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Supranationale Bildungspolitik

Monika Kastner (2013), aktualisiert 2015

Die nationalen bildungspolitischen Entwicklungen im Bereich Alphabetisierung/Basisbildung sind durch supranationale Institutionen (UNO/UNESCO und EU) und Initiativen (internationale Vergleichsstudien) teilweise angestoßen, jedenfalls intensiviert und befördert worden. Im Folgenden werden diesbezüglich relevante Aspekte skizziert.

 

UNO/UNESCO

Der Welttag der Alphabetisierung wird seit 1966 am 8. September begangen. Das Jahr 1990 war das UN-Jahr zur Alphabetisierung. 1997 wurde im Rahmen der fünften UNESCO-Weltkonferenz über Erwachsenenbildung (CONFINTEA) die Hamburger Deklaration zum Lernen im Erwachsenenalter - Agenda für die Zukunft verabschiedet. Darin wird das grundlegende Menschenrecht auf Alphabetisierung während des gesamten Lebens festgehalten. Im Jahr 2000 wird in Dakar/Senegal das Weltbildungsforum abgehalten. Ein Aktionsrahmenplan zur Bildung für alle, Bezug nehmend auf die 1990 in Jomtien/Thailand durchgeführte Weltkonferenz "Education for all", wird bestimmt. 2012 hat die 2003 begonnene Weltalphabetisierungsdekade geendet.

 

Aktuelle Informationen zu weltweiten Bestrebungen zu "Literacy and Basic Skills" finden sich auf den Seiten des UNESCO Institute for Lifelong Learning.

Internationale Vergleichsstudien

Die einschlägigen internationalen Vergleichsstudien - IALS, ALL und PIAAC - sind als Ausdruck der Bedeutungszunahme des Themas "funktionaler Analphabetismus" in als entwickelt geltenden Industrienationen zu werten. Das Projekt IALS - International Adult Literacy Survey, betrieben von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und Statistics Canada, hat 1994, 1996 und 1998 international vergleichende Daten zu Grundkompetenzen Erwachsener erhoben. Darauf aufbauend wurde 2002 und 2006 die Studie ALL - Adult Literacy and Lifeskills durchgeführt. Österreich hat sich an diesen beiden Studien nicht beteiligt. PIAAC, die internationale Erhebung zu Grundkompetenzen Erwachsener 2011, wird von der OECD koordiniert. Die Beteiligung Österreichs an PIAAC wird als ein Verdienst von "In.Bewegung", dem maßgeblichen Alphabetisierungs- und Basisbildungsnetzwerk gesehen; zudem haben auch die Österreichische UNESCO-Kommission und die Arbeiterkammer auf eine Teilnahme Österreichs gedrängt (Tölle 2010).

Europäische Bildungsprogrammatik

Die europäische Bildungsprogrammatik des Lebensbegleitenden Lernens - 1996 war das entsprechende europäische Jahr - hat in Österreich die Erwachsenen-/Weiterbildung gestärkt, sowohl im Sinne des Diskurses über Lernen und Bildung über die Lebensspanne als auch konkret über monetäre Förderungen zur Umsetzung von Projekten und Initiativen. Im Jahr 2000 wurde in Lissabon vom Europäischen Rat bei einer Sondertagung beschlossen, "die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen"; festgehalten wurde, dass die "Maßnahmen zur Bekämpfung des Analphabetentums" verstärkt werden müssen (Europäischer Rat 2000). 2002 wird die "Entschließung des Europäischen Parlaments zu Analphabetismus und sozialer Ausgrenzung" veröffentlicht (Amtsblatt C 284 E/343-346). 2006 werden die Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen, darunter muttersprachliche, fremdsprachliche, mathematische und naturwissenschaftlich-technische Kompetenz, Computer- sowie Lernkompetenz, verbindlich festgelegt (Amtsblatt L 394/10). 2006 wird mit der Mitteilung der Europäischen Kommission "Erwachsenenbildung: Man lernt nie aus" die Bedeutung der Erwachsenenbildung für das Lebenslange Lernen bekräftigt; 2007 folgt der darauf aufbauende "Aktionsplan Erwachsenenbildung: Zum Lernen ist es nie zu spät" (Europäische Kommission 2007). 2009 wird vom Ausschuss der Regionen das Dokument "Abbau des Analphabetismus. Eine ehrgeizige europäische Strategie gegen die Ausgrenzung und für die persönliche Entfaltung entwickeln" veröffentlicht (Amtsblatt C 175/07). In den letzten Jahren sind vielfältige EU-Initiativen zu den Themen Alphabetisierung/Grundbildung und Höherqualifizierung ("one step up") gesetzt worden:

 

  • Einsetzung einer hochrangigen ExpertInnengruppe für Alphabetisierung Anfang 2011 mit dem Ziel, der Förderung der Lese- und Schreibkompetenz in Europa in der Öffentlichkeit und in der politischen Diskussion mehr Geltung zu verschaffen.
  • Peer-Learning-Aktivitäten 2008 in Irland zu "Adult Literacy", 2009 in London zu "One step up" und 2010 in Oslo zu "Basic skills"
  • Das Thema der Höherqualifizierung betreffend (PLA 2009 London): Eine Studie mit dem Titel "One step up" (2010) und als thematische Ergänzung zum Aktionsplan Erwachsenenbildung: "Basic Skills Provision for Adults. Policy and Practice Guidelines" (2010)
  • Zahlreiche über das Grundtvig-Programm (Erwachsenenbildung) finanzierte Projekte
  • Ein europäisches Netzwerk zur Alphabetisierung/Basisbildung "European Basic Skills Network" (seit 2010), eine Vereinigung von Entscheidungsträgern, Forschungseinrichtungen und Anbietern im Bereich Alphabetisierung/Basisbildung

 

Österreich ist mit dem Bundesministerium für Bildung und Frauen seit Juni 2015 offizielles Mitglied im European Basic Skills Network.

 

Aktuelle Strategie im Bereich allgemeine und berufliche Bildungs(systeme) ist "Education & Training 2020". "Europa 2020" ist die aktuelle wirtschaftlich ausgerichtete Strategie der EU (Stichwort: Wachstum). Bildungspolitische Ziele sind u.a.: Grundkompetenzen sichern/fördern (auch: durch Lernen am Arbeitsplatz), Höherqualifizierung vorantreiben, Quote der SchulabbrecherInnen senken, Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen, Übergang von der Schule zum Arbeitsleben erleichtern, Beteiligung am Lebenslangen Lernen insgesamt steigern (Europäische Kommission 2012a).

 

Das diesbezügliche Arbeitsprogramm wurde mit der Mitteilung der Europäischen Kommission (2015) über neue Prioritäten für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung bekräftigt. Für die Erwachsenenbildung wurde als spezifische Priorität folgende festgelegt: "Erheblicher Ausbau des Angebots an hochwertiger Erwachsenenbildung, insbesondere zur Vermittlung von Grundfertigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen und digitale Kompetenz), Steigerung der Inanspruchnahme durch wirkungsvolle Outreach-, Orientierungs- und Motivationsstrategien, die sich an die Bevölkerungsgruppen mit dem größten Bedarf richten" sowie "breiterer Zugang durch mehr Möglichkeiten zum Lernen am Arbeitsplatz und wirksame Nutzung von IKT".

 

Das neue übergreifende EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport heißt "ERASMUS for all" (2014-2020). Es zielt auf die Modernisierung der allgemeinen und beruflichen Bildung ab und soll die Strategien "Education & Training 2020" und "Europa 2020" operativ unterstützen.


Die Förderperiode des Europäischen Sozialfonds (ESF) 2014-2020 ist eng verbunden mit den oben angeführten Strategien und beginnt 2014 und endet 2020 (Europäische Kommission 2012b). Die Umsetzung auf nationaler Ebene ist im Gange.

 

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Weitere Informationen

Links

Quellen

  • Amtsblatt C 175/07 vom 1. Juli 2010, Stellungnahme des Ausschusses der Regionen "Abbau des Analphabetismus - Eine ehrgeizige europäische Strategie gegen die Ausgrenzung und für die persönliche Entfaltung entwickeln". »Link
  • Amtsblatt C 284 E/343-346 vom 21. November 2002, Entschließung des Europäischen Parlaments zu Analphabetismus und sozialer Ausgrenzung. »Link
  • Amtsblatt L 394/10 vom 18. Dezember 2006, Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen. »Link
  • Europäische Kommission (Hg.) (2006): Erwachsenenbildung: Man lernt nie aus. Mitteilung der Kommission, KOM(2006)614 endgültig. »Link
  • Europäische Kommission (Hg.) (2007): Aktionsplan Erwachsenenbildung: Zum Lernen ist es nie zu spät. Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen, KOM(2007)558 endgültig. »Link
  • Europäische Kommission (Hg.) (2012a): Neue Denkansätze für die Bildung: bessere sozioökonomische Ergebnisse durch Investitionen in Qualifikationen. Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen, COM(2012)669 final. »Link
  • Europäische Kommission (Hg.) (2012b): Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über den Europäischen Sozialfonds […], COM(2011)607 final/2. »Link
  • Europäischer Rat (Hg.) (2000): Europäischer Rat, 23. und 24. März 2000, Lissabon. Schlussfolgerungen des Vorsitzes. »Link
  • Projektverbund West »Link
  • Regierungsprogramm 2008 - 2013. Gemeinsam für Österreich. Regierungsprogramm für die XXIV. Gesetzgebungsperiode. »Link
  • Republik Österreich (2011): LLL:2020 - Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in Österreich. »Link 
  • Tölle, Michael (2010): Fünf Jahre Bewegung. In: Isop GmbH/Rath, Otto/Hahn, Mariella (Hg.): Zwischenbilanz. Die Basisbildung in Österreich in Theorie und Praxis. Graz.

 

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