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Grenzenlos lesen

29.02.2016, Text: Martina Stadler, BVÖ, Redaktion: Simone Kremsberger, Büchereiverband Österreichs
Bibliotheken stehen allen Sprachen und Kulturen offen. Lesen als Möglichkeit, Grenzen zu überwinden – darauf setzt der Büchereiverband Österreichs mit einem aktuellen Themenschwerpunkt. (Serie: Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft)
  • Grafik: (C) BVÖ
    Das Willkommensplakat - mit Büchern Grenzen überwinden
Zehntausende Menschen haben 2015 einen Asylantrag in Österreich gestellt und viele versuchen sich hier ein neues Leben aufzubauen. Sie benötigen Zugang zu Informationen, möchten Deutsch lernen und sich vom Erlebten ablenken. Bibliotheken bieten die Möglichkeit dafür. Der Büchereiverband Österreichs hat deshalb im Rahmen des Themenschwerpunkts „Grenzenlos lesen“ Angebote ins Leben gerufen, um die BibliothekarInnen bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen und Asylsuchenden zu unterstützen. Ziel ist es, Bibliotheken Hilfestellungen zu bieten, damit Lesen für alle möglich wird.
 
Bücher ohne Worte
In Anlehnung an das „Silent Books“-Projekt auf der italienischen Insel Lampedusa hat der BVÖ eine Medienliste zusammengestellt, die (fast) textlose, illustrierte Bilderbücher umfasst. Diese Bücher werden ohne Sprachkenntnisse verstanden. Die Bücher laden dazu ein, die kunstvollen Illustrationen zu genießen und sich eine Auszeit vom Erlebten zu nehmen. In einem Pilotprojekt des BVÖ haben 13 Bibliotheken Buchpakete mit Büchern ohne Worte erhalten, die diese dann an eine Flüchtlingsunterkunft vor Ort als Geschenk oder Dauerleihgabe weitergegeben haben. „Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie alle Augen zu leuchten anfingen, als wir die ‚Bücher ohne Worte‘ präsentierten“, berichtet Roman Huditsch aus der AK-Bücherei Eisenstadt.

Willkommensplakat
Das Vorarlberger Design- und Kommunikationsbüro Sägenvier hat im Auftrag des BVÖ ein Willkommensplakat erstellt, auf dem in 25 Sprachen „Willkommen“ gesagt wird. Das Plakat signalisiert, dass mit Büchern Grenzen überwunden werden und die Bibliothek ein Ort ist, an dem Begegnung und Austausch möglich sind. Außerdem ist es ein nach außen hin sichtbares Zeichen, dass sich die Bibliotheken im Bereich der Flüchtlingsarbeit engagieren. Auch der Deutsche Bibliotheksverband bietet das Plakat nun seinen Mitgliedern an.
 
Benutzungsordnung in 20 Sprachen
Der BVÖ stellt seinen Mitgliedern eine Benutzungsordnung in 20 Sprachen zur Verfügung. Dazu wurde eine allgemein gehaltene Benutzungsordnung als Ausgangstext erstellt, die Bibliotheken nach Bedarf adaptieren können.  LeserInnen ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen wird so der Zugang zur Bibliothek wesentlich erleichtert.
 
Bibliotheksangebote für Flüchtlinge
Im Rahmen des Schwerpunkts sollen auch die Leistungen der einzelnen Bibliotheken sichtbar werden. Deshalb werden auf der BVÖ-Website alle kleinen und großen Projekte vorgestellt, die Bibliotheken für Flüchtlinge anbieten. In kürzester Zeit ist die Liste enorm gewachsen. Die Aktionen umfassen unter anderem kostenlose Leseausweise, Deutschkurse, Kulturveranstaltungen und Erweiterung des Medienbestandes mit Büchern in arabischer Sprache. Dieser Einsatz der Bibliotheken stellt ein deutliches Zeichen für gelebte Willkommenskultur dar. Gleichzeitig kann die Liste als Inspirationsquelle für andere Büchereien dienen.
 
Materialiensammlung
Eine umfangreiche Materialiensammlung unterstützt die BibliothekarInnen bei der Arbeit.  Sie finden unter anderem didaktische Materialien für Workshops in der Bücherei zum Download. Außerdem bietet der BVÖ ein Bilderbuchkino zu „Akim rennt“ von Claude K. Dubois, einem preisgekrönten Buch zum Thema Flucht, zum kostenlosen Verleih an. Eine Linksammlung ermöglicht eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht.
Weitere Projekte im Rahmen von „Grenzenlos lesen“ sind bereits geplant. Öffentliche Bibliotheken können zahlreiche Möglichkeiten nutzen, um Barrieren innerhalb unserer Gesellschaft zu überwinden und Brücken zu bauen.
 
Serie: Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft
Integrationskurse und Spracherwerb mögen ein Anfang sein. Doch wenn es um den sozialen Wandel geht, der mit Zuwanderung verbunden ist, sind die Menschen mit Migrationserfahrung nur eine der Zielgruppen von Erwachsenenbildung. Die Anforderungen der Migrationsgesellschaft betreffen uns alle. Fragen nach Teilhabe, Verständigung und Zusammenleben stellen sich immer wieder neu. Wie Erwachsenenbildung diese Anforderungen beschreibt, reflektiert und deutet, und welche Angebote für Lernen und Bildung sie ihnen entgegen bringt, ist Gegenstand einer Serie von Artikeln auf erwachsenenbildung.at. Alle Beiträge in der Serie finden Sie hier.
Weitere Informationen:

 

 

 

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