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Einmal Neues wagen: Die Erwachsenenbildung stärken!

28.11.2019, Text: Dr. MIchael Sturm, Redaktion: Michaela Schneider, BFI Österreich
In einer Presseaussendung formuliert die KEBÖ ihre Forderungen an die künftige Bundesregierung.
  • Abbildung: Alle Rechte vorbehalten, KEBÖ, Die KEBÖ vertritt die Interessen der österreichischen Erwachsenenbildung, auf erwachsenenbildung.at
    Die KEBÖ fordert eine Aufwertung der Erwachsenenbildung
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, BFI Österreich, Die Erwachsenenbildung ist chronisch unterfinanziert, auf erwachsenenbildung.at
    Die KEBÖ fordert einen fairen Anteil am Bildungsbudget für die Erwachsenenbildung

Bildung betrifft nicht nur die Schulen und Universitäten

Digitalisierung, Integration, Fachkräftemangel, Arbeitslosigkeit, Demokratieverständnis – überall wird Bildung als ein probates Mittel zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen gesehen. "Allerdings wird ausgeblendet, dass sich in erster Linie die Erwachsenenbildung dieser Herausforderungen annimmt", stellt Michael Sturm, der Vorsitzende der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ), fest. "Denn die Erwachsenenbildung richtet ihre Angebote an Menschen in allen Lebensphasen, nicht nur in der Erstausbildung. Damit wir die wachsende Menge an Aufgaben in hoher Qualität weiterhin kostengünstig erfüllen können, fordern wir eine bessere Verankerung und Aufwertung der Erwachsenenbildung im österreichischen Bildungssystem", appelliert Sturm an die künftige Bundesregierung.

Was die KEBÖ auszeichnet

Die KEBÖ-Verbände sind seit vielen Jahrzehnten erfolgreich in der Erwachsenenbildung aktiv und erbringen österreichweit, autonom und nicht gewinnorientiert kontinuierliche und verlässliche Bildungsarbeit. Die Stärken der KEBÖ liegen insbesondere darin,

  • flächendeckende, kostengünstige und für alle zugängliche Bildungsveranstaltungen anzubieten,
  • Menschen bei ihren Interessen, in allen Lebensphasen und allen Lebenslagen abzuholen,
  • ein erwachsenengerechtes Umfeld für gemeinsames Lernen zu schaffen und
  • didaktische Innovationen und Best Practices voranzutreiben.

Ungleiche Verteilung der Bildungsausgaben

Während in Österreich die öffentlichen Bildungsausgaben gemessen am Anteil am BIP annähernd dem OECD-Ländermittel entsprechen, ist die Erwachsenenbildung chronisch unterdotiert. Nur 40 Mio. Euro bzw. 0,45 % von den 8,84 Mrd. Euro Bildungsausgaben des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung werden derzeit für die Erwachsenenbildung aufgewendet. "Das ist geradezu beschämend", findet Sturm für die finanzielle Situation klare Worte, "denn wir erreichen mit unseren Angeboten von der Basisbildung bis zu höheren beruflichen Qualifizierungen rund 4,2 Mio. TeilnehmerInnen jährlich und tragen damit wesentlich zur persönlichen und beruflichen Entwicklung der Menschen und zum Wohle unserer Gesellschaft bei."

Aktuelle Forderungen der KEBÖ

Angesichts dieser Diskrepanz braucht es endlich das klare Bekenntnis des Bundes zur Erwachsenenbildung als unverzichtbarem und gleichwertigem Bestandteil des österreichischen Bildungssystems und die Bereitschaft, die gesamtösterreichische Erwachsenenbildung bei der Erbringung ihrer Leistungen und bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. Um qualitativ hochwertige und praxisorientierte Bildungsangebote langfristig zur Verfügung stellen zu können, sind aus Sicht der KEBÖ folgende Bedingungen notwendig:

  • die gesetzliche Festschreibung der Bundeskompetenz für die Erwachsenenbildung,
  • die Zuständigkeit des Bildungsministeriums für das lebensbegleitende Lernen,
  • die Anhebung der Bundesmittel für die Erwachsenenbildung auf zumindest 1 % des Bildungsbudgets,
  • der Abschluss längerfristiger Leistungsvereinbarungen mit einer jährlichen Valorisierung,
  • die Sicherstellung der nationalen Finanzierung für Bildungsmaßnahmen als Voraussetzung für die Inanspruchnahme europäischer Fördermittel sowie
  • verwaltungstechnisch praktikable abgabenrechtliche Rahmenbedingungen für die überwiegend nebenberuflich Lehrenden in der Erwachsenenbildung.

Herausforderungen erfolgreich meistern

Die KEBÖ ist der festen Überzeugung, dass es für die raschen Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft eine vielfältige, flexible und offene Erwachsenenbildung braucht, die zum einen lebensbegleitendes Lernen ermöglicht und zum anderen die Qualität sicherstellt. Es gilt, diese Vielfalt, Innovationsfähigkeit und Umsetzungsstärke konsequent weiterzuentwickeln und den Wissenstransfer durch exzellentes didaktisches Know-how bestmöglich zu gestalten. Daher fordern wir von der nächsten Bundesregierung, Bildung breiter und nachhaltiger als bisher zu denken, einmal wirklich Neues zu wagen und die Erwachsenenbildung zu stärken.

Was ist die KEBÖ?

Die KEBÖ ist die Arbeitsplattform der im Bundesgesetz vom 21. März 1973 über die Förderung der Erwachsenenbildung und des Volksbüchereiwesens aus Bundesmitteln anerkannten gemeinnützigen österreichischen Erwachsenenbildungsverbände. Sie besteht aus folgenden Einrichtungen:

  • Arbeitsgemeinschaft Bildungshäuser Österreich – ARGE BHÖ
  • Berufsförderungsinstitut Österreich – BFI
  • Büchereiverband Österreichs – BVÖ
  • Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich – FORUM
  • Ländliches Fortbildungsinstitut – LFI
  • Ring Österreichischer Bildungswerke – RÖBW
  • Volkswirtschaftliche Gesellschaft Österreich – VG-Ö
  • Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung – VÖGB
  • Verband Österreichischer Volkshochschulen – VÖV
  • Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer Österreich – WIFI
Dieser Text ist nicht lizenziert, die Rechte liegen beim Urheber / bei der Urheberin. Er darf ohne Erlaubnis zur Verwertung nicht verwendet werden.
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