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EB-Anbieter diskutieren Organisationsentwicklung zur Digitalisierung

20.02.2020, Text: Birgit Aschemann, Redaktion/CONEDU
Auf einer Tagung von AK und waff diskutierten österreichische und deutsche ExpertInnen über aktuelle Anforderungen an die Erwachsenenbildungs-Anbieter.
  • Foto: CC BY, CONEDU/Aschemann, auf erwachsenenbildung.at
    Im Zuge der Tagung wurden die Ergebnisse einer Befragung von GeschäftsführerInnen von Wiener Erwachsenenbildungseinrichtungen präsentiert.
  • Foto: CC BY, CONEDU/Aschemann, auf erwachsenenbildung.at
    Im Zuge der Tagung wurden die Ergebnisse einer Befragung von GeschäftsführerInnen von Wiener Erwachsenenbildungseinrichtungen präsentiert.
Die vierte Medienrevolution ist im Gange und wird begleitet von den sozialen Irritationen eines Leitmedienwandels. Während die Kluft im Zugang zu digitalen Medien in Österreich mittlerweile als geschlossen gilt, wird zugleich die digitale Kompetenzkluft größer, und Geringqualifizierte bleiben zurück. Aber auch zwischen EB-Anbietern klafft eine institutionelle digitale Kluft, die am 18. Februar des Jahres in Wien Anlass für Diskussionen bot.

QS-Systeme ersetzen keine Digitalisierungsstrategie

Wiener EB-Einrichtungen setzen sich großteils aktiv mit der Digitalisierung auseinander, die meisten befinden sich aber noch in der Erprobungsphase. Ein knappes Drittel sieht sich jedoch schon besser gerüstet. Zu diesen Ergebnissen kam eine umfangreiche Befragung von GeschäftsführerInnen von Wiener Erwachsenenbildungsanbietern, durchgeführt vom Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) im Auftrag des Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (waff). Die befragten Einrichtungen sind mit Ö-Cert (50%) bzw. wien-cert (28%) zertifiziert. „Die Veränderungen durch die Digitalisierung sollten durch bestehende Qualitätssysteme abgebildet werden können. Zugleich wird vielfach der Ruf nach einer eigenen Digitalisierungsstrategie laut", erläutert Alexander Schmölz, Geschäftsführer des öibf.

An einer aktiven Organisationsentwicklung führt kein Weg vorbei

EB-Einrichtungen auf dem Weg in eine digitale Zukunft brauchen gezielte Organisationsentwicklung, eine digitale Strategie und vor allem eine entsprechende Unternehmenskultur. Führungskulturen und Innovationsspielräume der Mitarbeitenden müssen sich mit verändern. Ein Selbstverständnis der EB-Anbieter als lernende Organisationen ist dringend gefragt. Die Berliner Beratungseinrichtung k.o.s. stellte dafür sieben Handlungsfelder mit 38 Bausteinen und den entsprechenden Reflexionsfragen vor, die in der Broschüre „Smartboards sind keine Digitale Strategie" nachzulesen sind. Zur Unterstützung für Einrichtungen steht auch ein sogenannter Strategiekompass zur Verfügung.

Die Medienkompetenz betrieblicher Ausbildner

2019 hießen die größten börsennotierten Konzerne Apple, Alphabet, Amazon, Microsoft und Facebook. Sie haben andere rasch verdrängt, sodass „auch in deutschen Betrieben reichlich Stress hinter den Kulissen" herrscht, berichtete Michael Härtel vom deutschen Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Das Institut wendet sich mit diversen Unterstützungsangeboten an betriebliche AusbildnerInnen, von denen es in Deutschland etwa 640.000 zertifizierte gibt. Ein Beispielprojekt dafür nennt sich MIKA (Medien- und IT-Kompetenz für das Ausbildungspersonal) und beschreibt die nötige medienpädagogische Kompetenz des Ausbildungspersonals anhand von drei Komponenten: Dazu gehören Medienerziehung (das Lehren und Lernen ÜBER Medien), Mediendidaktik (das Lehren und Lernen MIT Medien) und Medienintegration (die Integration von Medien in die Betriebsprozesse).

Lifelong learning im neuen Gewand

Sophie Keindorf (k.o.s.) erinnerte die Bildungsanbieter an die Notwendigkeit, flexibel und in kurzen Innovationszyklen auf die aktuellen Anforderungen zu reagieren. Die neue Standardsituation ist volatil, unsicher, komplex und ambivalent (englisch: „VUCA"). Das bringt eine Renaissance des Lifelong Learning mit sich. Dieses Lernen hat allerdings eine neue Ausprägung und muss stärker im Prozess der Arbeit selbst stattfinden, wobei der Trend zum Spielerischen und zu kleineren Lernportionen geht - gewürzt mit einer großen Portion Fehlerfreundlichkeit. Wer heute arbeitet, braucht nicht nur konkrete Wissensbestände, sondern vor allem auch Kreativität, kritische Reflexion, Kollaboration und Kommunikation. Das gilt auch für ErwachsenenbildnerInnen selbst, deren Rollen sich immer mehr hin zur Lernbegleitung ändern.

Digitale Kompetenz hat (noch) ein Geschlecht

Im Abschlussreferat erinnerte Anna Steiger, Vizerektorin der TU Wien, an das soziale Geschlecht der Digitalisierung, das bislang noch männlich ist und dem mit Quoten alleine kaum beizukommen sei. Das frühe Technikinteresse von Mädchen nicht zu behindern und schon in HTLs mehr Schülerinnen zu fördern, wäre als Ausgleich sehr wünschenswert.


Digitalisierung adressiert klassische Männerberufe und räumt ihnen einen höheren Stellenwert ein, so Steiger. Wie alle Technologien ist auch die Digitalität von Werten, Interessen und Normen beeinflusst – das wird auch im „Wiener Manifest der Digitalen Humanismus" ausgeführt.

Praxis-Herausforderungen im Blick behalten

In der kurzen Abschluss-Diskussion mahnte der KEBÖ-Vorsitzende Michael Sturm Aufmerksamkeit für praktische Herausforderungen ein, die es zu überwinden gilt. Dazu gehört die unzureichende digitale Infrastruktur in den Regionen. Aber auch „das Struktur-Handicap in Erwachsenenbildung" ist problematisch: bei fehlender Hauptamtlichkeit der AkteurInnen ist eine gezielte Personalentwicklung schwierig. Datenschutz und Sicherheit sollten stärker thematisiert und das österreichische Qualitätsgütesiegel Ö-Cert intensiv genutzt werden.

Die Tagung und ihr Anlass

Die Veranstaltung fand am 18. Februar 2020 im AK Wien Bildungszentrum statt. Sie wurde von der Arbeiterkammer Wien zusammen mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) veranstaltet und von der Journalistin Sonja Fercher moderiert. Anlass war das einjährige Jubiläums des Digi-Winner, einer Individualförderung für Wiener AK-Mitglieder. Der Digi-Winner wird von AK und waff gemeinsam angeboten und stellt die historisch höchstdotierte Förderung dieser Art dar - so AK-Referent Michael Tölle und Monika Nigl, Leiterin des waff-Beratungszentrums. Besonders erfreulich: Die Förderung wurde bisher zu 58 % von Frauen genutzt.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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