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Neue und lang gehegte (Bildungs-)Ideen entwickeln und umsetzen

22.03.2021, Text: Christine Bärnthaler, Regionalentwicklerin und systemische Coachin und Günther Marchner, Sozialwissenschafter und Organisationsentwickler, Redaktion: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Die Methode der Ko-Kreation hilft, ins Tun zu kommen und Bildungsideen zu realisieren.
  • Foto: CC BY, Christine Bärnthaler, auf erwachsenenbildung.at
    Freiräume schaffen, um neue Bildungs-Ideen zu verwirklichen - ein Prinzip des Formats FreiRäume
Wie neue (Bildungs-)Ideen generieren und Impulse setzen? Wie andere Wege gehen? Wie gemeinsame Kraft entwickeln? Wie aktuelle Herausforderungen wahrnehmen? Wie den aktuellen Einschränkungen im Bereich der Erwachsenenbildung begegnen? Diese Fragen mögen sich Entscheidungsträger*innen und Mitarbeiter*innen in Bildungseinrichtungen, in gemeinnützigen und öffentlichen Einrichtungen in letzter Zeit öfters gestellt haben. Unter den Rahmenbedingungen von alltäglicher Geschäftigkeit, Routine, Zeitdruck und permanentem Aufgabenerledigungsstress ist dafür kaum Zeit. Auch nicht für Dinge, die einem schon lange am Herzen liegen - und zu denen man in der Regel nie kommt. Die Ko-Kreation von Ideen in einer Gruppe kann hilfreich sein, neue oder lang gehegte Ideen umzusetzen. Ko-Kreation bezeichnet den Prozess der gemeinsamen Wissensgenerierung in einem gemeinschaftlichen Schöpfungsprozess, in dem mehrere Personen oder Statusgruppen beteiligt sind.

Neue Bildungsangebote entwickeln durch Beteiligung

Für den Bildungsbereich kann dies heißen, in einer Gruppe unterschiedlicher Menschen neue Bildungsangebote ko-kreativ zu entwickeln und damit am heiß umkämpften Bildungsmarkt einen Schritt voraus zu sein. Gerade jetzt, wo im Bildungsbereich gewohnte Methoden und Settings wie analoge Präsenzveranstaltungen in geschlossenen Seminar-Räumen nicht mehr so leicht möglich sind und zudem der Markt der digitalen Bildung boomt, ist es wichtig, proaktiv innovative Angebote zu entwickeln und die Organisation dadurch existentiell abzusichern und weiter zu entwickeln. Es geht darum, neu zu denken und vor allem die Menschen im System wie Mitarbeiter*innen und Kund*innen einzubinden. In einer Atmosphäre der Achtsamkeit kann die kollektive Intelligenz einer Gruppe ein guter Katalysator für die Umsetzung von Ideen werden. So kann auch der kritische Blick von komplett außenstehenden Personen helfen, Ideen zu konkretisieren, Chancen zu entwickeln, aber auch Barrieren und Hürden aufzuspüren. Die Gruppe bietet Feedback, Anregungen und Erfahrungsaustausch. Die Kombination altbewährter und neuer Lehr-/Lern-Methoden z.B. in hybriden Bildungsformaten ermöglichen es, attraktive Angebote oder Projekte zu entwickeln.

Nicht umgesetzte Ideen holen uns irgendwann ein

Der Begriff prokrastinieren leitet sich aus dem lateinischen procrastino ab, zusammengesetzt aus pro (für) und crastinum (der morgige Tag) und meint das hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt. Damit ist jedoch nicht das legitime Aufschieben aufgrund äußerer Umstände gemeint. Stattdessen geht es hier oft darum, dass der Überblick fehlt und daraus eine erdrückende Komplexität resultiert. Wir nehmen uns dann nicht die Zeit oder es fehlt uns der Mut, um unsere guten Ideen auch tatsächlich zu realisieren. Viele Menschen kennen das aus leidvollen Erfahrungen: Wie oft haben wir Ideen, die wir schon immer umsetzen wollten, zu denen uns aber Ressourcen oder Kraft fehlen. Sie bleiben daher gut behütet in der Schublade. Vieles, was wir mangels Zeit oder Mut nicht umsetzen, holt uns dann irgendwann ein und macht uns unzufrieden. Um nun gute Ideen entstehen zu lassen und sich dann auch die Zeit frei zu schaufeln, diese auch umzusetzen, braucht es vor allem auch Mut. Dabei kann die Ermutigung in einer Gruppe sehr hilfreich sein.

Schwarmintelligenz und Ko-Kreation - die Gruppe als Katalysator nutzen

Schwarmintelligenz – auch kollektive Intelligenz genannt - entwickelt sich zu einer wertvollen Ressource für Organisationen, da sie zu einer neuen Qualität von Entscheidungen in Organisationen führt. Diese neue Qualität macht sich darin bemerkbar das die "Weisheit der Masse" - als Summe der Einzelmeinungen - Entscheidungen generiert, die von vielen getragen werden und von denen dann auch eine Mehrheit profitiert. Am "grünen Tisch" getroffene Entscheidungen, die oft von Einzelpersonen getroffen werden, können ins Leere gehen, da sie oft Wesentliches unberücksichtigt lassen, wenn weitere Gesichtspunkte fehlen. Das Schwarmverhalten wurde ursprünglich im Tierreich entdeckt und bringt hier etliche Vorteile, etwa bei der Nahrungsbeschaffung oder beim Schutz vor Gefahren. Daher wird gerne von Schwarmintelligenz oder synonym auch von kollektiver Intelligenz oder Gruppenintelligenz gesprochen. Die Erkenntnis, dass das Schwarmverhalten bei uns Menschen als soziale Wesen Nutzen bringt, spiegelt sich in Redewendungen wie "Gemeinsam sind wir stark" oder "Vier Augen sehen mehr als zwei" wieder. Damit es Nutzen stiftet, braucht es jedoch einen gemeinsamen Plan oder ein Ziel, das für die Mehrheit Sinn stiftet.

FreiRäume als neues Format um reife Ideen zu verwirklichen

Der Salzburger Sozialwissenschaftler Günther Marchner und die in der Steiermark tätige Regionalentwicklerin Christine Bärnthaler haben unter dem Titel FreiRäume – Zeit für neue Ideen ein Konzept entwickelt, das auf der Methode der Ko-Kreation basiert. Das Format unterstützt Entscheider*innen und Teams von Bildungseinrichtungen und aus anderen Themenbereichen dabei, der Entwicklung und Umsetzung ihrer Ideen Raum zu geben. Das FreiRäume-Basisangebot ist ein hybrides Format, das Online- und Präsenztreffen kombiniert und in einer Atmosphäre der Achtsamkeit lustvolles und entspanntes gemeinsames Arbeiten unterstützen will. In einem kostenlosen Informations-Workshop (online) stellen Günther Marchner und Christine Bärnthaler am 30. März von 16 bis 18 Uhr die Methode vor.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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