BMBWF   Mitteilungen  |  Über das BMBWF  |  bifeb
PORTAL   Newsletter  |  Sitemap  |  English

Beratung zur Bewältigung aktueller Herausforderungen

CC BY Rudolf Götz, Franziska Haydn, Magdalena Tauber 2014 / aktualisiert 2020

Mitglieder spätmoderner Gesellschaften sehen sich rasant voranschreitenden Veränderungsprozessen ausgesetzt. Entgrenzungsprozesse auf allen gesellschaftlich relevanten Ebenen - räumlichen, zeitlichen, kommunikativen, ökonomischen, normativen u.a. Ebenen - lassen tradierte Verhältnisse und Verhaltensweisen erodieren. Stützende, aber auch "einzwängende Korsette" gesellschaftlich genormter Rollenmuster gehen verloren, neue Opportunitäten und Handlungsspielräume eröffnen sich. Aus dieser Gemengelage erwachsen eine ganze Menge an "Orientierungsherausforderungen".

 

Vier kurze "Blitzlichter" reflektieren ausgewählte gesellschaftliche Veränderungsprozesse mit besonderer Relevanz für Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf (IBOBB).

Gesellschaftliche Veränderungen fordern die Einzelnen

Spätmoderne Gesellschaften sind mit schnell voranschreitenden Veränderungsprozessen konfrontiert. Vor allem Entgrenzungsprozesse auf zeitlicher, räumlicher und normativer Ebenen eröffnen neue Möglichkeiten und Handlungsspielräume, verdrängen aber gleichzeitig auch tradierte Verhältnisse und Verhaltensweisen. Dieser gesellschaftliche Strukturwandel kann demnach als Mischung aus Chancen, Herausforderungen und Belastungen betrachtet werden. Denn neben jenen, die diese neuen Möglichkeiten und Chancen erfolgreich nutzen können, existieren auch Menschen, die mit diesen gesellschaftlichen Veränderungen und neuen Herausforderungen bzw. Anforderungen an die eigene Person weniger gut zurechtkommen.

Der sozioökonomische Strukturwandel verändert die Systeme Bildung und Arbeitsmarkt

Post-fordistische Strukturen mit flexiblen Produktions- und Handelssystemen, flexiblen Arbeitsverhältnissen und individualisierten Konsumentenlifestyles (z.B. durch Konsum nach Einzigartigkeit streben) prägen heutige mittel- und westeuropäische Staaten. Neue Arbeitsformen, atypische Beschäftigungsverhältnisse, Arbeitsplatzwechsel und Arbeitslosigkeit sind in diesen Strukturen vorherrschend und vermehrt integraler Bestandteil von Erwerbsbiografien, vor allem bei BerufseinsteigerInnen. Spezialwissen verliert in einer flexiblen und dynamischen Arbeitswelt rasch an Wert bzw. muss stetig aktualisiert werden. Dadurch steigen Investitionen in Weiterbildungsmaßnahmen, um in einem sich ständig wandelnden Arbeitsmarkt anschlussfähig zu bleiben.

Was Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf (IBOBB) mit der demografischen Herausforderung zu tun hat

Höhere Lebenserwartungen und geringe Geburtenraten führen zu einer Überalterung der europäischen Gesellschaft, welche die europäische Konkurrenzfähigkeit auf globalisierten Märkten und soziale Sicherungssysteme bedroht. Aufgrund unsicherer beruflicher Zukunftsaussichten, häufig fehlender materieller Unabhängigkeit etc. werden Familiengründungen aufgeschoben oder aufgegeben. Verlängerte Übergänge von Ausbildung in Beruf, mangelnde realistische Aussichten auf stabile, langfristige Beschäftigungsverhältnisse leisten demnach als "negativer Geburtenanreiz" einen wichtigen Beitrag zur demografischen Problematik Europas. Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf (IBOBB) kann hier helfen, Orientierungsfragen im Vorfeld und im Zuge der Übertrittsverläufe von Ausbildung in Beruf zu beantworten. Aber auch für ältere Personen kann IBOBB eine wichtige Unterstützungsleistung sein, da arbeitsmarktpolitische Bestrebungen versuchen, Arbeitskräfte länger in Erwerbstätigkeit zu halten, um somit den demografischen Herausforderungen zu.

Subjektivierung und Individualisierung als Herausforderung an das Individuum

Unsere Gesellschaft ist von fortschreitenden Individualisierungstendenzen geprägt. Beispiele sind der sozialpolitische Fokus auf Eigenverantwortung über den Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe oder die Zunahme von "unternehmerischen" Arbeitsverhältnissen und -formen, die sich z. B. in betrieblichen Steuermechanismen wie "management by objectives" oder der Zunahme von Solo-Selbstständigen manifestieren.
Infolge dieser Entwicklungen entsteht eine neue Segmentationslinie zwischen jenen Gruppen, die mit den neuen Angeboten und Anforderungen einer individualisierten Gesellschaft gut zurechtkommen und jenen, die überfordert zurückbleiben.

Quellen

  • Götz, Rudolf (2012): Lifelong Guidance im Bereich Erwachsenenbildung - ein dynamisches Feld mit zahlreichen Großbaustellen. In: GEW, ÖGB, ZNP (Hg.): Umsetzungsstrategien für Weiterbildungsberatung. Wien.
  • Götz, Rudolf/Aigner, Heidrun (2009): Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf (IBOBB). Innovative europäische IBOBB-Ansätze zu ausgewählten Themenkreisen im Bereich Erwachsenenbildung. Materialien zur Erwachsenenbildung, Nr. 2/2009. »Link
  • OECD (2003): OECD Review of Career Guidance Policies. Country Note Austria. Paris.
  • Steiner, Mario/Pessl, Gabriele/Wagner, Elfriede Wagner/Plate, Marc (2010): Evaluierung ESF Beschäftigung" im Bereich Erwachsenenbildung. Studie im Auftrag des BMUKK. Wien.


Alle weiteren Quellen finden Sie in den jeweiligen pdf-Dokumenten.

esf logoESF 2014-2022eb und coronaEB und Corona