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Bewusstseinsbildung für Nachhaltigkeit und Klimaschutz

08.04.2022, Text: Claudia Schörgi, Andrea Widmann, Initiative "Klimaschutz in der Erwachsenenbildung", Redaktion: Jennifer Friedl, Redaktion/CONEDU
Der Beitrag beleuchtet, wie Trainer:innen Klimaschutz in Seminaren und Beratungen als selbstverständliches Querschnittsthema berücksichtigen können.
  • Foto: Unsplash-Lizenz, SOULSANA, https://unsplash.com
    Wie kann Klimaschutz in Seminaren und Beratungen als selbstverständliches Querschnittsthema berücksichtigt werden?
Wie kann eine Trainerin oder ein Berater sowohl bei Erwachsenenbildungseinrichtungen, in Bildungshäusern als auch in der Arbeit mit Teilnehmer:innen Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit Klimaschutz aufzeigen? Dies kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen.

Trainer:innen können bereits im Vorfeld erkunden, wie Organisationen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit stehen

Dies beginnt bereits bei der Auftragsklärung: Vor dem Erstgespräch können Trainer:innen das Leitbild der Organisation recherchieren und erkunden, wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Organisation verankert sind. Bei manchen Bildungsorganisationen sind Nachhaltigkeitsziele explizit genannt, wie beispielsweise bei der WKO Österreich als Trägerin aller WIFI-Einrichtungen. Dort findet sich als einer von neun Grundsätzen: „Die Wirtschaftskammern stehen für ... [...] Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung.".


In anderen Leitbildern ist Klimaschutz impliziter zu finden. Die VHS Wien schreibt in ihrem Leitbild: „Wir leisten einen wichtigen Beitrag für die Lebensqualität [...] aller Menschen" und die VHS Steiermark führt aus: „VHSen sind auch eine Plattform für Begegnung, Diskussion und kontroversielle Auseinandersetzung mit gegenwärtigen und gesellschaftspolitisch relevanten Fragestellungen." Beide Grundsätze können Trainer:innen als Auftrag sehen, Klimaschutzthemen - als zentralen Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität und als gesellschaftspolitisch relevantes Thema - in ihre Angeboten zu integrieren.

Qualitätsmanagement, Gütesiegel und Ich tu´s Bildungspartnerschaft

Ein Auftrag zur Berücksichtigung von Klimaschutzaspekten kann ebenso aus Qualitätsmanagementsystemen abgeleitet werden. So ist etwa das Bildungshaus St. Virgil in Salzburg mit dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert. Andere Bildungshäuser, wie das Bildungshaus Retzhof in Leibnitz, das Schloss St. Martin in Graz, das Kardinal-König-Haus in Wien oder das bifeb in Strobl verfügen über das Österreichischen Umweltzeichen für Bildungseinrichtungen und verpflichten sich damit unter anderem zur Integration von „Bildung für nachhaltige Entwicklung" in ihre Bildungsarbeit. In der Steiermark gibt es seit 2012 die Klimaschutzinitiative Ich tu's des Landes Steiermark. Im Rahmen des Ich tu´s Projekts "Klimaschutz in der Erwachsenenbildung" haben bereits 29 Erwachsenenbildungseinrichtungen sowohl ihren Standort als auch ihr Leitbild und Bildungsprogramm klimafreundlich weiterentwickelt. Auch die Ich tu´s Bildungspartnerschaft der auftraggebenden Institution gibt Trainer:innen die Möglichkeit, Klimaschutzaspekte in ihren Angeboten verstärkt zu berücksichtigen.

Seminarorganisation: Nachhaltige Aspekte aktiv ansprechen

Selbständige Trainer:innen können bei ihrer Angebotsgestaltung Aspekte wie Anreise mit öffentlichem Verkehr zu Seminarhäusern, Möglichkeit der Online-Durchführung, nachhaltige und regionale Verpflegung, Verzicht auf Ausdrucke und Kopien sowie regionale nachhaltige Moderationsmaterialien von sich aus thematisieren. So können sie zur Bewusstseinsbildung nicht nur bei Teilnehmenden, sondern auch bei Veranstaltungshäusern und Auftraggeber:innen beitragen.

Seminarmethoden um Querschnittsthemen erweitern

Auch haben Trainer:innen bei allen Inhalten immer die Möglichkeit, Beispiele oder Übungen zum Thema Klimaschutz einzubringen, etwa bei Rollenspielen, die in Führungskräfte-, Kommunikations-, Konflikt- oder Teamtrainings eingesetzt werden.


Ein Beispiel: Kollegin H. kommt mehrfach zu spät zur Arbeit und rechtfertigt das mit der Verspätung der öffentlichen Verkehrsmittel, die sie aus Klima-Gründen benützt. Ihr Vorgesetzter Herr M. hat dafür absolut kein Verständnis und will sie dazu bringen, wieder auf das Auto umzusteigen, um pünktlich zur Arbeit kommen zu können.

 

Solche Rollen werden von Teilnehmenden unterschiedlich gestaltet und es zeigen sich sowohl im Kommunikationsverhalten als auch im Zugang zu Klimaschutz verschiedene Meinungen. Neben der Reflexion solcher Übungen auf das Kommunikations- und Konfliktverhalten hin können mit den Teilnehmenden auch Aspekte von klimafreundlicher Unternehmenskultur und Möglichkeiten struktureller Fördermaßnahmen für nachhaltige Mobilität besprochen werden.

 

Die Beteiligung seitens der Teilnehmer:innen ist erfahrungsgemäß sehr groß und es werden vielfach eigene Erfahrungen eingebracht und reflektiert. Ein großer Mehrwert besteht darin zu erkennen, dass Klimaschutz als zentrale Wertorientierung im Führungshandeln integriert wird und zur Bewusstseinsbildung über Leitwerte für Teams und Organisationen beigetragen wird.

Über die Autorinnen

Claudia Schörgi ist Trainerin und Coach mit Schwerpunkt Gesundheit und Sozialkompetenz. Sie berät Unternehmen und Einzelpersonen in Veränderungssituationen und Krisen. Als Teilnehmerin im Projekt Klimaschutz in Training und Beratung wird sie bei der nächsten Klimaschutzgala des Landes Steiermark als Ich tu´s-Bildungspartnerin im Bereich Training und Beratung ausgezeichnet.

 

Andrea Widmann koordiniert das Projekt Klimaschutz in Training und Beratung gemeinsam mit Ecoversum. Das Projekt wurde 2021 mit einem nationalen Bildungsaward ausgezeichnet.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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