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OECD: Mehr Fokus auf lokal und regional benötigte Kompetenzen

10.05.2022, Text: Jennifer Friedl, Redaktion/CONEDU
Um Weiterbildungsplanung an die Bedürfnisse von Arbeitsmärkten anzupassen, braucht es die Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen der Erwachsenenbildung.
  • Statistik Grafik: Pixabay Lizenz, Kreatikar, http://pixabay.com
    Die OECD gibt Empfehlungen für Akteur*innen der Erwachsenenbildung.
Angesichts der Veränderungen, die der Arbeitsmarkt durch z.B. die Covid-19-Pandemie, Digitalisierung und Automatisierung durchläuft, verdeutlicht sich laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Bedeutung, auch Erwachsenenbildungssysteme auf die Herausforderungen vorzubereiten. Diese gestalten sich allerdings in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. Um der Flexibilität Beachtung zu schenken und vor allem lokale und regionale Strukturen zu stärken, veröffentlicht die OECD ein Policy Manual mit Empfehlungen für lokale Akteur*innen der Erwachsenenbildung mit dem Titel "Zukunftssichere Erwachsenenbildungssysteme in Städten und Regionen".

 

Zu den größten Herausforderungen gehören laut OECD die Förderung von Inklusion und Gleichheit, wie z.B. den Zugang zu weiterbildenden Maßnahmen für Migrant*innen, Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte zu erleichtern. Weiters stellt sich die Herausforderung, Arbeitgeber*innen an Bord zu holen, um Arbeitnehmer*innen in Bezug auf die sich stetig wandelnden Kompetenzbedarfe am Arbeitsmarkt zu unterstützen. Die Herstellung gefestigter Kompetenzstrategien mit Fokus auf die Bedürfnisse lokaler und regionaler Arbeitsmärkte ist der dritte Aspekt, den die OECD im Policy Manual bearbeitet.

Inklusion und Gleichheit durch Weiterbildung fördern

Laut OECD sind manche Personen eher gefährdet, ihre Arbeit aufgrund von fehlenden Kompetenzen zu verlieren. Dazu gehören z.B. Menschen mit Migrationshintergrund, Langzeitarbeitslose, Eltern von jungen Kindern und Menschen mit Behinderung. Obwohl die genannten Gruppen einen höheren Bedarf an Kompetenzschulungen haben, gestaltet sich ihre Teilnahme an notwendigen weiterbildenden Maßnahmen aufgrund der Lebensumstände häufig als schwierig.

 

Um dagegen vorzugehen, empfiehlt die OECD, Informationen und Karrierebegleitung auf die Bedürfnisse von lokalen Gruppen auszurichten. Das kann z.B. erfolgen, indem leicht zugängliche digitale Karriereberatungstools oder auf die Person abgestimmte Karrierebegleitung zur Verfügung gestellt wird. Als Beispiel führt die OECD das "Training and Confidence Building for Women in Donegal (Irland)" an. Frauen aus Donegal, die erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt haben, lernen in Trainings, wie sie Lebensläufe schreiben oder Gespräche in Bewerbungssituationen führen.

 

Eine weitere Empfehlung der OECD ist, Formate und Inhalte in Weiterbildungen an die Bedürfnisse des lokalen bzw. regionalen Arbeitsmarktes anzupassen, indem z.B. alternative Lernformen durch Community Learning Anwendung finden. Finanzielle Maßnahmen in Bezug auf Weiterbildungen sollten sich am lokalen und regionalen Budget orientieren und z.B. verwendet werden, um Weiterbildungsmöglichkeiten in der Umgebung bekannter zu machen.

Fokus auf lokale und regionale Arbeitsmärkte richten

Da es, so OECD, keinen einheitlichen globalen Arbeitsmarkt gibt, sehen sich Städte und Regionen mit sehr unterschiedlichen Qualifikationsbedürfnissen konfrontiert. In der Planung von Weiterbildungen sollten die Herausforderungen, die sich für die Umgebung auftun, im Zentrum stehen. Damit kann Erwachsenenbildung dazu beitragen, den spezifischen Bedarf an Kompetenzen lokaler Arbeitgeber*innen zu decken. Die OECD empfiehlt, konkrete Daten aus der Umgebung zu sammeln, z.B. indem Kompetenzbewertungen herangezogen werden.

 

Ein Beispiel dafür ist "Excelsior" aus Italien. Eine Kooperation aus verschiedenen Netzwerken lokaler und regionaler Handelskammern stellt Daten zur Verfügung, die Arbetismarkttrends und Kompetenzbedarfe sowie gesuchte Berufe sammeln.
Weiters sollten Bildungsmaßnahmen an den Bedarf von in der Region wachsenden Branchen andocken und Arbeitgeber*innen in die Planung miteinbeziehen.

Durch Zusammenarbeit lokaler und regionaler Akteur*innen starke Kompetenzstrategien etablieren

In den OECD-Ländern zeigt sich eine große Heterogenität in Bezug auf Erwachsenenbildungssysteme. Um ein stabiles System zur Herstellung relevanten Kompetenzen zu etablieren, brauche es, so OECD, die Zusammenarbeit verschiedener lokaler Akteur*innen der Erwachsenenbildung. Eine Empfehlung sieht vor, Nachbargemeinden in den Planungsprozess miteinzubeziehen oder einen Austausch mit z.B. der Stadtregierung zu aktuell relevanten Kompetenzen am Arbeitsmarkt anzustreben. Des Weiteren sollten flexible Finanzierungsvereinbarungen mit höheren Ebenen der Regierung vereinbart werden.

 

Zu relevanten Akteur*innen gehören Arbeitsmarktservice, Sozialpartner*innen, Bildungsanbieter*innen, Unternehmen, Lernende, NGOs und zivilgesellschaftliche Organisationen. Durch die Zusammenarbeit ergeben sich Vorteile wie z.B. die Weitergabe von hilfreichen Informationen zur Bildungsgestaltung, die Sicherstellung, dass die angebotene Weiterbildung auch den Bedürfnissen der lokalen bzw. regionalen Wirtschaft nützt und die Förderung von Engagement relevanter Stakeholder*innen.

Weitere Informationen:
Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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