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OECD-Bericht: Globale Trends, die die Erwachsenenbildung prägen

15.11.2019, Text: Jennifer Friedl, Online-Redaktion
Der Bericht verortet die Rolle der (Erwachsenen-)Bildung im Kontext weltweit relevanter Thematiken.
  • Foto: Unsplash-Lizenz, Adolfo Félix, unsplash.com
    Die OECD möchte mit dem Bericht eine globale Perspektive aktueller Herausforderungen einnehmen.
"Trends Shaping Education 2019" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) widmet sich der (Erwachsenen-)Bildung vor dem Hintergrund globaler Trends aus dem sozialen, politischen, wirtschaftlichen und technologischen Bereich. Ziel ist es, politischen EntscheidungsträgerInnen und im Bildungsbereich tätigen Personen Informationen zu global relevanten Entwicklungen bereitzustellen, um (strategische) Überlegungen für die Bildungsplanung zu ermöglichen.

Demokratie bewahren: Herausforderung für die Bildungspolitik

Mangelndes Vertrauen in öffentliche Einrichtungen, niedrige Wahlbeteiligung und steigende Ungleichheit stellen die Demokratie und dadurch auch die Bildungspolitik vor große Herausforderungen, schreibt die OECD. Denn ob Demokratien weiterhin bestehen bleiben hänge maßgeblich von den Kompetenzen, Kenntnissen aber auch dem politischen Engagement der Bevölkerung ab. Dank der Digitalisierung ist es heute so einfach wie noch nie, sich zu informieren und mit anderen auszutauschen, allerdings auch Falschmeldungen zu verbreiten, so die OECD. Sie plädiert dafür, Kompetenzen für einen kritischen Umgang mit Medien in einer digitalen Demokratie zu vermitteln.

 

Um dem Anstieg von Ungleichheit entgegenzuwirken, müssen Lehrende auf den Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen vorbereitet werden, sagt die OECD weiter. Obwohl die Globalisierung die Wirtschaft wachsen lässt, ziehen global gesehen nicht alle Menschen Vorteile daraus. Das Gesamtvermögen befindet sich im Besitz der reichsten 10 % der Bevölkerung, so die OECD. Sie sieht in Bildungsmaßnahmen eine Chance, wirtschaftliche und daraus resultierende soziale Ungleichheit auszugleichen.

Neue Technologien nutzen und kritischen Medien-Umgang fördern

Laut OECD sind digitale Medien mittlerweile fester Bestandteil unseres Lebens. Ob beruflich oder privat, alltägliche Tätigkeiten kommen nicht mehr ohne digitale Kommunikation aus. 40 % der Personen zwischen 25 und 55 Jahren erstellten 2017 in einem Zeitraum von drei Monaten Inhalte in Content-Sharing-Netzwerken, schreibt die OECD mit Verweis auf die OECD-Studie ICT Access and Usage by Households and Individuals. 2008 waren es erst knapp 10 %. Das rasche Voranschreiten der Digitalisierung sei allerdings auch mit Risiken verbunden: die OECD nennt Cybermobbing, mangelnde Privatsphäre und illegalen Handel mit Gütern als Beispiele. Aus diesem Grund gelte es nicht nur, digitale Kompetenzen als wichtigen Aspekt künftiger Bildungsmaßnahmen anzusehen und die Vorteile von Technologien zu nutzen, sondern auch einen kritischen Umgang mit Medien zu fördern.

 

Da die Digitalisierung räumliche und zeitliche Grenzen aufhebt, ergibt sich daraus eine rasche Veränderung von Bedingungen und Anforderungen des Arbeitsmarktes. Als Schlüsselkompetenzen nennt die OECD Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die sowohl SchülerInnen als auch Erwachsene brauchen, um beruflich mithalten zu können.

Ältere Menschen als wachsende Zielgruppe für Bildungsmaßnahmen

Laut OECD zeigt sich, dass die Lebenserwartung seit den 1970ern um 10 Jahre gestiegen ist. SeniorInnen leben nicht nur länger, sondern bleiben bei entsprechender Investition in weiterbildende Maßnahmen auch länger erwerbstätig. Die OECD wagt einen weiteren Blick in die Zukunft: Medizinische Durchbrüche könnten nicht nur zu einem Alter weit über 100, sondern auch zu einem Anstieg kognitiver Fähigkeiten im hohen Alter (z.B. durch Findung eines Heilmittels gegen Demenz) führen. Dies würde das Lebenslange Lernen vor große Herausforderungen stellen, da sich neue, aktuell noch nicht fassbare Herausforderungen, aber auch neue Chancen für aktive SeniorInnengenerationen ergeben würden.

 

Die OECD plädiert dafür, nicht nur die jüngere, sondern künftig vor allem auch die ältere Generation stärker ins Zentrum von Bildungsmaßnahmen zu rücken. Jüngere und ältere Generationen könnten sich im Zuge des gemeinsamen, generationenübergreifenden Lernens gegenseitig unterstützen. Auf diese Weise soll auch die Vision eines lebenslangen und vor allem lebensumfassenden Lernens vorangetrieben werden.

Aufgabe Klimaschutz: Nachhaltig bilden

Klimaschutz gilt aktuell als gesellschaftlich besonders relevantes Thema. Die OECD geht der Frage nach, was (Erwachsenen-)Bildung dazu beitragen kann, um auf die Schädigung und Ausbeutung der Umwelt aufmerksam zu machen. Durch unreflektierten Konsum (wie z.B. klimaschädliche Kaufentscheidungen und massiver Fleischkonsum) steige der ökologische Fußabdruck der Weltbevölkerung massiv an. Die OECD fordert, durch Bildungsmaßnahmen zu einem sozialen Bewusstsein beizutragen und über nachhaltige und ethisch durchdachte Lebensweisen aufzuklären. Ein weiterer Vorschlag richtet sich darauf, neue Kompetenzbereiche unter die Lupe zu nehmen und Berufsausbildungen bzw. Weiterbildungen im Bereich saubere Energien, Bike- und Car-Sharing anzubieten.

 

Für die Ermittlung und Zusammenfassung der Trends hat die OECD auf internationale Daten der OECD, der Weltbank und der Vereinten Nationen zurückgegriffen.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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