Kompetenzen von Bildungsberater*innen
Die zunehmende Individualisierung von Bildungsprozessen trägt dazu bei, dass Zielgruppenlösungen allein nicht mehr dem Bedarf gerecht werden und persönliche Beratung gefordert ist.
Bildungspolitik und Bildungsanbieter haben erkannt, dass Beratung den Zugang zur Bildung verbessert, und setzen sie daher zur Zielgruppenerschließung ebenso ein, um die Durchlässigkeit im Bildungssystem zu erhöhen. In der Praxis vermengen sich dabei immer wieder die Interessenslagen der Betroffenen, also der potenziell Weiterbildungsinteressierten, und der handelnden Akteur*innen, die letztlich Bildung bewerben möchten. Eine kompetente Beratung erfolgt in diesem Bewusstsein.
Die Weiterbildungsakademie Österreich (wba) anerkennt Kompetenzen von Erwachsenenbildner*innen nach definierten Standards. Sie vergibt Abschlüsse im Bereich der Erwachsenenbildung auf zwei Stufen: das wba-Zertifikat und das wba-Diplom. Der Diplomabschluss bietet eine Spezialisierung in Richtung Training/Lehre, Bildungsmanagement, Bildungsberatung oder Bibliothekswesen. In diesem Rahmen hat die wba ein Qualifikationsprofil erstellt, in dem sie Kompetenzen von wba-diplomierten Lern-/Berufs-/Bildungsberater*innen definiert, das sich zusammenfassend wie folgt darstellt:
Beratungskompetenz
Bildungsberater*innen verfügen über generelles Beratungs-Know-How – sie können demnach u.a. ihre Rolle als BeraterIn analysieren und selbstkritisch prüfen. Sie können im Beratungsgespräch geeignete Interventionen und Medien einsetzen sowie Rahmenbedingungen herstellen, sodass die Entscheidungsfindung der Klient*innen im Mittelpunkt steht. Berater*innen können unterschiedliche Methoden der Beratung situationsadäquat und verantwortungsbewusst einsetzen, den Gesprächsverlauf, das Beratungsergebnis und das eigene Verhalten analysieren und für eine Evaluation nützen. Sie können verschiedene Formen der Beratung (Online-, Face-to-face-, Telfonberatung) einsetzen sowie Krisensituationen bei Klient*innen erkennen und Interventionen setzen. Darüber hinaus kennen Berater*innen wesentliche Unterschiede gängiger Beratungsansätze und können einen dieser Ansätze eigenständig anwenden. Sie können das eigene Beratungskonzept, beschreiben, begründen und anwenden.
Fachkompetenz
Bildungsberater*innen haben fundierte fachliche Kenntnisse ihres Beratungsgegenstandes (z.B. bei Laufbahnberatung Kenntnis des aktuellen Fachdiskurses in dieser Disziplin). Sie wissen über das Beratungsfeld und dessen Entwicklungen Bescheid.
Bildungstheoretische Kompetenz
Lern-/Berufs-/Bildungsberater*innen können aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft und Bildungspolitik analysieren und die Relevanz dieser Entwicklungen für die Erwachsenenbildung und ihre Tätigkeit beurteilen und begründen. Sie können den Einfluss und die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf ihre Tätigkeit argumentieren, einen eigenen Standpunkt dazu entwickeln und begründen.
Soziale Kompetenz
Lern-/Berufs-/Bildungsberater*innen können sich klar und situationsadäquat ausdrücken, verbale und nonverbale Sprache in Beratungssituationen erkennen, deuten und darauf professionell reagieren. Sie handeln berufsethisch verantwortlich, pflegen einen wertschätzenden und respektvollen Umgang mit den Klient*innen und können bei Konflikten in der Beratung lösungsorientierte Intervention anbieten. Sie ziehen Grenzen, wo ihr Beratungsauftrag und/oder ihre Kompetenz aufhören und verweisen ggf. an adäquate Stellen.
Personale Kompetenz
Lern-/Berufs-/Bildungsberater*innen können ihr berufliches Handeln analysieren und reflektieren. Sie ziehen Schlüsse aus ihrer Selbsterkenntnis und erweitern ihr Rollen-und Handlungsrepertoire. Sie engagieren sich für ihre Aufgaben und die Interessen ihrer Kund*innen. Sie können mit Stress, neuen Herausforderungen produktiv umgehen, und auch Grenzen setzen. Sie können ein professionelles Selbst-und Zeitmanagement anwenden.
Wissenschaftsorientiertes Arbeiten
Bildungsberater*innen können bildungsrelevante wissenschaftliche Befunde rezipieren, interpretieren und in Bezug zu ihrer Tätigkeit setzen. Sie können erwachsenenbildungs- bzw. pädagogisch relevante Texte verfassen und Quellen korrekt zitieren.
Diese Kompetenz-Beschreibung findet sich nur auf Dimplomniveau der Qualifkationsprofile der wba, also auf fortgeschrittener Stufe, nicht auf Basisniveau.
Neben diesen Kompetenzbeschreibungen gibt es im Rahmen des wba-Diploms auch noch verschiedene Wahlmodule, die aber für ein allgemeines Kompetenzprofil nicht geeignet sind.
Quellen und weitere Informationen
- wba (2019): wba-Diplom. Diplomierte/r Erwachsenenbildner/in. Beratung
- Rudolf Götz, Franziska Haydn, Magdalena Tauber (2014): Bildungsberatung