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Lifelong Guidance Politik der Europäischen Union

CC BY Rudolf Götz, Franziska Haydn, Magdalena Tauber 2014 / aktualisiert 2020

Insbesondere mit den gesteigerten Aktivitäten im Bereich LLL, u.a. initiiert durch das "Memorandum über Lebenslanges Lernen" im Jahr 2000, geriet auch die Bildungs- und Berufsberatung (Lifelong Guidance - LLG) zunehmend in den Fokus europäischer Initiativen. Zwischen 2001 und 2003 wurden die Beratungs- und Orientierungssysteme in zahlreichen europäischen und außereuropäischen Ländern untersucht, evaluiert, zentrale Herausforderungen identifiziert und allgemeine Empfehlungen formuliert. Parallel dazu wurde 2002 die "Lifelong Guidance Expert Group" gegründet. 2006 begann ein Diskussionsprozess für ein größeres europäisches Forum das 2007 in der Gründung des Europäischen Netzwerks (2007-2015) für eine Politik lebensbegleitender Beratung (ELGPN) mündete. Nachdem das ELGPN mittlerweile seine Arbeit eingestellt hat, hat das von Cedefop gestaltete CareersNet einige der Agenden übernommen. Im Mai 2004 wurde die sogenannte "Guidance Resolution" beschlossen, die einen Paradigmenwechsel (von punktueller zu prozesshafter Leistung, Empowerment, lebensumspannende Beratung) eingeleitet hat. Im Oktober 2008 nahm der europäische Bildungsministerrat eine weitere Entschließung zu einer besseren Integration lebensumspannender Beratung in die Strategien für Lebenslanges Lernen an. 2010 wurde die "Lissabon Strategie" durch die Strategie "Europa 2020" als übergeordneter strategischer Rahmen der EU-Politik ersetzt. Darin wird LLG sowohl in einzelnen Leitinitiativen als auch in der Strategie als zentrales Handlungsfeld angeführt.

 

Lissabon-Strategie und "Memorandum über Lebenslanges Lernen" (2000)

Das Thema Lifelong Learning (LLL) als Rahmenthema für Lifelong Guidance ist insbesondere mit dem Jahr des lebensbegleitenden Lernens 1996 breit kommuniziert worden. Dem Faktor Bildung im Allgemeinen wird jedoch erst seit Formulierung der Lissabon-Strategie im Jahr 2000 (Ziel: EU binnen 10 Jahren zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen) in der EU-Politik ein zentraler Platz für die Erreichung von Wirtschafts- und Beschäftigungszielen eingeräumt. Dies zeigt sich einerseits an der zentralen Stellung von Bildungsfragen im Rahmen der Europäischen Beschäftigungsstrategie (EBS), andererseits am "Memorandum über Lebenslanges Lernen" aus dem Jahr 2000, das den Beginn einer Reihe von Aktivitäten in diesem Bereich darstellt. Mit den gesteigerten Aktivitäten im Bereich Lebenslanges Lernen geriet auch die Bildungs- und Berufsberatung (Lifelong Guidance - LLG) zunehmend in den Fokus europäischer Initiativen.

Evaluierung europäischer Beratungs- und Orientierungssysteme (2001-2003)

Die Europäische Kommission, die OECD, das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (Cedefop), die European Training Foundation (ETF) und die Weltbank haben zwischen 2001 und 2003 die Beratungs- und Orientierungssysteme in zahlreichen europäischen und außereuropäischen Ländern untersucht, Stärken und Schwächen der Systeme evaluiert, zentrale Herausforderungen identifiziert und allgemeine Empfehlungen formuliert. Die Ergebnisse dieser umfassenden Untersuchungen und Empfehlungen wurden neben der Aufbereitung in Länderberichten in folgenden Publikationen einer breiteren Öffentlichkeit in konzentrierter Form zugänglich gemacht:

 

Gründung der Lifelong Guidance Group und des ELGPN (2002-2015)

Parallel zu diesen umfassenden Erhebungsarbeiten wurde von der Europäische Kommission eine "Lifelong Guidance Expert Group" eingesetzt, um einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Lifelong Guidance (LLG) in Europa zu liefern. Diese ExpertInnengruppe war von 2002 - 2007 tätig. Da die EU Mitgliedsstaaten in der ExpertInnengruppe nicht hinreichend repräsentiert waren, wurde 2006 ein Diskussionsprozess für ein größeres europäisches Forum begonnen, der 2007 in der Gründung des Europäischen Netzwerks für eine Politik lebensbegleitender Beratung (ELGPN) mündete und bis 2015 fortgeführt wurde. Die Arbeit des ELGPN wurde zum Teil von Cedefop im Rahmen des CareersNet aufgegriffen.

EU Resolutionen zu Lifelong Guidance (2004, 2008)

Im Mai 2004 wurde im Rahmen eines informellen europäischen Bildungsministerrats eine Resolution über den Ausbau der Politiken, Systeme und Praktiken auf dem Gebiet der lebensbegleitenden Beratung in Europa beschlossen - die sogenannte "Guidance Resolution". In Bezug auf die konzeptionelle Auffassung und die Umsetzung von Lifelong Guidance (LLG) hat die Resolution einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Inhaltlich sind diesbezüglich folgende Punkte hervorzuheben:

  • LLG wird nicht mehr als punktuelle, sondern als prozesshafte Leistung betrachtet und definiert. Sie sollte die Individuen im gesamten Leben begleiten (lebensbegleitende Beratung). Das Individuum steht im Mittelpunkt.
  • Guidance richtet sich dementsprechend an BürgerInnen in vielfältigen Lebenslagen.
  • Individuen sollten befähigt werden, das Notwendige zur Beschreitung ihres Berufs- und Bildungsweges selbst in die Hand zu nehmen (Empowerment).
  • Lifelong Guidance betrifft das Lernen in allen Lebensbereichen (lebensumspannende Beratung).
  • Qualitätssicherung aus der Sicht der Ratsuchenden steht im Vordergrund.
  • Lifelong Guidance sollte grundsätzlich für alle BürgerInnen zugänglich sein.

 

Strukturen sollen geschaffen oder weiterentwickelt werden, damit alle zuständigen Einrichtungen, Behörden und Personen an der Gestaltung der Systeme und der Politik der "Bildungs- und Berufsberatung" beteiligt werden, so Irmer/Schlögl 2012.

 

Im Oktober 2008 nahm der europäische Bildungsministerrat eine Entschließung zu einer besseren Integration lebensumspannender Beratung in die Strategien für lebenslanges Lernen an. Die Resolution schließt an die 2004 verabschiedete EU-Ratsresolution zur lebensbegleitenden Beratung an, und fordert die Mitgliedstaaten auf, folgende Leitprinzipien anzuwenden:

  • Förderung der Fähigkeit zur Planung der beruflichen Laufbahn in jedem Lebensabschnitt,
  • Erleichterung des Zugangs aller BürgerInnen zu den Beratungsdiensten,
  • Entwicklung der Qualitätssicherung in den Beratungsdiensten,
  • Förderung von Koordinierung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen AkteurInnen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene.

 

In der Resolution von 2008 wird die Stoßrichtung der Resolution von 2004 bestätigt und konkretisiert.

Euroguidance Netzwerk

Erwähnt soll an dieser Stelle auch das Euroguidance Netzwerk werden, das bereits 1992 ins Leben gerufen wurde und dem Österreich 1997 beigetreten ist. Das Euroguidance Netzwerk ist kofinanziert durch das Erasmus+ Programm und wird von der Europäischen Kommission (DG EMPL) koordiniert. Es setzt sich aus den verschiedenen nationalen Euroguidance Zentren in Europa zusammen. Diese gibt es nicht nur in den EU-Staaten, sondern auch in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Türkei und der Schweiz. Das Netzwerk hat die Förderung der Mobilität und die Entwicklung der europäischen Dimension in der Bildungs- und Berufsberatung zum Ziel.


Zu den Aktivitäten der Euroguidance Zentren zählen:

  • die Förderung des nationalen und internationalen Austausches durch die Veranstaltung von Seminaren, Trainings und Study Visits,
  • die Förderung der Kooperation verschiedener Stakeholder im Bereich Bildungs- und Berufsberatung,
  • die Förderung einer Verbindung zwischen den Bildungs- und Berufsberatungssystemen der einzelnen Länder,
  • die Sammlung, Verbreitung und der Austausch von Informationen zu Möglichkeiten der internationalen Mobilität, zu den europäischen Bildungs- und Beratungssystemen, zu Europäischen Initiativen und Programmen im Bereich von Bildung und Mobilität, zu Projektergebnissen und Beispielen Guter Praxis im Bereich Bildungs- und Berufsberatung.

 

Euroguidance Österreich der Nationalagentur Erasmus+ Bildung ist in der OeAD-GmbH angesiedelt. Neben seiner Rolle der Aufbereitung und Verbreitung von Informationen zu dem österreichischen Bildungssystem, zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in Österreich und Europa, zu Möglichkeiten des Mobilitätsprogramm Erasmus+ für Bildungs- und BerufsberaterInnen sowie deren Zielgruppen sowie zu erfolgreichen Erasmus+ Projekten, organisiert Euroguidance Österreich eine jährliche Fachtagung.

Lifelong Guidance in der Strategie "Europa 2020"

2010 wurde die "Lissabon Strategie" durch die Strategie "Europa 2020" als übergeordneter strategischer Rahmen der EU-Politik ersetzt. Ziel der Strategie Europa 2020 ist es, intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum zu schaffen. Lifelong Guidance (LLG) wurde sowohl in einzelnen Leitinitiativen der Strategie selbst (etwa "Jugend in Bewegung" bis 2015 oder Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten), als auch in stark auf diese rekurrierenden Strategien wie dem "Strategischen Rahmen für die Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung" (ET 2020) oder dem "Aktionsplan Erwachsenenbildung" als wichtiges Handlungsfeld identifiziert.

Quellen

  • Götz, Rudolf (2014): Die Zeichen der Zeit erkennen. Herausforderungen und Reformideen für die Bildungsberatung. In: öibf/BMBF (Hg.): Materialien zur Erwachsenenbildung 1/2014: Professionalität in der Bildungsberatung. Anforderungen und Entwicklungsfelder im Rahmen der Initiative "Bildungsberatung Österreich", S. 113-122. »Link
  • Irmer, Manon/Schlögl, Peter (2012): Bildungs- und Berufsberatung im europäischen Kontext. »Link
  • OECD/European Union (2004): Career Guidance. A Handbook for Policy Makers, Paris. »Link
  • Sultana, Ronald G. (2008): Von der Politik zur Praxis. Ein systemischer Wandel der lebensbegleitenden Beratung in Europa. Cedefop Panorama series 154. Luxemburg. »Link
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