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Bereit für den Neustart?

14.05.2020, Text: Wilfried Frei und Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Schritt für Schritt öffnen die Einrichtungen der Erwachsenenbildung wieder. Was aber braucht es für den Neustart als ErwachsenenbildnerIn?
  • Foto: Pixabay Lizenz, geralt, https://pixabay.com
    Was nehmen wir aus den bisherigen Entwicklungen für den eigenen Neustart, die eigene Berufstätigkeit mit?
Der Tag wird kommen, an dem die Einrichtungen der Erwachsenenbildung wieder geöffnet sind. Erste Schritte hat die Regierung schon gesetzt. Dies kann ein Anlass sein, um sich Gedanken zu machen, wie sich die Pandemie auf die eigene Berufstätigkeit ausgewirkt hat und wo Handlungsbedarf besteht. Welche eigenen Kompetenzen möchte ich erweitern? Wo finde ich meine eigene Weiterbildung? Wo will ich beruflich hin? Der Blick auf sich selbst und die eigene Tätigkeit kann Perspektiven eröffnen, die Halt geben und helfen, dem äußeren Wandel proaktiv zu begegnen.

 

Diesem Beitrag liegt in der Gestaltung ein Artikel von wb-web zugrunde. Wir haben aus den Überlegungen der deutschen Kollegin Susanne Witt Anregungen und Links übernommen und sie für die spezifische Lage Österreichs angepasst. Wir wollen damit Beschäftigte in der Erwachsenenbildung anregen, sich selbst einzuschätzen und Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich selbst weiterbilden und neue Wege ausprobieren kann.

"Not macht erfinderisch" oder "Was bisher geschah"

Die Corona-Krise ließ angesichts der vielfältigen Beschränkungen einem Präsenzangebot gewohnten Zuschnitts bis vor wenigen Tagen keinerlei Raum. Daher setzten sich auch besonders skeptische ErwachsenenbildnerInnen durchaus mit dem digitalen Arbeiten auseinander. In den massiv steigenden Angeboten an Webinaren und Online-Kursen zeigte sich jedenfalls, wie zahlreiche Anbieter proaktiv und schnell mit ihrer Situation umgehen (siehe auch "Was die EB in Zeiten von Corona beschäftigt").

 

E-Learning als Rettungsanker funktioniert aber nicht in jedem Fall. Es ist abhängig von der Medienkompetenz und technischen Ausstattung sowohl der Lehrenden als auch der Lernenden, von der Internetleitung und nicht zuletzt vom Angebot selbst.

 

Was nehmen wir nun aus diesen Entwicklungen für den eigenen Neustart, die eigene Berufstätigkeit mit?

Pädagogische Kompetenzen auf dem Prüfstand

Wie steht es um die eigenen Kompetenzen? Habe ich während der Krise weitere Fähigkeiten entwickelt oder hat sie mir gezeigt, dass es an der Zeit ist das eigene Können auch anerkennen zu lassen?

 

Dann könnte mich das Service der Weiterbildungsakademie Österreich (wba) weiterbringen. Die wba, getragen von allen Verbänden der Konferenz der Erwachsenenbildung, ist in Österreich der verbreitetste Standard in Sachen Validierung von Kompetenzen für die Erwachsenenbildung. TrainerInnen, BildungsmanagerInnen, BeraterInnen und BibliothekarInnen bekommen im Rahmen der wba erworbene Kompetenzen anerkannt, können sich zielgerichtet weiterbilden und ihren jeweiligen Kompetenzstand auf zwei Levels zertifizieren lassen.

 

Wer die eigenen Kompetenzen primär reflektieren will, aber nicht nach einem Abschluss strebt, kann auch das Angebot des deutschen Projekts GRETA nutzen. Mit dem PortfolioPlus können Lehrende ihre Kompetenzen strukturiert dokumentieren und mit dem Reflexionsbogen eigene erwachsenenpädagogische Kompetenzen kennenlernen.

 

Wie es um die eigene medienpädagogische Kompetenz steht, können ErwachsenenbildnerInnen mit Hilfe von Selbsttests prüfen. Der im Rahmen des Projekts MEKWEP entwickelte Test beispielsweise dient als Feedback für Lehrende im Umgang mit Medien. Ein anderer Test, dem der europäische Referenzrahmen DigCompEdu zugrunde liegt, bietet ebenfalls Hilfe bei der Reflexion des eigenen digitalen Unterrichtshandelns.

 

Für freiwillig Tätige in der Erwachsenenbildung eignet sich das von den Bildungswerken entwickelte Kompetenzportfolio. Es ist ein Instrument, um im Ehrenamt erworbene Kompetenzen zu erkunden und zu dokumentieren.

 

Man kann natürlich auch als ErwachsenenbildnerIn eine Bildungsberatung in Anspruch nehmen. Die Kompetenz+ Beratung ist ein Format zur Erkundung der eigenen Kompetenzen, das sich hier besonders eignet. Am besten fragen Sie bei einer unabhängigen Bildungsberatung in Ihrer Nähe danach.

 

Wer sich darüber hinaus eine Übersicht über Möglichkeiten der Kompetenzanerkennung verschaffen will, findet weiterführende Links und Informationen auf erwachsenenbildung.at in der Rubrik Bildungsinfo oder im Dossier "Erwachsenenbildung als Beruf".

Den eigenen Kompass neu ausrichten

Vielleicht ist es aber auch Zeit, Bilanz zu ziehen. Wo stehe ich? Welche Ziele möchte ich kurz-, mittel- und langfristig erreichen, beruflich wie privat?

 

Gerade für die oft prekär Beschäftigten in der Erwachsenen- und Weiterbildung stellt sich jetzt die Frage nach der eigenen Existenzsicherung. Beschäftigungsverhältnisse, Arbeitszeit und Umfang sind ebenso verschieden wie die persönlichen Lebensumstände wie Alter, Wohnsituation, Familienstand und Interessen. Ein Patentrezept zu suchen, kann nur scheitern. Was helfen kann, ist eine Bestimmung des eigenen Standpunkts.

 

Folgende Fragen/Aufgaben können eine erste Orientierung geben:

  • Erstellen einer Tabelle mit eigenen Wünschen und Zielen
  • Abgleichen der Tabelle mit dem aktuellen Stand
  • Welche Stärken bringe ich mit?
  • Welche eigenen Interessen möchte ich neu einbringen?
  • Welche Schwächen möchte ich ausgleichen?
  • Wie soll mein Lehrangebot in Zukunft aussehen?
  • Welche Fortbildung oder Qualifizierung ist ggf. sinnvoll?
  • Wo finde ich entsprechende Angebote zur eigenen Professionalisierung?
  • ...

 

Ergänzend zum Wissen über die eigenen Kompetenzen können ErwachsenenbildnerInnen so neue Ziele individuell formulieren.

Professionalisierungsangebote für Lehrende in der Erwachsenen- und Weiterbildung

Um über die Entwicklungen in der Erwachsenenbildung auf dem Laufenden zu bleiben, lohnt ein Blick auf die Inhalte von erwachsenenbildung.at.

  • In der Rubrik "Aktuelles" finden ErwachsenenbildnerInnen aktuelle Veranstaltungen und Artikel über das Geschehen im Feld.
  • Das "Magazin erwachsenenbildung.at" widmet sich in jeder Ausgabe spezifischen Themen, die ErwachsenenbildnerInnen aus Forschung und Praxis beschäftigen und stellt aktuelle Diskurse dar.
  • Wer sich zu Hintergründen und Fachdiskursen der Erwachsenenbildung einen Überblick verschaffen will, kann zudem einen Blick in die Rubrik "Themen" werfen.
  • In der Rubrik "DigiProf" gibt es außerdem Informationen und Services rund um die digitale Professionalisierung in der Erwachsenenbildung, darunter: aktuelle News, eine Mediathek, Onlinekurse und Webinare.

 

Weitere Portale wie u.a. EPALE und der Deutsche Bildungsserver bieten u.a. thematisch aufgearbeitete Materialen für Lehrende in der Erwachsenenbildung.

 

Der EULE Lernbereich auf wb-web.de beinhaltet eine Reihe von multimedial aufbereiteten Lernpfaden für Lehrende.

 

Neben diesen Plattformen gibt es auch zahlreiche weitere Webseiten mit offenen Bildungsmaterialien (siehe auch Modul 7 im Online-Kurs EBmooc plus).

 

Wer in Sachen Professionalisierung umfassende Pläne macht und sich formal weiterbilden will, kann sich beim Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) über passende Angebote informieren.

 

Eine umfangreiche Liste an Aus- und Weiterbildungen für ErwachsenenbildnerInnen gibt es darüber hinaus im Dossier "Erwachsenenbildung als Beruf" auf erwachsenenbildung.at.

 

Aktuelle Weiterbildungen im Bereich der digitalen Kompetenz finden sich im DigiProf Weterbildungskalender.

Wie wird sich die Online-Phase dauerhaft auf die Erwachsenenbildung auswirken?

Wie sich die Entwicklungen rund um die Pandemie auf die Erwachsenenbildung dauerhaft auswirken werden, bleibt abzuwarten und hängt letztlich auch davon ab, was wir für möglich halten.

 

Können sich die einen Präsenzveranstaltungen mit Maske oder Glasvisier gut vorstellen, werden andere eine Online-Lernumgebung ohne Mund-Nasen-Schutz bevorzugen.

 

Einige entdecken vielleicht, dass ihr Angebot sich dauerhaft für eine Online-Umsetzung eignet, andere nutzen die Möglichkeiten in Präsenz vielleicht noch bewusster.

 

Wie die bisher entstandenen Initiativen und Angebote aufgrund der Veränderung im Rahmen von Corona zeigen, wird die Erwachsenenbildung aber jedenfalls weiterhin von ihren AkteurInnen proaktiv und lösungsorientiert gestaltet werden – online und offline.

 

CC BY SA 3.0 Susanne Witt auf wb-web.de, weitreichend bearbeitet und ergänzt durch CONEDU.

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