Wie nachhaltig ist digitale Erwachsenenbildung?
Digitalisierung und Klimaschutz
Digitalisierung in der Erwachsenenbildung ist nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie ein Thema – aber da digitale Angebote in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben, ist der Bereich mehr in den Fokus gerückt. Gleichzeitig wird auch die Frage nach Klimaschutz und Nachhaltigkeit immer präsenter. So ist es nicht verwunderlich, dass die Thematiken „Digitalisierung" und „Nachhaltigkeit" in der Erwachsenenbildung vermehrt verknüpft werden – und es nun an der Zeit ist, einen produktiven Umgang damit zu finden.
Einerseits ist es ja ein schöner Gedanke, dass das Online-Seminar viel nachhaltiger ist als ein Präsenztreffen – zu dem 40 Personen aus ganz Österreich nach Wien gereist wären, dort Räumlichkeiten genutzt und Papier und Stifte verbraucht hätten. Andererseits machen wir uns doch auch Gedanken darüber, wieviel so eine Serverfarm an Energie frisst, wenn dort Millionen Zoom-Streams durchgerechnet werden – wir schalten die Kamera aus, um Strom zu sparen. Gerade, als wir uns an die Idee gewöhnt haben, dass Mobilität klimaschädlich und Zuhausebleiben die bessere Wahl ist, wird die Welt wieder kompliziert.
Lösungen für Green Computing
Die gute Nachricht ist: es wird über das Thema „Green Computing" nachgedacht und darüber gesprochen. Wo vor ein, zwei Jahren noch wenige NutzerInnen eine Vorstellung vom Energieverbrauch des Internets hatten, lesen wir heute davon, dass zwei Google-Anfragen dem Kochen einer Kanne Tee und eine halbe Stunde Streaming einer Autofahrt von 6,3 Kilometern entsprechen. Auch der Umgang mit Rohstoffen, die für die Produktion von elektronischen Geräten notwendig sind, wird öffentlich aufgearbeitet und hinterfragt.
Und es wird nach Lösungen gesucht, die sowohl in der Entwicklung neuer Technologien als auch in Verhaltensempfehlungen münden sollen. Hier stellen sich dann Fragen wie: „wie können Rechenzentren energiesparender gekühlt, Platinen rohstoffschonender bestückt, Elektroschrott besser recycelt und Geräte effizienter betrieben werden?" ebenso wie: „wie soll der digitale Raum benutzt werden, um möglichst energiesparend zu handeln?"
Zu letzterer Frage gibt es noch keine abschließenden Antworten – die Kamera bei Online-Meetings zu deaktivieren und generell weniger Videos anzusehen, war im vergangenen Jahr eine der populärsten und auch umstrittensten. Es ist klar, dass hier noch einiges an Forschung, Berechnung und Messung zu tun ist.
Erwachsenenbildung und Nachhaltigkeit
Es ist daher gerade für die Erwachsenenbildung wenig zielführend, auf eine pauschale Gegenüberstellung von „wenig nachhaltigen" Präsenzangeboten versus „nachhaltigen" digitalen Lernangeboten hinzuarbeiten, schon allein deshalb nicht, weil die Zuschreibung „nachhaltig" neben dem Verbrauch von Ressourcen noch viele andere Aspekte berücksichtigen muss – etwa die Auswirkungen, die ein Bildungsangebot auf eine Region oder eine Bevölkerungsgruppe haben kann.
Dafür ist es eine zentrale Aufgabe der Erwachsenenbildung, den Blick einer Gesellschaft für die wichtigen Fragen einer Zeit zu schärfen und zu schulen – und Klimaschutz gehört in unserem aktuellen Jahrzehnt definitiv dazu. Erwachsenenbildungsangebote dürfen und sollen sich deshalb auch immer wieder mit der Frage beschäftigen: Wie kann ich nachhaltiger leben, Ressourcen effizienter nutzen oder weniger konsumieren? Und auch die Erwachsenenbildung selbst darf und soll die eigene Praxis auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit hin überprüfen - sei es bei der Anschaffung neuer Geräte, bei der Planung neuer Angebote oder bei der Förderung von Anreisekosten abhängig von Verkehrsmitteln.
- Google und die Teekanne – Original "Sunday Times" – aufgearbeitet von Heise
- Projekt PoviMob – Potentiale virtueller Mobilität
- The Shift Project Studie zum Energieverbrauch von Videostreams
- Dossier "Nachhaltigkeit in der Erwachsenenbildung" (wb-web)
- Beitrag: Nachhaltiges Datenmanagement: Ökonomisch sinn- und ökologisch wertvoll
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