Mehr Bewusstsein für den Klimawandel: Projekt Klimagerechte Alltagspraxen

16.10.2023, Text: Lara Plochberger, Redaktionspraktikantin, Redaktion: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Die Wiener Volkshochschulen haben ein partizipatives Workshop-Format für junge Erwachsene mit Migrationsgeschichte entwickelt.
Es ist ein Tisch in der Mitte und rundherum sitzen junge Menschen, die an etwas arbeiten.
Die Projektverantwortlichen haben im Rahmen des Projekts ein partizipatives Workshop-Format entwickelt.
Foto: Pixabay Lizenz, StockSnap, https://pixabay.com
Ein Ziel im Rahmen des Europäischen Jahres der Kompetenzen ist es, die Wünsche und Fähigkeiten der Menschen mit den Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt abzustimmen, insbesondere im Hinblick auf den grünen und digitalen Wandel. Um Wünsche in Richtung "grün" und in Folge auch Fähigkeiten dazu zu entwickeln, braucht es zunächst vor allem einmal Berührungspunkte zu den Themen rund um den Klimawandel (siehe z.B. auch das Buch "Erneuerung der Interessetheorie. Die Genese von Interesse an Erwachsenen- und Weiterbildung"). Mögliche Orte, um diesen Kontakt herzustellen, können Lern- und Bildungsräume sein.

 

Einen Lernraum zum Thema Klimawandel bot zum Beispiel das Projekt Klimagerechte Alltagspraxen (klAP) der Wiener Volkshochschulen. Das Projekt hatte zum Ziel, Menschen mit Migrationshintergrund mit partizipativen Methoden an das Thema Umwelt und Klimawandel heranzuführen.

Projekt-Ziel: Partizipativer Bildungsprozess mit Zugewanderten

Die Frage, wie Lernen und Bildung für das Klima gelingen kann, beschäftigt die Erwachsenenbildung immer wieder (siehe auch Artikelserie "Klima- und Umweltschutzbildung" auf erwachsenenbildung.at). Die Wiener Volkshochschulen haben mit ihrem Projekt "Klimagerechte Alltagspraxen" Zielgruppen angesprochen, die mit diesen Lernangeboten oft nur schwer zu erreichen sind: Jugendliche und junge Erwachsene, die sich nicht (mehr) im formalen Bildungssystem befinden und oft zusätzlich noch mit Sprachbarrieren zu kämpfen haben – dies betrifft Menschen mit Migrationshintergrund häufiger als andere.

 

Die Projektverantwortlichen stellten sich die Frage, wie man diese Menschen zu einem klimafreundlicheren Verhalten im Alltag motivieren kann. Außerdem haben sie sich mit der Frage beschäftigt, wie ein partizipatives Format aussehen kann, das Bildungsprozesse anstoßen kann und dabei einen von oben herab gelenkten Erziehungsversuch vermeidet. Umgesetzt wurde das Projekt mit Teilnehmer*innen von Jugendcoaching- und Ausbildungsprogrammen sowie mit Kursteilnehmer*innen in Deutsch- und Integrationskursen an den Wiener Volkshochschulen.

Narrative Interviews für partizipative Gruppenarbeit

Die Projektverantwortlichen haben im Rahmen des Projekts ein partizipatives Workshop-Format für junge Erwachsene und Jugendliche mit Migrationshintergrund entwickelt. In den Workshops interviewen sich die Teilnehmenden gegenseitig zu verschiedenen Themen wie etwa Wohnen, Ernährung, Mobilität oder Konsum. Ein Ziel dahinter: Die Teilnehmer*innen werden so zu Akteur/innen und erfahren eine andere Form der Wahrnehmung ihrer Person, ihrer Umwelt, ihrer Geschichte und ihres Alltags, heißt es in der Projektbeschreibung. Die Interviews und die damit einhergehenden Diskussionen machten es möglich, zusätzlich wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel einzubringen. Die Teilnehmer*innen entwickelten schließlich eigene Maßnahmen gegen den Klimawandel.

Erfahrungen aus dem Projekt

Durch den Einsatz der leitfadengestützten Interviews konnten die Erfahrungen und die Expertise der Teilnehmer*innen in den Fokus gerückt werden, berichtet Projektleiterin Celine Wawruschka in einem Beitrag des Magazins erwachsenenbildung.at. Dies habe dazu beigetragen, dass sogar Teilnehmer*innen, die dem Klimawandel anfangs skeptisch gegenüberstanden, ihre Meinung im Laufe des Projekts geändert haben.

 

Außerdem ermöglichten die persönlichen Geschichten der Teilnehmer*innen und der Projektleiterin, eine empathische Interaktion zu entwickeln, die in einer Lehr-Lern-Beziehung ansonsten in der Regel nur über einen längeren Zeitraum aufgebaut werden kann.

 

In den Jugendcoaching- und Ausbildungsprogrammen (mit Teilnehmer*innen im Alter von 15 bis 24 Jahren) war das Workshop-Format weniger erfolgreich als in den Deutschkursen. Dies traf insbesondere auf Workshops mit jenen Teilnehmer*innen zu, die ihre formale Bildungslaufbahn nach der Pflichtschule aus verschiedenen Gründen nicht fortgesetzt haben und an einem nicht berufsbegleitenden Vorbereitungs- oder Coachingprogramm teilnahmen. Hier war die Konzeption der Interviews, die auf Kindheits- bzw. Jugenderfahrungen abzielen, unglücklich gewählt, so Wrawruschka. Für Deutschkurse ab dem Niveau B1.2/B+ habe sich das Format als erfolgreiche Methode erwiesen.

Projektergebnisse zum freien Download

Die Ergebnisse des Projekts klAP, und damit alle Workshop-Unterlagen, stehen zum kostenlosen Download auf der Website der Wiener Volkshochschulen zur Verfügung. Sie eignen sich insbesondere für den Einsatz in Kursen für Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache (DaF/DaZ) sowie für Deutsch- und Integrationskurse ab dem Sprachniveau B1.2/B+.

 

Das Projekt hatte eine Laufzeit von November 2021 bis September 2022 und wurde aus den Mitteln des Klimaforschungsprogramms StartClim 2021/22 gefördert.

Weitere Informationen:
Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

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