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"Ich konnte nicht schreiben, weil ich Analphabetin war"

29.12.2022, Text: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Wer nicht schreiben kann, ist noch lange nicht sprachlos. Das zeigt eine neue Publikation auf, die Geschichten von Teilnehmenden aus Basisbildungs- und Alphabetisierungskursen sammelt.
  • Hand hält einen Baustein in Form einer Sprechblase – darin ist ein Rufzeichen. Montage: Pexels Lizenz, Cup of Couple/bearb. durch CONEDU/Paar, https://pexels.com
    Teilnehmende aus Basisbildungs- und Alphabetisierungskursen teilen ihre Geschichten.
"Als wir in Österreich angekommen sind, haben wir am Hauptbahnhof übernachtet. Es war unangenehm, weil viele Menschen betrunken waren. Wir haben zum ersten Mal betrunkene Menschen in unserer Nähe gesehen. […] Alles war ungewiss, wie wir uns hier besser einleben könnten. Wir haben zu lernen begonnen. Ich konnte nicht schreiben, weil ich Analphabetin war." Baskol Arab hat viel erlebt, ihre Erfahrungen teilt sie mit vielen anderen im Band "schriflos heißt nicht sprachlos. (m)eine Geschichte".

Teilnehmende aus Basisbildungs- und Alphabetisierungskursen erzählen ihre Geschichte(n)

Es ist bereits der dritte Band, in dem Teilnehmende aus Basisbildungs- und Alphabetisierungskursen ihre Gedanken, Erfahrungen, Freuden und Sorgen teilen. Die Geschichten sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen. Was haben Baskol Arab und die anderen Autor*innen also gemeinsam? Für alle ist Lesen und Schreiben zu können nicht selbstverständlich, erfahren wir im Buch. Sie mussten sich die deutsche Schriftsprache – oft erst als Erwachsene – erarbeiten. Darüber und über andere Geschichten erzählen sie im Band. Dabei verfassten die Autor*innen ihre Texte zum Teil alleine, zum Teil mit Unterstützung von Basisbildner*innen. Zum Einsatz kamen dafür bestimmte Methoden wie zum Beispiel das "Stellvertretende Schreiben", das auch Anfänger*innen das schriftliche Festhalten von Gedanken ermöglicht.

 

Ihre Gedanken teilt auch Baskol Arab, die im Buch schließlich nicht nur als jemand mit (Migrations-)Geschichte sichtbar wird, sondern auch als Akteurin, die ihr Leben aktiv gestaltet: "Damals wünschte ich mir immer, die Schule zu besuchen. Es war ein Traum für mich. Jetzt, seit sieben Jahren, sind wir in Wien. […] Ich lerne noch, weil mein Ziel ist Krankenschwester zu werden. Ich hoffe, dass ich mein Ziel erreichen kann."

Über das Buch

Das Buch ist ein Produkt der Zentralen Beratungsstelle für Basisbildung und Alphabetisierung und wurde durch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert. Es steht online frei zur Verfügung.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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