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Europäische Stiftung für Berufsbildung (ETF)

Rudolf Götz, Franziska Haydn, Magdalena Tauber 2014

Die Europäische Stiftung für Berufsbildung (ETF, European Training Foundation) ist eine dezentrale Agentur der Europäischen Union und unterstützt im Kontext der Außenpolitik, Partnerländer bei der Modernisierung ihrer Bildungs- und Berufsbildungssysteme durch Vermittlung von Fachkenntnissen und anderen Kompetenzen. "Ziel ist es, einen Beitrag zur Verbesserung der Humankapitalentwicklung in den europäischen Partnerländern zu leisten. Der Begriff 'Humankapitalentwicklung' bezeichnet alle Beiträge zur lebenslangen Entwicklung der Fähigkeiten und Kompetenzen des Einzelnen durch Verbesserung der Systeme der beruflichen Bildung und Ausbildung" (ETF, Mittelfristige Perspektiven 2014 – 2017).

 

Politischer Kontext

Die Europäische Stiftung für Berufsbildung (ETF) wurde 1990 errichtet, um den Berufsbildungsbedarf der Länder Mittel- und Osteuropas, die für eine Gemeinschaftshilfe in Betracht kommen, gerecht zu werden. Seit 1990 wurde der geografische Geltungsbereich des Mandats nach und nach erweitert; seit dem Jahr 2000 umfasst er sämtliche derzeit in Betracht kommenden Länder: Das sind die Bewerbungsländer für einen EU-Beitritt (die Türkei und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien), potenzielle Bewerberländer im westlichen Balkan (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Serbien), die Partnerländer im südlichen Mittelmeerraum, in Osteuropa und im Südkaukasus (Ägypten, Algerien, die Arabische Republik Syrien, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Israel, Jordanien, Libanon, Lybien, Marokko, Moldau, die Palästinensische Behörde, Russland, Tunesien, die Ukraine und Weißrussland) sowie andere Länder, die der Vorstand der ETF auf der Grundlage spezieller Kriterien benennt. Auch der Kompetenzbereich der Stiftung wurde aufgrund ihrer Vielseitigkeit noch ausgeweitet.

Gründung und Aufgaben

Die Europäische Stiftung für Berufsbildung (ETF) ist eine am 7. Mai 1990, mit der Verordnung (EWG) Nr. 1360/90; neugefasst mit der Verordnung (EWG) Nr. 1339/2008 vom Europäischen Rat gegründete und 1994 errichtete Agentur der EU. Sie hat ihren Sitz in Turin, Italien.

 

Die Stiftung wird vorrangig außerhalb der Grenzen der Europäischen Union tätig und arbeitet mit den EU-Nachbarländern im Rahmen ihrer verschiedenen Kooperationsprogramme zusammen:

  • EU-Erweiterungsprozess
  • Europäische Nachbarschaftspolitik
  • Partnerschaft EU-Russland
  • Länder Zentralasiens

 

Die ETF als Zentrum für Fachwissen ist damit befasst, eine effiziente Zusammenarbeit zwischen der EU und den in Betracht kommenden Ländern im Berufsbildungsbereich zu fördern und die Unterstützung von Seiten der EU zu koordinieren.

 

Der Tätigkeitsbereich der ETF umfasst die berufliche Grund- und Fortbildung in Verbindung zum Arbeitsmarkt und zum Lebenslangen Lernen. Die ETF unterstützt die Arbeit der Europäischen Kommission und die Partnerländer in ihrem Reformprozess und leistet so einen Beitrag zu den internen Ansätzen der EU im Bereich Ausbildung und Qualifizierung, als auch zu den außenpolitischen Strategien der EU. Auch versteht sich die ETF als Bindeglied zwischen Einrichtungen in Partnerländern und EU-Netzwerken, wie z.B. ELGPN oder Euroguidance.

 

Die Unterstützung erfolgt mittels Analysen und thematischen Studien, Politikunterstützung und -beratung, Kapazitätsentwicklung, Aufbau von Partnerschaften und Netzwerken, als auch durch den Austausch von Informationen, einschlägigen Erfahrungen und bewährten Ansätzen - sowohl zwischen der EU und Partnerländern als auch unter den Partnerländern.

Themenfeld Lifelong Guidance

Lifelong Guidance nimmt im Rahmen der ETF-Aktivitäten einen wichtigen Stellenwert ein, da in den EU-Partnerländern bei den Reformen im Bildungsbereich und den Arbeitsmarktinstitutionen Lifelong Guidance vernachlässigt wurde. Daher hat die ETF durch verschiedene Maßnahmen den Aufbau und die Modernisierung der Bildungs- und Berufsberatungssysteme stimuliert und gefördert. Es wurden Länderstudien und vergleichende Analysen durchgeführt, maßgeschneiderte Studien zur Politikunterstützung angefertigt, die der Erarbeitung nationaler Bildungs- und Berufsberatungsstrategien sowie der Umsetzung konkreter Beratungsinitiativen dienten. Auch hat die ETF eigene Projekte zur Bewusstseinsbildung von EntscheidungsträgerInnen und Weiterbildung von BeraterInnen umgesetzt. Es wurden bedarfsgerechte "Career guidance"-Projekte entwickelt, die über EU-Förderinstrumente implementiert werden. Bei den EU-Nachbarländern ist ein steigendes Interesse für Lifelong Guidance zu beobachten. In diesem Zusammenhang gelte es, so Zelloth (2009), die Zusammenarbeit von einzelnen Partnerländern mit EU-Mitgliedstaaten zu stärken, insbesondere dann, wenn im EU Mitgliedstaat bereits eine funktionierende Struktur im Bereich Lifelong Guidance besteht. 

Weitere Informationen

Links

Quellen

  • Europäische Union (2014): Europäische Stiftung für Berufsbildung. »Link
  • Europa - Zusammenfassung der EU-Gesetzgebung (2007): Europäische Stiftung für Berufsbildung (ETF).
  • ETF (2013): Mittelfristige Perspektive der ETF 2014-2017. »Link

 

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