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Digitale Inklusion in der Erwachsenenbildung

31.10.2022, Text: Gunter Schüßler, Redaktion/CONEDU
Die Digitalisierung im Bildungsbereich birgt das Potenzial, Inklusion zu fördern: Innovative Technologien wie etwa VR oder Lernanalysen können gerechte Teilhabe ermöglichen, so eine neue Publikation der European Agency for Special Needs and Inclusive Education.
  • Die Grafik zeigt bunte Silhouetten von Menschen. Grafik: Pixabay Lizenz, Gerd Altmann, https://pixabay.com
    Technologien können der digitalen Exklusion gegenwirken und die Vulnerabilität im Bildungsbereich mindern.

Inklusion in einer digitalen Gesellschaft

Im Unterschied zur Integration ist das Ziel der Inklusion, das Umfeld an die Bedarfe der Menschen anzupassen und nicht umgekehrt. Randgruppen müssen sich demnach nicht in eine vermeintlich homogene Gruppe integrieren. Ziel ist es, dass alle Menschen gleichberechtigt dieselben Möglichkeiten haben. Diesem Gedanken folgend, werden durch das Universal Design for Learning (UDL) Lernangebote so gestaltet, dass möglichst viele Menschen sie uneingeschränkt nutzen können.

 

Digitale Inklusion kann zweierlei bedeuten. Erstens ist damit gemeint, dass die Nutzung digitaler Medien, Inklusion ermöglichen kann. So stellt etwa das mobile Lernen mittels Smartphone für viele einen niederschwelligen Zugang zu Bildungsangeboten dar. Zweitens bezieht sich der Begriff auf die Möglichkeit der Teilhabe an den Diskursen innerhalb einer digitalen Gesellschaft. Das bedeutet, dass alle Menschen in der Lage sein sollen, die Digitalisierung in einer Gesellschaft mitzugestalten.

Technologien zur Förderung von Inklusion

Bildungsangebote mit immersiven Technologien – also unter Einsatz von Virtual (VR) oder Augmented Reality (AR) – durchzuführen, stellt eine spannende Möglichkeit dar, Barrieren abzubauen. Im Bildungsbereich wird diese innovative Art der Lernerfahrung bereits genutzt. Ein Nachteil zeigt sich bei der Erstellung von Content – die Möglichkeiten für Nutzer*innen selbst virtuelle Welten zu erstellen sind (noch) begrenzt. Der visuelle Sinn ist in der Verwendung dieser Technologien essenziell – eine Barriere für sehbehinderte Menschen.

 

Besonders vielversprechend hingegen klingt es, immersive Technologien mit mobilem Lernen zu kombinieren. AR-Elemente lassen sich etwa kostenlos mit der App von metaverse kreieren. Smartphones sind häufig mit Assistenz-Funktionen ausgestattet, die eine barrierefreie Bedienung ermöglichen sollen. Generell haben sich Smartphones, Smartwatches und Tablets als assistive Technologien (AT) bewährt und werden in Lernsettings vermehrt eingesetzt.

 

Neben künstlicher Intelligenz (KI) und Lernanalysen, die so verwendet werden können, dass sie Lernende unterstützen oder Aufschluss über Lernprozesse und Lernerfolge geben, lassen sich auch die Robotik und Lernspiele (Gamification) für inklusive Ziele nutzen.

 

MOOCs in der Erwachsenenbildung können aufgrund ihres flexiblen Designs – Nutzer*innen können selbst bestimmen, wann, wo, wie schnell und wie viel sie lernen möchten – ebenso zur Inklusion beitragen.

Zur Rolle der Erwachsenenbildung

Insbesondere im Bildungskontext gibt es zahlreiche Wege, digitale Inklusion zu fördern: Von der Bereitstellung technischer Lösungen für eine barrierefreie Teilnahme an digitalen Bildungsangeboten bis hin zur Vermittlung von digitalem Basiswissen und Medienkompetenz oder der Beteiligung an gesellschaftlichen Diskursen.

 

Didaktische Konzepte können den Inklusionsanspruch berücksichtigen: Die einzelnen Schritte in der Erstellung eines Lernangebots sollten auf die Diversität heterogener Gruppen Bezug nehmen. Der Appell des World Education Forums 2015 bringt das zum Ausdruck: „Kein Bildungsziel ist erreicht, solange es nicht von allen erreicht wurde.“

Über die Publikation

Der frei zugängliche Report „Inclusive Digital Education“ (PDF) der European Agency for Special Needs and Inclusive Education wurde gemeinsam mit dem deutschen Institut für Technologie und Arbeit erstellt und ist von der Europäischen Union gefördert.

 

Neben den Möglichkeiten digitaler Teilhabe werden Bedarfe inklusiver Bildung im Kontext der digitalen Transformation festgestellt.

 

Die Publikation beinhaltet Forschungsergebnisse aus den Jahren 2016 bis 2021 und stellt zahlreiche Projekte zur digitalen Inklusion vor.

 

European Agency for Special Needs and Inclusive Education (Hg.: H. Weber, A. Elsner, D. Wolf, M. Rohs and M. Turner-Cmuchal) (2022): Inclusive Digital Education. Odense, Denmark. ISBN: 978-87-7110-998-6 (Electronic).

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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