Demokratiepolitische Bildung: Miteinander im Gespräch bleiben
Hass im Netz: Vertiefende Online-Vorträge
Ergänzt wurden die Workshops durch Online-Vorträge von Expert*innen, die das Wissen rund um gesellschaftliche Entwicklungen wie etwa die Radikalisierung im Netz (Harald Koberg, Land Steiermark, Abteilung 6), Krisenbewältigung und Resilienz (Cornelia Forstner, KIT Steiermark), Diffamierung aufgrund von Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung (Edith Zitz) sowie Strategien gegen Hass im Netz (Linda Candido, Gregor Fischer-Lessiak, Sonja Radkohl, Sarah Wiesinger von der Antidiskriminierungsstelle Steiermark) zum Thema hatten. Zum Projektabschluss entstand eine Broschüre (PDF), die Ideen für ein gutes Miteinander und für mehr Selbstwirksamkeit aufzeigt. Sie unterstützt dabei, krisenhafte Situationen zu erkennen und besser einzuschätzen. Außerdem macht sie Mut, einen – vielleicht ganz individuellen – Weg aus der Krise zu finden, bei dem das persönliche Umfeld und ein stabiles Netzwerk eine große Rolle spielen.
Tipps von den Profis
In den Workshops gaben die Expert*innen aus dem Projekt "Wir bleiben im Gespräch" verschiedene Impulse, damit Kommunikation in Krisenzeiten gelingen kann. Die zentralen Tipps kurz zusammengefasst:
Im Gespräch die Perspektive wechseln
Die Herausforderung guter Kommunikation bestehe darin, so Christian Mehlmauer-Ziesler, Informationen unmissverständlich und jenseits von Interpretationsspielräumen weiterzugeben. Dabei sind es meist Faktoren wie Zeit und Präzision, die im Alltag kaum zur Verfügung stehen. Die Folge: Missverständnisse, die zu Interpretationen und Auslegungen führen. So können Dynamiken und eine "Mission" entstehen, die anderen Gesprächspartner*innen vom eigenen – vermeintlich einzig "wahren" – Standpunkt zu überzeugen. Was hilft, ist, kurz die Perspektive zu verändern, um eine breitere Basis für ein Miteinander zu schaffen.
Öffentliche Debatten weniger emotional führen
Gerade Social Media-Plattformen profitieren von sozialen Spaltungen. Es gehe dabei weniger darum, so Harald Koberg, falsche Fakten zu korrigieren, sondern Sorgen und Bedürfnisse anzuerkennen, und darum, öffentliche Debatten abzukühlen. Menschen hätten die Tendenz, sich besonders mit Informationen auseinanderzusetzen, die die eigene Meinung bestätigen. Sie umgeben sich also mit Menschen, die ähnlich denken wie sie. Social Media Plattformen verstärken dieses Denken, und fördern Postings, die starke Emotionen hervorrufen. Eine Entspannung könne es vor allem im Versuch öffentliche und politische Debatten weniger emotional zu führen und die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen.
Rasche Solidarisierung und Sensibilisierung
Diffamierung, also organisierte und systematische Übergriffe, haben verstärkt durch Hass im Netz immer mehr zugenommen. Sichtbare, positionierte Frauen sind dabei besonders gefährdet. Edith Zitz beschreibt, wie bei Diffamierung geholfen werden kann: mit einer vorsorglichen Auseinandersetzung in der Organisation und rascher Solidarität sowie Sensibilisierung, aktiver Begleitung und Unterstützung, das Inanspruchnehmen von Unterstützungsstellen und Erzählungen über das positive Engagement der Person.
Melden von Hasspostings
Ein wichtiges Instrument, um gegen Angriffe im Netz vorzugehen, ist die BanHate-App als erste mobile Applikation gegen Hasspostings. Die von der Antidiskriminierungsstelle Steiermark entwickelte App ermöglicht das rasche, unbürokratische und plattformunabhängige Melden von Hasspostings, wie Daniela Grabovac ausführt. Das Hassposting wird dokumentiert und automatisch an die Antidiskriminierungsstelle weitergeleitet, wo sie rechtlich geprüft und dem jeweiligen Provider gemeldet werden. Bei strafrechtlicher Relevanz kann es zu einer Anzeige kommen.
Selbstwirksamkeit lernen
In Krisenzeiten ist Selbstwirksamkeit der Schlüssel, damit Menschen gestärkt aus schwierigen Lebenssituationen hervorgehen und diese nicht als Ohnmacht und Hilflosigkeit erleben, führt Cornelia Forstner vom Kriseninterventionsteam Steiermark aus. Es sei dabei wichtig, in kleinen Schritten Zukunftsperspektiven zu erarbeiten. Ein niederschwelliges Hilfsangebot unterstützt dabei, eine positive Selbsteinschätzung zu entwickeln und resilient im Umgang mit Herausforderungen zu werden.
Menschen in der Region Murau-Murtal wirksame Werkzeuge in die Hand zu geben, mit denen sie gut durch Krisen kommen und zu aktiv Handelnden werden, war der Anspruch des Pilotprojekts "Wir bleiben im Gespräch". Denn es ist wichtiger denn je, auch weiterhin gemeinsame Wege zu finden und das Miteinander in den Gemeinden zu fördern.
Verwandte Artikel
![]()
ARGE BHÖ: Mehr Teilnahmen und neue Schwerpunkte im Bildungsjahr 2025
Der Leistungsbericht 2025 der ARGE Bildungshäuser Österreichs zeigt stabile Veranstaltungszahlen, steigende Teilnahmen und veränderte thematische Schwerpunkte. Gleichzeitig werden Bildungsangebote kompakter gestaltet.![]()
Franz Jenewein ist neuer Vorsitzender der ARGE Bildungshäuser Österreich
Am 13. Mai 2026 wurde Franz Jenewein, Leiter des Tiroler Bildungsinstituts Grillhof, bei der Generalversammlung der ARGE Bildungshäuser Österreich zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er folgt auf Anna Thaller.![]()
#ebcamp26: Zwei Tage Austausch über Digitalisierung in der EB
Zum 8. Mal fand am 5. und 6. Mai 2026 das #ebcamp statt. In dem von der KEBÖ und dem bifeb veranstalteten Online-Barcamp zum Thema „Digitalisierung in der Erwachsenenbildung“ tauschte man sich zu einer Vielfalt an Themen aus.![Grafik einer Kaffeekanne vor altrosa Hintergrund, auf der drei rote Figuren mit wissenschaftlichen Instrumenten hantieren]()
Wissenschaft bei Kaffee: Science Cafés bringen Dialog in Stadt und Land
Mit dem Projekt „Wissenschaft im Dialog – Land schafft Wissen“ fördert COMMIT gemeinsam mit regionalen Partner:innen an 9 Standorten in ganz Österreich einen niederschwelligen Dialog zwischen Wissenschaftler:innen und Bürger:innen.![]()
Bildungsprojekt "Selbstbestimmt Frau sein"
Das kostenlose Bildungs-, Coaching- und Vernetzungsangebot "Selbstbestimmt Frau sein" der Frauenvernetzung des Forums Katholischer Erwachsenenbildung stärkt Frauen im ländlichen Bereich.![]()
Erwachsenenbildung und sprachliche Teilhabe im Asyl- und Polizeikontext
Der Lehrgang „Dolmetschen im Asyl- und Polizeibereich“ zur Professionalisierung von Laiendolmetscher*innen in sensiblen Bereichen wie Asyl- und Polizeiwesen ist ein demokratiepolitisch und gesellschaftlich relevantes Mittel der Partizipation mit erwachsenenbildnerischer Ausrichtung.




5komma5sinne_motionAds_0.webp)
