertigen, innovativen und gerechten Bildungsangebotes, um die Employability bzw. den Arbeitsmarktertrag zu verbessern. Folgende Inhalte waren in den zweijährigen Arbeitszyklen in ET2020 prioritär:

Anerkennung von Kompetenzen

Im Jahr 2012 empfahl der Rat die "Validierung nichtformalen und informellen Lernens": Jede Person sollte demnach die Möglichkeit erhalten, das außerhalb der formalen Bildung und Berufsbildung Erlernte nachzuweisen, um Kompetenzen für Arbeit und Weiterqualifizierung nutzen zu können. Die Mitgliedsstaaten sollten entsprechende Validierungssysteme einrichten. Zur Umsetzung in Österreich erfolgte 2015 eine Konsultation anhand konkreter Vorschläge und 2017 wurde eine Strategie veröffentlicht.

Förderung der Bürgerrechte als Mittel gegen Radikalisierung

Die Ereignisse rund um das Jahr 2015 – die Flüchtlingsproblematik und die wachsende Terrorgefahr in Europa – bewirkten auch neue Schwerpunktsetzungen für die Europäische Bildungspolitik.
Aus Anlass der Terroranschläge von Paris und Kopenhagen zu Jahresbeginn fand im März 2015 in Paris ein informelles MinisterInnentreffen statt. Dort vereinbarten die EU-BildungsministerInnen in einer "Erklärung zur Förderung von Politischer Bildung und der gemeinsamen Werte von Freiheit, Toleranz und Nichtdiskriminierung" (PDF), die demokratischen Grundwerte der EU wie Pluralismus und Meinungsfreiheit in Schulen und Hochschuleinrichtungen aktiv zu fördern. Sie reagierten damit auf Radikalisierungstendenzen unter jungen Menschen und stellten Weltoffenheit, kritisches Denken, Medienkompetenz und interkulturelle Kompetenzen in den Mittelpunkt.

 

Dazu veröffentlichte der Europäischer Verband für Erwachsenenbildun (EAEA) 2015 das "Manifesto for Adult Learning in the 21st Century", in dem die umfassenden nicht-ökonomischen Benefits der Erwachsenenbildung wie sozialer Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, Migration und demographischer Wandel unterstrichen werden.

Lernen am Arbeitsplatz

In den Jahren rund um 2015 kam es in mehreren EU-Mitgliedsländern zu einer Zunahme der betrieblichen Weiterbildung, was sich auch in der thematischen Schwerpunktsetzung der ET-2020-Arbeitsgruppe zur Erwachsenbildung in der Periode 2016-2018 widerspiegelte: "Lernen am Arbeitsplatz" bildete sich als zentraler Schwerpunkt heraus.

 

Eine Bestandsaufnahme zeigte, dass die diesbezüglichen Zuständigkeiten in vielen Ländern über Ministerien verteilt waren. Kohärente Policies und eine stärkere Zusammenarbeit von Bildung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt wurden als Lösung vorgeschlagen. Der Abschlussbericht dieses zweijährigen Arbeitszyklus unterstrich wiederum die umfassende Bedeutung der Erwachsenenbildung am Arbeitsplatz für unterschiedliche Aspekte wie den sozialen Zusammenhalt, die Beschäftigungsfähigkeit oder die Innovationskraft von Einzelpersonen, Organisationen/Unternehmen und ganzen staatlichen Strukturen.

 

Schließlich lassen sich die Forderungen der Arbeitsgruppe in wenigen Stichworten skizzieren:

  • langfristiges Engagement von allen Stakeholdern,
  • effektive Kommunikation und Kooperation zwischen allen Beteiligten,
  • Mechanismen zur Qualitätssicherung,
  • wirksame Finanzierungssysteme,
  • flexible Anpassung an Marktbedürfnisse und an Bedürfnisse erwachsener Lernender.

Die österreichische EU-Ratspräsidentschaft 2018

In die letzte Phase der Rahmenstrategie ET2020 fiel die EU-Ratspräsidentschaft Österreichs von 1. Juli bis 31. Dezember 2018. Die österreichischen Vorhaben im Rahmen des Ratsvorsitzes hat das Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung im Februar 2018 veröffentlicht. Dazu gehörte eine Weiterführung der Themen aus dem Jahr 2016 (Agenda für neue Kompetenzen). Auch die Diskussion zur Zukunft der europäischen Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung nach Auslaufen des Strategischen Rahmens ET2020 fiel in die Zeit des österreichischen Vorsitzes und orientierte sich stark an der Kommissionsmitteilung "Stärkung der europäischen Identität durch Bildung und Kultur" (DOCX), die im November 2017 veröffentlicht wurde. Diese Mitteilung enthält zukunftsgerichtete Initiativen bis 2025 und skizziert die Version eines gemeinsamen europäischen Bildungsraums. Die Leitthemen sind dabei Mobilität, Sprachenlernen, gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen, ,Europäische Universitäten' und digitale Kompetenzen. Ein weiteres Kernelement der österreichischen Präsidentschaft war die zweite Programmphase von Erasmus+. Dieses EU-Programm für die allgemeine und berufliche Bildung 2014 bis 2020 förderte vor allem Mobilitäten, transnationale Zusammenarbeit und den Austausch von bewährter Praxis. Österreich setzte sich dafür ein, dass dieses Programm weiterhin alle Lernenden und Lehrenden unterstützt und auch benachteiligte Gruppen und kleinere Anbieter erreicht.

Bilanz der gesteckten Ziele

Die Arbeitsgruppe führte in der letzten Phase der Agenda von 2018-2020 eine Bestandsaufnahme (PDF) der wichtigsten Errungenschaften der "Renewed European Agenda for Adult Learning (EAAL)" von 2011 bis 2018 bzw. der "New Skills Agenda" von 2016 durch und zog Bilanz, um auf Grundlage stagnierender Zahlen in der Erwachsenenbildung zukünftiges Handlungspotenzial abzuleiten.


In Bezug auf die Erreichung der Indikatoren und Benchmarks im Rahmen der ET2020 Strategie wird im Bericht festgehalten, dass im Gegensatz zu anderen Bildungsbereichen gerade in der Erwachsenenbildung die gesetzten Ziele nicht erreicht werden konnten. Das gesetzte Ziel in der Erwachsenenbildungsbeteiligung in Europa bis 2020 von 15% wurde mit 11,1% im Jahr 2018 verfehlt. Lediglich neun Mitgliedsländer, darunter auch Österreich, konnten den Zielwert erreichen und es bestanden noch immer große Unterschiede in der Erwachsenenbildungsbeteiligung auf nationaler Ebene (z.B.: Schweden 29,2% vs. Rumänien 0,9%). Nichtsdestotrotz werden im Bericht positive Trends dargestellt und die Bedeutung der Agenda zur Entwicklung der europäischen Erwachsenenbildung unterstrichen.

 

Auf Basis der genannten Ergebnisse der Bestandsaufnahme von 2018/2019 veröffentlichte die Arbeitsgruppe Erwachsenenbildung der Europäischen Kommission im August 2020 das Dokument "Empowering adults to undertake up-/re-skilling. Pointers for better Policies" (PDF).
Als Zielsetzung gilt einerseits eine Verbesserung der laufenden Weiterqualifizierung und Umschulung von Erwachsenen, damit die immer schneller werdenden sozialen und technologischen Veränderungen bewältigt werden können. Andererseits wird in der Publikation vor allem der Begriff vom Empowerment einzelner Lernender, aber auch ganzer Systeme, abseits von etablierten Bildungsstrukturen, unterstrichen. Ein ganzheitliches System in der Erwachsenenbildung nach 2020 soll folgenden Leitlinien folgen:

  • Schaffung individualisierter Ansätze,
  • Verstärkung der Zielgruppenorientierung und Öffentlichkeitsarbeit,
  • Zusammenarbeit aller Akteure,
  • Bereitstellung ausreichender finanzieller Anreizsysteme,
  • Qualitätssicherungsmechanismen und Monitoring,
  • Personalentwicklung in der Erwachsenenbildung.

Weiterlesen im Dossier Erwachsenenbildung in der EU

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