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Die Persona-Methode zur Entwicklung von digitalen Bildungsangeboten nutzen

12.04.2022, Text: Beatrice Kogler, Redaktion/CONEDU
In der Angebotsplanung sollten ErwachsenenbildnerInnen aus der Perspektive der Zielgruppe denken. Diese kann mithilfe von selbst erstellten Profilen abgebildet werden.
  • Foto: Pixabay Lizenz, GraphicMama-team, https://pixabay.com
    Name, Alter, Vorerfahrungen, Einstellungen - je umfassender die Persona-Profile, desto zielgruppenorientierter können Bildungsangebote gestaltet werden.
Eine Variante der Zielgruppenanalyse für die erwachsenenbildnerische Angebotsplanung ist die Anwendung der Persona-Methode. Dabei werden fiktive, aber prototypische Profile der InteressentInnen entworfen und daraus Bildungsbedarfe abgeleitet. Besonders bei einer heterogenen Zielgruppe mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und Voraussetzungen kann die Arbeit mit Personas eine wertvolle Hilfestellung sein.

Die Arbeit mit Personas

Um neue Angebote anhand der Bedürfnisse der AnwenderInnen zu konzipieren, können ProduktentwicklerInnen aller Branchen mit Personas arbeiten. Das sind fiktive, aber typische NutzerInnenfiguren, die die Zielgruppe repräsentieren und über einen Steckbrief mit Profilbild dargestellt werden. Die Erwartungen und Anforderungen dieser Personas fließen bei jedem Entwicklungsschritt mit ein, wodurch nachhaltige und bedarfsorientierte Angebote geschaffen werden können. Der Einsatz der Persona-Methode kann ErwachsenenbildnerInnen demnach dabei helfen, passgenaue Weiterbildungen für ihre Teilnehmenden zu entwickeln. Bei der Konzeption von innovativen Bildungsformaten kann es zudem wertvoll sein, die Persona-Methode in einen größer angelegten Design-Thinking-Prozess einzubetten. Dabei durchläuft das Entwicklungsteam einen iterativen Prozess aus mehreren Phasen, in denen konkrete Herausforderungen, bisherige Beobachtungen und vorhandene Daten analysiert und geordnet werden. Darauf aufbauend sammelt das Team Ideen für neue Produkte und Angebote, die am Ende des Prozesses getestet werden.

Neutral und fundiert vorgehen: Prototypen statt Stereotype entwerfen

Personas zu entwerfen mag einfacher erscheinen als es tatsächlich ist. Schließlich erfordert die Persona-Methode ein datenbasiertes Vorgehen, was mit einer gewissen Recherche- und Forschungsarbeit verbunden ist. Relevante Studien und selbst durchgeführte Interviews oder Umfragen sind die beste Basis für die Persona-Arbeit. Persönliche Annahmen oder möglicherweise sogar Vorurteile sollten sich nicht in den Personas widerspiegeln, wie Christian Bernhard-Skala auf EPALE anmerkt. Spekulationen können die Entwicklungsarbeit in eine falsche Richtung lenken. Neben der Verwendung von empirischen Daten ist es außerdem wichtig, sich nicht auf ein Persona-Profil zu beschränken, sondern ein Angebot für mehrere prototypische NutzerInnen zu entwickeln.
Wenngleich die Personifizierung mittels soziodemografischer Angaben ein wichtiger Bestandteil der Persona-Arbeit ist, sollten der Persona-Entwurf sich nicht auf diese Merkmale beschränken. Viel wichtiger sind für die erwachsenenbildnerische Zielgruppenanalyse die bisherigen Lernerfahrungen, die spezifischen Lerngewohnheiten und die Bedeutung der Veranstaltung für die Teilnehmenden. Im Kontext von digitalen Bildungsveranstaltungen sollten AngebotsplanerInnen insbesondere die Offenheit gegenüber Medien sowie die vorhandene Medienkompetenz der prototypischen Zielgruppe ausloten.

Aktuelle Ergebnisse: Medienpädagogische Bildungsbedarfe von TrainerInnen

Die Persona-Methode diente Ricarda Bolten-Bühler und Gesa Friederichs-Büttner als Grundlage für eine umfassende Analyse der aktuellen Weiterbildungsbedarfe im Bereich der medienpädagogischen Kompetenzen von ErwachsenenbildnerInnen. Ausgehend von Interviews, Gruppendiskussionen, Einzelcoachings und Beobachtungen von Lehrenden während Bildungsveranstaltungen konnten die Autorinnen insgesamt 12 Personas konstruieren. Dies verdeutlicht die Heterogenität unter TrainerInnen, wenn es um digitale Kompetenzen geht. Unter Berücksichtigung von nur vier Personas ließen sich mehr als ein Dutzend Weiterbildungsbedarfe ableiten, darunter Themen wie Online-Didaktik, Datenschutz, Medienrecht, Medienkritik, digitale Barrierefreiheit, oder Digitalität und Nachhaltigkeit bzw. Gesundheit. Zudem besteht trotz des Digitalisierungsschubes in der Weiterbildung weiterhin die Herausforderung, weniger digital affine ErwachsenenbildnerInnen mit niedrigschwelligen Angeboten abzuholen.

Einen Schritt weitergehen: Persona-Kompetenzprofilanalyse

Wie die Universität Weimar aufzeigt, lässt sich die Persona-Methode sehr gut durch die Kompetenzlückenanalyse ergänzen, um passgenaue Bildungsangebote zu entwickeln. Bei der sogenannten Persona-Kompetenzprofilanalyse werden einerseits Personas mit Fokus auf bereits vorhandene Kompetenzen erstellt und andererseits Kompetenzprofile für spezifische Lehr- bzw. Studiengänge festgelegt. Mittels Eingangs- und Ausgangsprofilen wird ersichtlich, welche Kompetenzen die Lernenden schon zu Beginn des Studiums mitbringen sollen und welche Kompetenzen sie bis zum Ende erwerben. Durch einen Abgleich der Kompetenzprofile mit den Kompetenzen der Personas können AngebotsplanerInnen erkennen, welche Zielgruppe verstärkt im Fokus liegen sollte. Rückschlüsse bezüglich der inhaltlichen und didaktischen Gestaltung des Bildungsangebots sind ebenfalls möglich.

Work in Progress: Personas aktuell halten

Die Arbeit mit Personas - und damit auch der Design-Thinking-Prozess - ist nie wirklich abgeschlossen. Rahmenbedingungen und Weiterbildungsbedarfe ändern sich laufend, und so entwickeln sich auch die Personas ständig weiter. Es können auch ganz neue archetypische Profile mit entsprechenden Weiterbildungsbedarfen entstehen. Regelmäßige Aktualisierungen der Persona-Profile verbunden mit den nötigen Bedarfserhebungen sind daher empfehlenswert.
 
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