Demokratie, Bildung und Emanzipation
Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek bestätigte in ihren Begrüßungsworten die Bedeutung der Forderungen von Bisovsky und versprach, die Erwachsenenbildung in Budgetverhandlungen weiterhin einzubringen.
Demokratie oder nur Schein?
Die Feministin und Gender-Forscherin Birge Krondorfer begann ihren Vortrag an einem historischen Punkt mit großer Symbolkraft: "Die moderne Demokratie beginnt mit der Köpfung einer Frau", so Krondorfer. In der "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" (1791) forderte die französische Frauenrechtlerin und Revolutionärin Olympe de Gouges die Anerkennung privater und politischer Bürgerinnenrechte in einer Verfassung, die von Männern gemacht wurde und Frauen systematisch ausschloss.
Der Ausschluss von Frauen habe sich in der Geschichte wiederholt und sei auch heute noch - wenn auch nicht mehr so systematisch - gegeben, so Krondorfer. Sie nannte in diesem Zusammenhang das späte Wahlrecht für Frauen oder den Ausschluss von Frauen aus wichtigen Ämtern. "Frauen haben die Funktion der Zubringerschaft innerhalb von Normen, die sie nicht selbst geschaffen haben", so Krondorfer. Scheinadaption und Scheingleichheit seien die Folge. Das Mitgemeint-Sein sei nicht ausreichend. So kam Krondorfer zu dem Schluss: "Eine Demokratie, die Geschlechterdifferenzen nicht wahr nimmt, ist keine Demokratie, sondern eine Androkratie". Unter "Androkratie" (häufiger als "Patriarchat" bezeichnet) versteht man eine Herrschaftsform, in der vorwiegend Männer die Herrschaft ausüben und Frauen in politischen Strukturen unterrepräsentiert sind.
"Demokratie braucht Bildung"
Laut Krondorfer bedürfen Demokratie und Bildung einander. "Demokratie braucht eine Bildung, die nicht neutral ist, die Konflikte provoziert, die nicht nivelliert, die nicht Konsens sucht, sondern Widerreden, Widersprechen und Widerhandeln übt", so Krondorfer. Bildung müsse ihren aufrufenden Charakter wieder finden und auf Ungleichheiten hinweisen. Und dazu bedürfe es nicht nur eines emanzipatorischen Angebots. Vielmehr sei auch eine kritische Selbstreflexion der Organisationen bzw. Bildungseinrichtungen vonnöten, so Kronderfer. Ganz im Sinne der von ihr genannten Trias "Erinnern, Erkennen und Ersinnen".
Demokratiepolitische Bildung: mehr als Spezialangebote
Wie kann emanzipatorische, demokratiepolitische Bildungsarbeit aussehen? Demokratiepolitische Bildung bzw. Erwachsenenbildung sollte Krondorfer zufolge nicht nur im Rahmen einzelner Angebote der politischen Bildung, sondern in jeder Weiterbildung enthalten sein. Beispielsweise könne in einem Computer-Kurs thematisiert und diskutiert werden, dass der Großteil der Hardware in Fabriken in Asien hergestellt werden, wo sehr fragwürdige Arbeitsbedingungen vorherrschen. Damit schloss sie den Kreis zu Bisovskys Eröffnungsworten, in denen er den Soziologen Oskar Negt zitierte: "Demokratie muss täglich gelernt werden."
Call for Papers: Demokratie Lernen
Demokratie, Emanzipation und Bildung sind auch Gegenstand einer der kommenden Ausgaben des Magazin erwachsenenbildung.at. Das Magazin macht sich darin auf die Suche nach Räumen für ein alltägliches Lernen im Gespräch, in der Diskussion und im Tun, die Beteiligung ermöglichen. Wieviel Demokratie braucht die Gesellschaft, und welches "Demokratie Lernen" ist dazu erforderlich? Noch bis 2. Februar 2016 können Artikel zu diesem Themenkreis eingereicht werden.
- Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ)
- Erwachsenenbildung wichtiger denn je!
Presseaussendung KEBÖ/VÖV vom 22.09.2015
Verwandte Artikel
![]()
ifdp-Jahrestagung: „Wer nicht lernt, wird gelenkt“
Wie befähigt Bildung zur digitalen Mitgestaltung? Die dritte ifdp-Jahrestagung am 15. Oktober 2026 in Wien beleuchtete digitale Mündigkeit, gesellschaftlichen Wandel und die Zukunft des lebensbegleitenden Lernens.![]()
EuropaWirkt! Im Dialog. Im Ehrenamt. Im Leben.
Das Projekt „EuropaWirkt! Werte im Wortwechsel“ des Kärntner Bildungswerks zeigt, wie Ehrenamt Demokratie stärkt: Engagierte machen europäische Werte wie Freiheit, Toleranz und Gerechtigkeit sichtbar und schaffen Räume für Dialog und Begegnung.![]()
KEBÖ-Jahrestagung 2026: Zukunft lernen
Im Rahmen der KEBÖ-Jahrestagung 2026 wurde diskutiert, welche Rahmenbedingungen Lebenslanges Lernen künftig braucht und welche Rolle Erwachsenenbildung für Teilhabe, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt spielt.![]()
Erwachsenenbildung als Brücke zwischen Wissenschaft und Demokratie
Wie können Wissenschaft, Demokratie und Erwachsenenbildung gemeinsam gesellschaftliches Vertrauen stärken? Eine Tagung am bifeb widmete sich dieser Frage mit wissenschaftlichen Impulsen, Praxisbeispielen und intensiven Diskussionen.![]()
Ö-Cert-Enquete 2026: Innovative Projekte gesucht
Ö-Cert-Inhaber können bis 10. September Projekte, Veranstaltungen und Formate einreichen, die Demokratie auf besondere Weise erlebbar machen. Bis zu drei ausgewählte Projekte werden bei der Ö-Cert-Enquete 2026 präsentiert.![]()
EU-Politik live: Lern-Mobilität des Rings Österreichischer Bildungswerke
Der Ring Österreichischer Bildungswerke führte im Sommer 2026 die Lern-Mobilität „EU-Politik live" nach Brüssel durch. Die von Erasmus+ mitfinanzierte Veranstaltung vermittelt Erwachsenen Einblicke in EU-Strukturen und lässt die Teilnehmenden Politik „live“ miterleben.





