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Inhalte für Online-Bildungsveranstaltungen planen

CC BY Gunter Schüßler – Redaktion/CONEDU, 2022

Wurde die Zielgruppe beschrieben und die Ziele festgelegt, müssen die Inhalte eines Lernangebots geplant werden. Die Wahl der Lehrinhalte ist wichtig, weil mit ihr ein bestimmtes Bildungsanliegen verfolgt wird: Zum Beispiel sollen bestimmte Kompetenzen ausgebildet werden, die in der Ausübung eines Berufs oder Hobbies benötigt werden, oder es sollen bestimmte Sachverhalte (kritisch) reflektiert werden. Die Wahl der Lehrinhalte sollte daher immer begründet sein.

Dabei sind drei Fragen besonders relevant:

  • Wie werden die Inhalte ausgewählt?
  • Wer wählt die Inhalte aus?
  • Sind für diese Inhalte geeignete Lernformate aktuell umsetzbar?

 

Die Planung der Lehrinhalte geht der Methodenwahl voran. Unter Bezugnahme auf andere Faktoren, wie Lehrziele und Zielgruppen wählen Erwachsenenbildner*innen die Lehrinhalte für ihre Zielgruppe sowie ein geeignetes Format.

Wie werden Inhalte für (Online-)Bildungsangebote ausgewählt?

Prinzipiell folgt die Wahl der Lerninhalte einem bestimmten (Bildungs-)Anliegen oder zumindest einem Kriterium, das die Wahl der Inhalte rechtfertigt und begründet. So lassen sich unterschiedliche Intentionen bei der Inhaltswahl ausmachen.

 

Die Inhalte können sich etwa an den Kompetenzen, die in einem Beruf erforderlich sind, orientieren oder an zukünftigen Bedarfen. Zum Beispiel wird es für viele Berufe immer wichtiger digitale Kompetenzen anzueignen.

 

Lehrinhalte werden oftmals auch gemäß einem Curriculum gewählt, das sich bewährt hat – auch Referenzrahmen (wie sie z.B. für europäische Schlüsselkompetenzen, für Sprachen, für digitale Kompetenzen in Österreich oder für die österreichische Basisbildung existieren) können die Inhalte mitbestimmen.

 

Für den aktuellen Weiterbildungsmarkt ist ein weiterer Faktor wesentlich: „Die Auswahl von Lerninhalten erfolgt auf der Grundlage der Nachfrage von Individuen oder Organisationen und gesellschaftlichen Wertungen. Individuen entscheiden sich etwa in der Erwachsenenbildung für bestimmte Kursinhalte, die auf ihr persönliches oder berufliches Interesse treffen. In der Aushandlung von Angebot und Nachfrage entschiedet sich, welche Inhalte sich auf dem Bildungsmarkt als erfolgreich erweisen.“ (Kerres 2021)

 

Häufig tauchen Lernbedarfe bei Erwachsenen ad hoc auf (zum Beispiel im Arbeitsalltag) und werden durch informelles Lernen (z. B. Internetrecherche) befriedigt.

 

Die folgende Grafik zeigt die Quellen, aus denen sich die Inhalte speisen:

Die Grafik listet die Quellen für Inhalte. Grafik: CC BY, CONEDU/Sandra Hermann, auf erwachsenenbildung.at
Eine barrierefreie Textalternative zur Grafik finden Sie hier.

Wer wählt die Inhalte aus?

Die Auswahl konkreter Inhalte ist das Ergebnis einer Programmplanung, die einerseits die Interessen der Zielgruppe und andererseits die Schwerpunkte und Interessen der jeweiligen (Bildungs-)Einrichtung widerspiegelt. Wie die Inhalte und Lernarrangements umgesetzt werden, bleibt in der Regel der einzelnen Lehrperson überlassen, die sich dazu gegebenenfalls mit Kolleg*innen oder Kooperationspartner*innen abstimmt.

 

Mit der Entscheidung für konkrete Lerninhalte geht ein gewisses Maß an Verantwortung einher. Eine einseitige Definitionsmacht sollte kritisch gesehen und die Zielgruppe in den Entscheidungsprozess miteingebunden werden. Zudem werden solche Entscheidungen auf Basis der Lehrziele getroffen.

 

Das kos LearningLab-Workbook bietet eine gute Orientierungshilfe zur Auswahl von Lerninhalten. Demnach lässt sich anhand der folgenden drei praxisnahen Leitfragen überprüfen, ob die jeweiligen Inhalte für die eigene Zielgruppe wirklich wichtig sind:

  • Hat dieser Lerninhalt für meine Persona einen unmittelbaren Praxisbezug?
  • Weckt dieser Lerninhalt das Interesse meiner Persona?
  • Verschafft dieser Lerninhalt meiner Persona ein strukturiertes Wissen über das Themengebiet und kann nicht selbst erarbeitet werden?

Lehrinhalte – auch eine Frage des Formates?

Unter bestimmten Umständen tritt ein weiterer Faktor hinzu, der bei der Auswahl der Inhalte berücksichtigt werden muss: das realisierbare Format. Die Covid-Pandemie führte zu einem „Digitalisierungsschub“, der einen vermehrten Einsatz von Live-Online-Formaten mit Videokonferenz-Technologien bewirkte.

 

Wie gut sich die jeweiligen Formate für bestimmte Inhalte eignen, wird kontroversiell diskutiert. Es könnte beispielsweise sehr schwierig werden, eine Sommelier-Ausbildung mit Verkostungen unter Lockdown-Bedingungen digital zu realisieren.

 

In einer Studie des AMS gemeinsam mit abif wurden Lerninhalte gegenübergestellt, die sich im Online-Format bewährt haben oder nur „problembehaftet“ umgesetzt werden können. So wies die Studie z. B. das kollaborative Arbeiten an Dokumenten als Stärke von Online-Formaten aus. Die meisten handwerklichen Tätigkeiten ließen sich der Studie zufolge nur schwer virtualisieren. Andererseits gibt es mittlerweile Belege dafür, dass sich auch handwerkliche Inhalte sehr gut virtuell umsetzen lassen. Auch zu Tätigkeiten, die dem ersten Anschein nach weniger gut für Online-Räume geeignet sind, wie etwa klettern oder stricken, haben bereits erfolgreiche MOOCs stattgefunden.

 

Generell lassen sich all jene Inhalte gut in Online-Formate integrieren, die keine synchrone ortsgebundene Raumwahrnehmung und keine synchrone sinnliche (olfaktorische oder haptische) Wahrnehmung erfordern. Das gilt für die meisten Inhalte, und für diese gibt es  zahlreiche Möglichkeiten, sie für die Online-Lehre aufzubereiten. Dazu gehören z. B. Erklärvideos, Interviews oder der Einsatz interaktiver Übungen und Spiele. Gerhard Bisovsky und Doris Vickers (2022) weisen darauf hin, dass ein vielfältiges Angebot an Formaten die Flexibilität der Teilnehmer*innen erhöht.

Weitere Informationen und Quellen

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