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Wie Künstliche Intelligenz die (Erwachsenen-)Bildung verändert

17.12.2020, Text: Karin Kulmer, Redaktion/CONEDU
Künstliche Intelligenz liegt im Trend. Warum die Erwachsenenbildung das zum Anlass für Information und Beteiligung nehmen sollte, zeigen Analysen und Fachpublikationen.
  • Foto: Unsplash Lizenz, http://unsplash.com
    Künstliche Intelligenz wird in der Bildung bereits eingesetzt – beispielsweise in Form von intelligentem Feedback oder Empfehlungen.
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Trendbegriff, der auch in der Erwachsenenbildung schon diskutiert wird. Das zeigen beispielsweise Fachpublikationen wie die Ausgabe "KI, LA & Co." der Zeitschrift weiter bilden oder eine Trendthemenanalyse auf der Plattform wb-web.

 

Nicht alles Digitale ist intelligent

Künstliche Intelligenz ist keine homogene Technologie – vielmehr handelt es sich dabei um viele verschiedene Methoden, Verfahren und Technologien. Eine universell anerkannte Definition von KI gibt es nicht – das Gebiet befindet sich in einem permanenten Definitionsprozess. Das macht das Thema anfällig für Fehlinterpretationen und führt dazu, dass der Begriff teilweise auch für Systeme verwendet wird, die zwar digital, aber nicht „intelligent" sind.

 

Was Künstliche Intelligenz ausmacht? Im Onlinekurs „The Elements of AI", mit über 550.000 TeilnehmerInnen eines der größten Bildungsangebote zum Thema, werden Autonomie und Anpassungsfähigkeit als wesentliche Aspekte von KI genannt. „Intelligente" Systeme sind demnach in der Lage, ohne permanente Anleitung durch NutzerInnen Aufgaben in einem komplexen Umfeld auszuführen sowie aus ihren eigenen Erfahrungen zu lernen und dadurch ihre Leistung zu verbessern.

 

Beispiele für KI im Alltag sind virtuelle Assistenten wie Chatbots oder Empfehlungssysteme bei Musikstreamingdiensten wie Spotify und Onlinehändlern wie Amazon. Solche Systeme, die in einem spezifischen Bereich Probleme lösen, bezeichnet man als „schwache KI". Während schwache KI bereits alltäglich geworden ist, liegt die Existenz einer „starken KI", also einer selbständig denkenden und handelnden Maschine, noch in ferner Zukunft, so, eine Publikation zu Weiterbildung und KI des VDI Technologiezentrums.

 

Wie KI die (Erwachsenen-)Bildung verändert

Künstliche Intelligenz verändert bereits die Bildung, wie Jan Rohwerder vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung schon Ende 2019 in der Zeitschrift weiter bilden deutlich machte. So können Daten über Lernprozesse mithilfe von KI-Anwendungen ausgewertet und für Feedback, Lernvorschläge und Interventionen genutzt werden. Chatbots und digitale Tutoren dienen manchen Online-Lernenden bereits als virtuelle LernbegleiterInnen, und Plattformen wie Xing oder LinkedIn liefern NutzerInnen anhand ihrer Profile passgenaue Vorschläge für Weiterbildungen.

 

Lutz Goertz vom mmb-Institut zufolge ist das Thema KI für Akteure in der Erwachsenenbildung in mehrfacher Hinsicht spannend – nämlich als Lerngegenstand für Lehrende selbst, als unterstützende Technologie beim Lehren und Lernen (beispielsweise in Form von Chatbots) sowie im Zusammenhang mit maschinellem Lernen – das bedeutet, dass das System auf Basis früherer Erfahrungen und Impulsen von außen seine Funktionen optimiert.


Potentiale und Risiken in der Bildung

Künstliche Intelligenz könne dazu beitragen, Lernstoff lernendengerecht aufzubereiten, Benachteiligte zu fördern, das Lehrpersonal zu entlasten und Planungssicherheit zu schaffen, so Goertz. Beispielsweise können intelligente Learning-Analytics-Systeme TeilnehmerInnen an Onlinekursen identifizieren, bei denen die Gefahr eines Kursabbruches besonders hoch ist, sodass Lehrende unterstützende Maßnahmen setzen können.

 

Allerdings ist der Einsatz solcher Systeme immer auch mit Risiken verbunden, wie die Bildungswissenschafterinnen Alina Köchling und Shirin Riazy herausstreichen: Ein Algorithmus unterscheide nicht zwischen Korrelation und Kausalität und könne so falsche Schlüsse ziehen, die in einer Diskriminierung einzelner Lernendengruppen münden. Problematisch werde es, wenn nicht nachvollziehbar ist, wie das System zu seiner Voraussage kommt. Umso wichtiger sei daher ein ethischer, pädagogisch sinnvoller Umgang mit TeilnehmerInnendaten. Denn schlussendlich sei die Maschine nur so gut wie das Lernmaterial, das man ihr gibt.


Die Erwachsenenbildung ist gefordert, ein Grundverständnis von KI zu entwickeln

„Kaum etwas lädt so sehr dazu ein, utopische oder dystopische Fantasien zu entwickeln wie die Idee einer Maschine, die den Menschen in nicht allzu ferner Zukunft nicht nur intellektuell einholen, sondern gar überflügeln wird", so Jan Rohwerder. Angesichts dessen verwundert es kaum, dass das Thema gerade in der Erwachsenenbildung auf Unbehagen stößt. „Die Angst, irgendwann von einem Roboter ersetzt zu werden, ist groß", bestätigt Lutz Goertz.

 

Unbestritten ist den ExpertInnen zufolge, dass KI ein Teil unserer Zukunft sein wird. Daher gelte es, ein Grundverständnis von KI zu entwickeln, um das Thema einordnen und dazu Position beziehen zu können, so Olaf Zawacki-Richter, Professor für Wissenstransfer und Lernen mit neuen Technologien an der Universität Oldenburg. Eine systematische Untersuchung von Studien zu KI in der Bildung, die Zawacki-Richter 2019 mit seinem Team publiziert hat, kommt zum Schluss, dass weniger als 10% der Studien von PädagogInnen geschrieben werden – die Forschung passiere also hauptsächlich in Disziplinen wie Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften. „Es kann nicht schaden, für die Vermittlung zwischen Mensch und Maschine auch ExpertInnen mit pädagogischem Sachverstand zu Rate zu ziehen", so Zawacki-Richter.

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