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Ein großer Schritt für die Validierung in Österreich

11.05.2018, Text: Giselheid Wagner, Redaktion: Karin Reisinger
Kürzlich fand die Tagung "Qualitätsentwicklung in der Validierung" statt. Neben der Validierungsstrategie wurden die neuen Qualitätskriterien für Validierungsanbieter sowie das Peer-Review-Verfahren vorgestellt.
  • Foto: CC BY, Giselheid Wagner, auf erwachsenenbildung.at
    Podiumsdiskussion der PraktikerInnen (v.l.n.r.: Franz Fuchs-Weikl, Klaudia Burtscher, Alfred Freundlinger, Karin Reisinger, Wolfgang Kellner)

Qualität in der Validierung sichern

Ende 2017 hat Österreich seine Validierungsstrategie veröffentlicht, die mit dem Nationalen Qualifikationsrahmen eines der zentralen strategischen Ziele der österreichischen Lifelong Learning Strategie LLL:2020 (2011) ist. Am 3. Mai 2018 wurde sie bei einer Tagung in der Arbeiterkammer Wien der Öffentlichkeit vorgestellt. In mehreren Arbeitsgruppen wird bereits an einer Umsetzung gearbeitet. Erste Ergebnisse gibt es bereits: Der „Kriterienkatalog zur Förderung der Qualität von Validierungsverfahren im Bereich der Berufs- und Erwachsenenbildung" listet konkret auf, auf was in guten Validierungsverfahren geachtet werden sollte. Er kann Anregung zur Weiterentwicklung bestehender oder Anleitung zur Etablierung neuer Verfahren sein. Der Katalog wurde unter Einbindung von ExpertInnen und PraktikerInnen entwickelt und bezieht sowohl formative (entwicklungsorientierte) als auch summative (abschlussorientierte) Verfahren mit ein.

 

Informell erworbene Kompetenzen sichtbar machen

Während es in einigen europäischen Ländern mehr oder weniger umfassende Validierungssysteme gibt, kann Österreich neben mehreren etablierten Formen der Anerkennung von informell erworbenen Kompetenzen auch auf Leuchtturmprojekte wie „Du kannst was" (Validierungsverfahren zum Erwerb des Lehrabschlusses) oder die Weiterbildungsakademie Österreich (Anerkennungsverfahren für Personen, die in der Erwachsenenbildung tätig sind) verweisen. Christian Dorninger, Leiter der Sektion II im BMBWF, sagte in seinen Begrüßungsworten, dass nun mit der Validierungsstrategie ein umfassender bildungspolitischer Rahmen geschaffen werde, der die Anerkennung von bereits erworbenen Kompetenzen fördern soll. Validierung soll zu einem integrativen Bestandteil des österreichischen Bildungssystems werden – die Vision ist, dass jeder Bildungsabschluss in Österreich auch auf dem Weg der Validierung erworben werden kann.

Peer Review - Lernen voneinander auf Augenhöhe

Eine besondere Methode zur Qualitätsentwicklung stellte Maria Gutknecht-Gmeiner in ihrem Vortrag über Peer Review vor, das auch in Workshops am Nachmittag Thema war. Im erfolgreichen Erasmus+-Projekt "Transnational Peer Review in Validation of non-formal and informal Learning Extended", das im Juni im Rahmen des "Validation Festivals" in Brüssel seinen Abschluss findet, wurde ausprobiert, was Peer Review im Bereich der Validierung leisten kann: Qualitätsentwicklung, Lernen auf Augenhöhe, Austausch und Vernetzung. Das daraus entstandene österreichische Netzwerk von Validierungsinitiativen wird auch über das Projekt hinaus Bestand haben: Die Initiative "Du kannst was" (in Oberösterreich und Salzburg), die Frauenstiftung Steyr, die Weiterbildungsakademie Österreich (wba) sowie die Abteilung für Weiterbildung der Universität für Bodenkultur waren bei der Tagung mit Beiträgen auf dem Podium sowie in den Workshops am Nachmittag vertreten.

Projektmitglieder des Erasmus+-Projekts "Transnational Peer Review in Validation of non-formal and informal Learning Extended" (Foto: CC BY, Tim Cavadini, Peer-Review-Network)

 

Validierung quo vadis?

VertreterInnen von Ministerien sowie den Sozialpartnern betonten in der abschließenden Podiumsdiskussion den Mehrwert, den Validierung für die Gesellschaft habe und entfalteten die Vision, dass Validierung in wenigen Jahren ein integrativer Bestandteil des Bildungssystems sein werde. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt und Migrationsbewegungen sei dies eine Frage von Effektivität und ökonomischer Vernunft, wie Bernhard Horak von der Arbeiterkammer Wien betonte. Eduard Staudecker vom BMBWF wies auf die Koppelung von Validierung und Nationalem Qualifikationsrahmen hin, was auch Thomas Mayr von der Wirtschaftskammer Österreich bestätigte: Vor allem für den non-formalen Bereich bedeute der Nationale Qualifikationsrahmen eine Aufwertung, da dieser damit eine größere Sichtbarkeit erreiche. Mit der Einrichtung der NQR-Servicestellen werde damit ein nächster wichtiger Schritt erfolgen.

Wie sich die neue Strategie auf die Entwicklung des Validierungssektors auswirken wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Schön war aber zu sehen, wie ExpertInnen und PraktikerInnen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft miteinander arbeiten und ein gemeinsames Anliegen verfolgen. Genau dieses sektorenübergreifende Arbeiten ist auch Teil der Vision hinter der Validierungsstrategie, die Bildungswege für Lernende öffnen will.

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