Was denken Südsteirer*innen über die Umwelt?
Die zivilgesellschaftliche Initiative Omas for Future Österreich setzt sich für eine umwelt- und klimagerechte Alltagskultur ein und lädt Menschen im öffentlichen Raum sowie bei Freizeit- und Bildungsveranstaltungen ein, das Bewusstsein für Klimaschutzmaßnahmen in der Region zu stärken und gemeinsam „ins Tun zu kommen“. Durch den Klimawandel verstärkte Naturkatastrophen - wie die in 2023 in der Südsteiermark erlebten Überschwemmungen - werden thematisiert und ein zukunftsfähiger Umgang damit gesucht: Die „Omas“ setzen sich dafür ein, die Situation nicht zu verdrängen, nicht zu leugnen und nicht einfach so weiterzumachen wie bisher oder nicht nur auf moderne Technologien zu vertrauen, „die das Schlimmste noch rechtzeitig verhindern“. Ziel ist es, gemeinsam mit vielen engagierten Menschen aktiv zu werden und etwas zu verändern.
Die „Omas“ verfolgen damit das Konzept der Community Education - also das informelle und nicht-formale Lernen durch „Teilhabe an der Gestaltung des Gemeinschaftslebens“. Das Lernen erfolgt durch gemeinsames Handeln mit Einwohner*innen, durch Lern-Angebote wie die Umsetzung des für Österreich adaptierten Klima-Quiz oder der Vernetzung mit regionalen Gruppen und Organisationen wie dem Seniorentreff60+ in Leibnitz oder mit Bildungsorganisationen. Es wird an lokalen Bedürfnissen angeknüpft und die Selbstbestimmung durch gemeinsames Handeln befördert (siehe Prinzipien der Green Community Education).
Grundsatzfragen der Bevölkerung zu Klimaschutz
Durch die Aktionen der Omas for Future hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass der anstehende Wandel grundlegende Fragen aufwirft - z. B: „Wie kann eine natur- und umweltorientierte neue Lebensweise aussehen, die unsere Lebensgrundlagen erhält und allen ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht?“, „Wie können wir, trotz so schwieriger Problemlagen, den Mut und die Zuversicht erhalten?“, „Wie können wir den Menschen vermitteln, dass eine maßvolle, weniger konsumorientierte Lebensweise nicht nur Verzicht bedeutet?“, „Wie kann eine natur- und umwelt-orientiert Alltagsphilosophie in krisengeschüttelten Zeiten stärken?“
Alltagsphilosophische Gedanken der Menschen in der Region sichtbar machen
Um grundlegende Fragen zu diskutieren und zu beantworten, wurde daher ein Projekt zum UNESCO-Welttag der Philosophie, der jährlich im November stattfindet, geplant. Um die Gedanken der Menschen in der Region zu Klimaschutz sichtbar zu machen, haben die „Omas“ gemeinsam mit Jugendlichen von AusbildungsFit im beruflichen und sozialen Kompetenzzentrum Leibnitz Video-Interviews mit Personen geführt und sie konkret gefragt, was sie zu einer natur- und umweltorientierten Lebensweise zu sagen haben.
Insgesamt wurden an zwei Markttagen 35 Interviews geführt, in denen die Menschen sehr offen über ihre Einstellung zur Umwelt in ihrem Alltag berichtet haben.
Aus dem vorliegenden Material wurde von Jugendlichen und Omas gemeinsam ein Impulsfilm sowie von den Jugendlichen allein ein Langfilm (mit allen Interviews) erstellt. Der Langfilm ist bis Ende 2024 im Naturparkzentrum Grottenhof zu sehen. Der Impulsfilm sollte breit zugänglich gemacht und die Fragen mit weiteren Interessierten diskutiert werden. So entstand das Konzept für eine Veranstaltung mit Podiumsdiskussion. Ein weiterer Projektpartner – das Bildungshaus Schloss Retzhof – konnte dafür gewonnen werden.
Diskussion am UNESCO-Tag der Philosophie am Retzhof
Anlässlich des UNESCO-Welttags der Philosophie am 16. November 2023 trafen sich Podiumsgäste und rund 50 Teilnehmer*innen zum angeregten Philosophieren im Bildungshaus Schloss Retzhof.
Der im Projekt entstandene Impulsfilm wurde als Einführung zu einer Podiumsdiskussion erstmals gezeigt.
Unter Leitung von ORF-Moderatorin Christine Brunnsteiner diskutierten Naturschutzbund-Obmann Johannes Gepp, Bio-Landwirtin Ulli Klein von der „Kleinen Farm“, Pfarrerin Marianne Pratl-Zebinger, Schriftsteller und Manuskripte-Herausgeber Andreas Unterweger sowie Philosoph und Tier-Ethiker Roman Werner mit dem interessierten Publikum über Fragen wie zum Beispiel: „Bedeutet ein weniger konsumorientiertes Leben einen Rückschritt?“ und „Was stärkt uns in krisengeschüttelten Zeiten?“.
So unterschiedlich die Lebensläufe und beruflichen Bereiche der Diskutierenden auch waren, so kam man doch zu gemeinsamen Antworten: Durch eine stärkere Vernetzung, die engagiert vorangetrieben werden muss, und ein gemeinsames Ziel kann es gelingen, dass sich immer mehr umweltfreundliche Lebensweisen etablieren. Dabei sind alle Generationen aufgefordert mitzuwirken, auch die ältere. Sie kann ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihren Einfluss dafür verwenden, nachhaltige Konzepte zu erstellen, zu leben und zu propagieren.
Fazit - wie gelingt Community Education im Bereich Klimaschutz?
Die gute Zusammenarbeit zwischen den Projektbeteiligten mit klarer Aufgabenverteilung, Zeitplänen und Abstimmungsrunden war ein Erfolgsfaktor für dieses Projekt. Die generationenübergreifende Zusammenarbeit zwischen „Omas“ und den Jugendlichen von AusbildungsFIT ermöglichte für beide Seiten Neues: Das Projekt wurde als Baustein in der Ausbildung der Jugendlichen aufgenommen, und die „Omas“ konnten Kenntnisse in Medientechnik erwerben. Auch die Zusammenarbeit von verschiedenen Erwachsenenbildungseinrichtungen mit einer zivilgesellschaftlichen Initiative kann als gelungen bezeichnet werden, wie die Teilnehmer*innen-Zahl bei der Podiumsdiskussion zeigt: Nahezu 50 Menschen haben die Diskussionsveranstaltung am Retzhof besucht und mitdiskutiert.
Das gewählte Format erwies sich als ansprechend, da Menschen aus der Region durch die Interviews eingebunden wurden und einem erweiterten Publikum die Möglichkeit geschaffen wurde, mit Persönlichkeiten aus der Gesellschaft über eigene Einschätzungen und jene der Interviewten zu sprechen. In den unterschiedlichen Lebenswegen der Podiumsgäste konnten sich viele Teilnehmer*innen wiederfinden, was sie als hilfreiche Orientierung in schwierigen Fragestellungen erlebt haben - ohne Druck, aber mit Empathie und Zuversicht.
Über die Autorinnen: Hildegard Schweder aus Leibnitz engagiert sich seit einigen Jahren im Rahmen der Initiative „Omas for Future“ und ist Sprecherin der Initiative in Österreich. Bei der 4. Klimaschutzgala vom Land Steiermark wurde sie als „Ich tu´s Bildungspartnerin“ ausgezeichnet. Andrea Widmann arbeitet im Projekt Klimaschutz in Training und Beratung im Auftrag von Ecoversum. Das Projekt wurde 2021 mit einem nationalen Bildungsaward ausgezeichnet.
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