Sichtbarkeit von Frauen in der Erwachsenenbildung
Die aktuelle Ausgabe des Magazin erwachsenenbildung.at beleuchtet daher Frauenbildung und geht den Spuren nach, die Frauen damals wie heute hinterlassen. Hier einige Beispiele:
Frauen als Pionierinnen an Volkshochschulen
Frauen bevorzugen Sprache, Literatur und Geisteswissenschaften, so ein weit verbreitetes Stereotyp. Brigitte Bischof von der JKU Linz hält dem eine historische Aufarbeitung der Habsburger- und Zwischenkriegszeit entgegen. Die Autorin zeigt, dass Frauen zu jener Zeit als Kursleitende für Mathematik und Naturwissenschaften an den Wiener Volkshochschulen tätig waren. Bischof stellt anhand biografischer Skizzen Physikerinnen, Mathematikerinnen, Biologinnen, Botanikerinnen und weitere Naturwissenschaftlerinnen vor.
Amelia Sarah Levetus war die erste weibliche Vortragende an der Universität Wien, die auch in der Erwachsenenbildung wirkte: Sie war von 1901 bis 1938 als Kursleitende, Vortragende und Obfrau der englischen Fachgruppe an der Wiener Volkshochschule tätig. Eine Wiederveröffentlichung des 2016 verstorbenen Erwachsenenbildners Wilhelm Filla zeichnet das Leben und Wirken von Amelia Sarah Levetus nach.
Neben weiblichen Kursleitenden und Vortragenden, stand in der Vergangenheit auch Bildung für Frauen im Fokus (deutscher) Volkshochschulen. Bildungsorte für Frauen boten gerade in den 70er Jahren einen Raum, in dem Frauen ihren Alltag reflektierten und ihre Fertigkeiten stärkten. Florence Hervé, Lehrende und Schreibende in der Frauenbewegung, zeichnet in ihrem Beitrag die politische Frauenbildungsarbeit an deutschen Volkshochschulen mit Rückblick auf fünf Jahrzehnte Frauengesprächskreise nach.
Feministische Bildung von Frauen für Frauen
Seit Jahrzehnten gibt es in der österreichischen Erwachsenenbildungslandschaft zahlreiche Frauenbildungsprojekte. Meist mit wenig verfügbaren finanziellen Ressourcen leisten diese Projekte ihre Bildungsarbeit, so die politische Philosophin und frauenpolitisch engagierte Birge Krondorfer in ihrem Beitrag. Bei großen Trägern der Erwachsenenbildung gehe es hingegen vielmehr um Arbeitsmarktbezug und standardisierten Kompetenzerwerb und daher zunehmend weniger um herrschafts- und gesellschaftskritische Bildungsarbeit, betont sie. Sie stellt die Initiative "Feministische Frauen- und Erwachsenenbildung" (IFEB) vor, die darauf aufmerksam machen will.
Emanzipatorische Bildungsarbeit mit Frauen in der Landwirtschaft: Das betreibt der Frauenarbeitskreis der Österreichischen Berg- und Kleinbäuer_innen Vereinigung (O?BV-Via Campesina Austria) seit Jahrzehnten. Ihn stellt die Bildungsreferentin Monika Thuswald vor. Inspiriert von der "Pädagogik der Unterdrückten" Paolo Freires entwickelten Bäuerinnen mit der Bildungsreferentin ein pädagogisches Konzept der basisorientierten Bildungsarbeit. Das Ziel: die Anliegen und Ideen von Klein- und Bergbäuerinnen sichtbar zu machen und umzusetzen.
Frauenstimmen hören
Die oberösterreichische Initiative "das kollektiv" versteht sich als Ort der kritischen Bildungsarbeit. Diese ist kritisch-politisch und parteilich und soll dazu beitragen, gesellschaftliche Ungleichheiten zu bekämpfen. Diese Positionierung zeigt sich in einem ungewöhnlichen Beitrag entlang eines offenen Briefs von afghanischen Frauen zum Weltflüchtlingstag. Mitarbeitende von das kollektiv positionieren sich dazu in Kommentaren. So werden Frauenstimmen hörbar, die aus verschiedenen Positionen sprechen. Das kollektiv - viele der Mitarbeitenden mit eigener Migrationsgeschichte - antwortet: Wir kämpfen gemeinsam.
"Frauenstimmen" war auch ein Projekt, das Frauen mit Migrationsgeschichte in Workshops die Möglichkeit gab, ihre Erfahrungen, Wünsche und Anliegen aufzuzeigen, was die Gestaltung eines "guten Lebens" in Österreich betrifft. In ihrem Beitrag beschreibt Lydia Rössler vom Verein Projekt Integrationshaus das Projekt, das im Vorjahr durchgeführt worden war. Das Projekt zeigte neben den Wünschen und Anliegen der Frauen auch deren Potenziale und Ressourcen auf.
Die 43. Ausgabe "Die Sichtbarkeit von Frauen* in der Erwachsenenbildung " des Magazin erwachsenenbildung.at gibt es kostenlos online und als Druckausgabe.
Verwandte Artikel
![]()
Call for Papers: Utopien und Erwachsenenbildung
Die 58. Ausgabe des „Magazin erwachsenenbildung.at“ beschäftigt sich mit Utopien in der Erwachsenenbildung. Interessierte können ihre Beiträge bis 21. Mai 2026 einreichen.![]()
Neue Magazinausgabe: Lernen und Handeln im Bezug zum Lebensumfeld
Die Ausgabe 56 “Lernen und Handeln im Bezug zum Lebensumfeld – Community-Orientierung in der Erwachsenenbildung” widmet sich der Aktualität von Community-Education in Theorie und Praxis der Erwachsenenbildung.![]()
Theater als Impuls für Frauenbildung und Verteilungsgerechtigkeit
Mit dem Theaterprojekt „Das KuchenStück“ tourt die Katholische Frauenbewegung durch Erwachsenenbildungseinrichtungen in ganz Österreich und macht soziale Ungleichheiten, die besonders zulasten von Frauen gehen, sichtbar und erlebbar.![]()
Frauen im ländlichen Raum: Zwischen Tradition, Verantwortung und Aufbruch
Frauen tragen Familie, Beruf und Gemeinschaft – und bleiben oft unsichtbar. „AndersOrt Haus der Frauen“ macht zum Internationalen Tag der Frauen in ländlichen Gebieten sichtbar, wie Bildung Frauen stärkt und neue Wege eröffnet.![Person hakt den ersten Punkt einer Checkliste auf dem Bildschirm eines Tablets ab]()
Klima-Check: Klimaschutz gezielt in der Schweizer Weiterbildung verankern
Mit dem Klima-Check des SVEB stärken Weiterbildungsinstitutionen ihre Klimafreundlichkeit – strukturiert, praxisnah und mit gesellschaftlicher Wirkung.![]()
Neu im Magazin: Chancen und Risiken von KI in der Erwachsenenbildung
Künstliche Intelligenz verändert Lehren und Lernen grundlegend. Die Ausgabe 55 zeigt: Anwendungswissen alleine reicht nicht – es braucht Funktionsverständnis und kritische Reflexion für selbstbestimmtes Lernen mit KI.



.webp)

