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Bildung für ehrenamtliche Bildungsreferent/innen (BieBiR)

10.06.2022, Text: Gerhard Endres, Bildungswerk der katholischen Arbeitnehmerbewegung, Redaktion: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Die Bildungsreihe BieBiR will Ehrenamtliche und Interessierte zu ehrenamtlichen Bildungsreferent/innen weiterbilden. Ein breiter Blick auf die Gesellschaft ist dabei die Grundlage.
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    BieBiR: Bildung für ehrenamtliche Bildungsreferent/innen.
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    Logoleiste der Veranstalter und Fördergeber des Projekts.
Im Bildungswerk der katholischen Arbeitnehmerbewegung München und Freising (KAB) gibt es die neue Bildungsreihe "Bildung für die ehrenamtliche Bildungsarbeit", die Ehrenamtliche und Interessierte auf dem Weg hin zu ehrenamtlichen Bildungsreferent/innen begleitet. Es geht um Fragen wie: Wie packe ich das an, wer unterstützt mich? Wen kann ich fragen und wie kann ich mit Gleichinteressierten gemeinsam lernen? Aber auch: Welche gesellschaftlichen Aspekte sind für die Bildungsarbeit wichtig zu berücksichtigen?


Ehrenamtliche und solche, die es werden wollen, können durch die neue Seminarreihe verschiedene Erfahrungen und Kompetenzen anderer Menschen wahrnehmen, kompetente Fachleute kennen lernen und so entsprechende Angebote entwickeln. Interessierte können die Bildungsreihe als gesamter Zertifikatskurs oder einzelne Veranstaltungen besuchen.

Die Zielgruppe: Alle die Bildungsarbeit leisten wollen

Diese Aus- und Fortbildung bietet das KAB-Bildungswerk für Menschen an, die gern Bildungsarbeit ausprobieren und aktiv werden wollen. Das Angebot richtet sich also an schon aktive ehrenamtliche Bildungsreferent/innen, genauso wie an Menschen, die einfach die Grundlagen für eine ehrenamtliche Bildungsarbeit kennenlernen und sich auf den Weg begeben wollen.

Ein breiter Blick auf die Gesellschaft als Grundlage für (ehrenamtliche) Bildungsarbeit

Der Ansatz der Bildungsreihe geht über das Vermitteln von didaktischem und methodischem Handwekszeug hinaus. Die Teilnehmenden werfen gemeinsam mit Fachexpert/innen einen Blick auf die breite Gesellschaft, deren Herausforderungen und reflektieren damit in Verbindung stehende kritische Fragestellungen. Fragen nach der Zukunft der Arbeit sind dabei genauso Thema wie Fragen zu Armut und Reichtum oder Demografie. Die Bildungsreihe holt damit auch politische Bildung und einen breiten Blick auf Gesellschaft als Grundlage für Bildungsarbeit hinein. Das KAB-Bildungswerk folgt damit dem Standpunkt, dass Bildungsarbeit selbst gesellschaftliches Wirken ist, und (ehrenamtliche) Bildungsreferent/innen daher auch einen offenen Blick darauf brauchen.

Das Konzept: Sehen – Urteilen – Handeln 

Bildungsarbeit - erst recht Bildungsarbeit mit ehrenamtlichen Bildungsreferent/innen - erlebt der Veranstalter der Weiterbildung, das Bildungswerk der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), als einen gemeinsamen Bildungsprozess, der die persönlichen Fähigkeiten und beruflich-fachlichen Kompetenzen wahrnimmt und flexibel Inhalte und Methoden lösungs-und handlungsorientiert verändert.


BieBiR orientiert sich an der Methode des Dreischritts Sehen-Urteilen-Handeln, die von Kardinal Joseph Cardijn, dem Gründer der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) entwickelt wurde. "Sehen" bedeutet hinzuschauen und zu analysieren: Worin besteht das Problem? "Urteilen" bedeutet Wert-Grundlagen zu klären und sich an Maßstäben zu orientieren, vorallem an der Katholischen Soziallehre. "Handeln" bedeutet praktische Bildungsarbeit zu fördern und die Interessierten zu qualifizieren, eigenständig gemeinsam Bildungsarbeit durchzuführen.

Schwerpunkt "Sehen": über Transformation und Teilhabe

Der erste Themenblock "Sehen" startete am 23. Februar mit der Veranstaltung "Soziale Transformation der Arbeitswelt durch Mitbestimmung" mit Werner Widuckel, früher Referent beim Gesamtbetriebsrat von VW in Wolfsburg und anschließend Personalvorstand bei AUDI in Ingolstadt. Egon Endres von der KSH Benediktbeuern moderierte. 


Die Auswahl der Themen folgen dem Schwerpunkt einer Bildungsarbeit aus der Sicht von Arbeitnehmer/innen. Im Mittelpunkt steht dabei die Arbeit, deren Qualität und Bezahlung die Ausgestaltung des Sozialstaats beeinflusst: 


Zwei Abende hatten Grundfragen des Sozialstaats als Thema mit Gerhard Bäcker (Portal Sozialpolitik-aktuell) mit den Schwerpunkten "Zukunft der Arbeit und deren Finanzierung, Flankierung der Transformation, Demografie" und "Teilhabe in der Gesellschaft, Armut und Reichtum, Strategien gegen Ausgrenzung". 


Es folgte ein Abend über Gleichstellung-Frauen-Arbeitsmarkt mit Uta Meier-Gräwe, eine der führenden Fachfrauen im Kontext haushaltsnaher Dienstleistungen und auf dem Gebiet der SAGHE-Arbeit, Akronym für Soziale Arbeit (und Heilpädagogik), Gesundheit (und Pflege), Hauswirtschaft, Erziehung (und Bildung).

 

Im Mai folgten zwei Abende über Kompetenzen, Kompetenzfeststellung und ValiKom, einem Kompetenzfeststellungsverfahren von Handwerkskammer und Industrie-und Handelskammer. 

 

Um als Bildungsreferent/in zielgruppenspezifisch die Bildungsarbeit vorzubereiten erhielten die Teilnehmenden Informationen zur Sozialraumbetrachtung und über die neuesten Sinus-Milieus Deutschlands. Duale Berufsausbildung als besondere Bildungserfahrung schloss den Block "Sehen" ab. 

Schwerpunkt "Urteilen": über Werte und Ethik

Im Herbst beginnt der Themenblock Urteilen, ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der gesellschaftsethischen Betrachtung und Reflexion bestimmter Themenkomplexe. Folgende Themen sind mit namhaften Referent/innen schon vereinbart: 

  • Einmischung und Anwaltschaft: Christliche Optionen für die Gestaltung von gesellschaftlichen Strukturen. Eine Einführung in die Kirchliche Sozialverkündigung
  • Entfremdung und Solidarität
  • Wirtschaft Verstehen
  • Laudato Si
  • Ökologisch-soziale Transformation
  • Fratelli Tutti
  • Friedensethik
  • Gerechtigkeitsvorstellungen und Grundwerte in der Demokratie

Schwerpunkt "Handeln": Aufgaben und Werkzeuge der Bildungsarbeit

Im dritten Themenblock Handeln geht es u.a. um folgende Themen: 

  • Aufgabe ehrenamtlicher Bildungsreferent/innen,
  • Ehrenamtliche Freiwilligenarbeit heute,
  • Werkzeuge für die Bildungsarbeit: Wie konzipiere ich eine Bildungsveranstaltung? Wie moderiere ich Lerngruppen und andere Gesprächsrunden (wenn möglich in Präsenz)? Wie halte ich Kontakt zu den Gruppen der Erwachsenenbildung? Wie vernetze ich mich?
  • Werkzeuge der Reflexion der Bildungsarbeit: Wie evaluiere ich systematisch Bildungsangebote? 
  • Lernen in der beruflichen Bildung – Lernen im Prozess der Arbeit,
  • Politische Bildung,
  • Medienbildung,
  • Online-Bildung: Wie kann man Potentiale des digitalen Lernens nutzen? 

Projektkoordination und Kooperationspartner/innen

Die Seminarreihe des KAB Bildungswerkes des Diözesanverbandes München und Freising e.V. findet im Rahmen der KAB Bildungsarbeit Bayern statt und wird durch die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Bayern, die Stiftung ZASS sowie durch das Netzwerk Gesellschaftsethik e.V. finanziell gefördert.

Projektkoordinator ist Gerhard Endres. 

 

Über den Autor: Gerhard Endres ist Dipl. Theologe, Dipl. Sozial-Pädagoge (FH) mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung, seine Diplomarbeit schrieb er über Konzepte politischer Bildungsarbeit. Seit über zehn Jahren ist er Co-Vorsitzender des Bildungswerks der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) der Erzdiözese München und Freising. Zehn Jahre lang war er Vorstandsmitglied der katholischen Erwachsenenbildung München (KEB) für die Verbandsbildungswerke.

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