Forumtheater: politisches und partizipatives Theater
Theater als ästhetische Ausdrucksform nutzbar machen
Beim Theaterspielen geht es generell nicht nur um die verbale, sondern auch um die non-verbale Sprache. Bewusst non-verbal zu kommunizieren ist zwar für viele fordernd, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten. Etwa, um eigene Erfahrungen auszudrücken, wenn sie auszusprechen schwer fällt. Oder auch, um sich mit gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen und um die Stimmen jener Menschen in die Öffentlichkeit zu holen, denen sonst kein Gehör geschenkt wird. Zudem können Menschen andere Realitäten "ausprobieren" und nachspüren, wenn sie sich auf eine "Rolle" einlassen.
Forumtheater - ein partizipativer Prozess
Beim Forumtheater geht es inhaltlich um politisch brisante Themen, Konflikte, bestehende Machtverhältnisse und deren Zusammenhang mit der Lebenswelt der Menschen. Es ist aber weitaus mehr als das Einstudieren und Aufführen von Theaterstücken zu diesen Themen.
Zunächst werden die Menschen, die vom Thema betroffen sind, dazu ermutigt, mittels der Sprache des Theaters ihre Probleme und Anliegen zum Ausdruck zu bringen. Dieser Zugang ist für viele neu und anfangs befremdlich, würde es den Betroffenen oft aber auch erleichtern, sich auszudrücken, erzählt Wrentschur.
In der Folge werden gemeinsam mit den Betroffenen Theaterstücke entwickelt und in der Öffentlichkeit aufgeführt. Bei diesen Stücken handelt es sich um Konflikte, die bis zur Eskalation durchgespielt werden. Die Konfliktszene muss für die Zusendenden nachvollziehbar sein, Betroffenheit und den Wunsch, einzugreifen, auslösen.
Eine Person übernimmt die Rolle der Spielleitung, des so genannten Jokers. Dieser tritt mit den ZuseherInnen in Dialog und fragt sie nach Ideen und Lösungsmöglichkeiten sowie nach den Handlungsräumen für die Betroffenen. Aber auch Strukturen und Grenzen, die solche Spielräume verkleinern, sind von Interesse. Die Szenen werden erneut gespielt. Jetzt können ZuseherInnen "Stop" rufen, damit die Szene anhalten, die Rolle eines/r Protagonisten/in einnehmen und einen alternativen Ausgang des Konfliktes ausprobieren. Sie erhalten damit nicht nur Einblicke in die Lebenswelt der Betroffenen, sondern können diese vielmehr selbst erfahren.
Im Anschluss wird das Erlebte gemeinsam besprochen.
Wie es weitergehen kann
InterACT wertet die Lösungsvorschläge in aufwändigen Projekten aus und trägt sie weiter. Dabei werden die Betroffenen einbezogen und gleichzeitig wird darauf geachtet, was gesellschaftlich und politisch wichtig und möglich ist. Zudem gibt es meist Begleitforschung auf verschiedenen Ebenen. Ergebnis dieser Projekte sind Kataloge mit Anliegen, Vorschlägen und Forderungen, die an die Lebenswelten und Erfahrungen der Betroffenen rückgebunden sind. Diese werden - wiederum mit Mitteln des Theaters - in politischen Räumen aufgeführt; dort, wo politische Entscheidungen getroffen werden. So können diese Entscheidungen mit beeinflusst werden.
Serie "Methoden der Erwachsenenbildung"
Die Serie "Methoden der Erwachsenenbildung" ist ein Service von und für Studierende und EinsteigerInnen in das Berufsfeld der Erwachsenenbildung. Im Rahmen der Serie stellen wir einzelne Lehr-Lernmethoden sowie ihre Varianten und Einsatzmöglichkeiten vor. Wir unterscheiden dabei, welche Funktion die jeweilige Methode im Lehr-Lernprozess hat, zum Beispiel Informieren, Motivieren usw. Alle Beiträge zur Serie finden Sie hier.
- Wrentschur: Politisch-partizipative Theaterarbeit
Magazin erwachsenenbildung.at, Ausgabe 22/2014 - Politische Bildung mit der Sprache des Theaters
Nachricht vom 19.11.2013 - Ablauf und Spielregeln des Forumtheaters (Soeintheater)
- Toolkit: Theater der Unterdrückten (Simone Grosser)
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