Studie zeigt, wie gut Wissensvermittlung durch Videos funktioniert
Passendes Videoformat je nach Inhalt wählen
Für das Forschungsteam haben sich vier Basisformate von Wissenschaftsvideos herauskristallisiert: der narrative Erklärfilm, der Wissenschaftsmagazinen im Fernsehen ähnelt, der ExpertInnenfilm, in dem WissenschaftlerInnen im Mittelpunkt stehen, der Präsentationsfilm, bei dem eine Person Inhalte erklärt und der Animationsfilm, bei dem die Wissensvermittlung über Visualisierungen und eine Stimme aus dem Off erfolgt. Präsentationsfilme sind laut Studie am beliebtesten, aber die ZuseherInnen merken sich relativ wenig von den Inhalten. Für die Vermittlung von komplexen Sachverhalten eignen sich Animationsvideos am besten, da sich die ZuseherInnen sehr gut auf die Wissensvermittlung konzentrieren können. Narrative Erklärfilme sind laut Untersuchung ein passendes Format für die Vermittlung von Faktenwissen. Generell behalten die ZuseherInnen nur wenig von den Inhalten, die in Wissenschaftsvideos gezeigt werden. „Bei allen Formaten wird nur etwa ein Viertel des Wissens vermittelt, das eigentlich in einem Video steckt", erklärt Bucher im Interview. Eine hohe Reichweite von Lernvideos auf YouTube bedeutet daher nicht zugleich eine hohe Wissensvermittlung.
Erfolgsfaktoren von beliebten Lernvideos
Laut Studienergebnissen haben ZuseherInnen bei unterhaltsamen Lernvideos stärker das Gefühl, neues Wissen zu erwerben. Sympathie spielt eine ähnliche Rolle. Personalisierung trägt ebenfalls zur Erfolgsquote von Wissenschaftsvideos bei. Laut Bucher schaffen LaiInnen diese oft besser als WissenschaftlerInnen: Erfolgreiche YoutuberInnen orientieren sich mit der Auswahl und Aufbereitung ihrer Themen an den ZuseherInnen und schaffen so besonders publikumsrelevante Inhalte und der/die SprecherIn fungiert als Anchor-Man oder Anchor-Woman. Als positives Beispiel nennt Bucher etwa die erfolgreiche Science-Influencerin Mai Thi Nguyen-Kim, die in ihrem maiLab Themen aus den Bereichen der Natur- und Gesellschaftswissenschaften erörtert und über eine Million AbonnentInnen aufweist. Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie betrifft die Anschlusskommunikation auf Youtube, also die Kommentare unter den Videos. ZuseherInnen haben den Wunsch, die Videoinhalte nach dem Ansehen sachlich zu diskutieren und sich darüber auszutauschen.
Dos und Don'ts bei der Videogestaltung
Für die Gestaltung eines Lernvideos auf YouTube sind zunächst folgende Fragen zu klären: „Wer ist mein Publikum?" und „Wofür soll das Videoformat geeignet sein?". Zu bedenken ist außerdem, dass sich die Aufmerksamkeit der ZuseherInnen immer nur auf eine optische Quelle richten kann. Zu viele visuelle Informationsquellen, wie Grafiken, Personen oder Gegenstände im Hintergrund, überfordern die ZuseherInnen schnell. Es braucht daher eine gute Ausgewogenheit zwischen ModeratorIn und Visualisierungen bzw. sollten ErstellerInnen von Animationsvideos Stimme und Bilder gut miteinander in Einklang bringen. Wissenserwerb durch Lernvideos gelingt laut Studie dann am besten, wenn die Informationsdichte gering ist und das Wissen in mehreren kleinen Informationspaketen präsentiert wird.
Boy, B.; Bucher, H.-J.; Christ, K. (2021): Audiovisual Science Communication on TV and YouTube. How Recipients Understand and Evaluate Science Videos. Frontiers in Communication.
Verwandte Artikel
![]()
Wer spricht da eigentlich? So wirken KI-Avatare in Lernvideos
KI-Avatare begegnen Lernenden inzwischen auch in der Erwachsenenbildung. Sie erleichtern es, digitale Lernangebote flexibel und passgenau zu gestalten. Doch welche Effekte haben sie auf Zufriedenheit, Motivation und Lernerfolg?![Eine Erwachsenenbildnerin arbeitet am Storyboard für ein Erklärvideo.]()
Erklärvideos didaktisch klug aufbereiten: So gelingt es!
Eine aktuelle Publikation führt durch den Prozess der Content-Produktion und gibt Tipps, um digitale Lerninhalte ansprechend zu gestalten. Im Mittelpunkt steht die didaktische Konzeption und die Umsetzung in Form von Erklärvideos.![Foto von einer Kamera, auf deren Display eine weibliche Person zu sehen ist.]()
Lehrperson im Bild: Was bringt das Talking Head-Format?
Sind Lehrpersonen im Video sichtbar, kann das die Zufriedenheit der Lernenden fördern. Ein Beitrag auf wb-web erklärt, worauf Erwachsenenbildner*innen dabei achten sollten.![Grafik von einem Bildschirm mit verschiedenen bunten Programmen.]()
E-Learning: Formate, Tools und Inhalte im Überblick
Von Game-Based Learning bis zu Virtual Reality – auf der Website der deutschen Bildungsmesse LEARNTEC erhalten Erwachsenenbildner*innen einen kompakten Überblick über Formate, Tools und Inhalte fürs E-Learning.![KI-Unterstützung bei der Arbeit mit Videos]()
KI-Unterstützung bei der Arbeit mit Videos
Videos zusammenfassen, mit wenigen Klicks aufbereiten oder gar erzeugen: Erwachsenenbildner*innen können KI-Tools für ganz unterschiedliche Anwendungsfälle nutzen.![EBmooc 2023 - Ihr Update zur Online-Erwachsenenbildung]()
EBmooc 2023: Der gesamte Kurs ist online
Alle Inhalte des EBmooc 2023 sind nun voll zugänglich: Ihr Update zur Online-Erwachsenenbildung – kostenlos und zertifiziert.





