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Gemeinsam Bildungsbenachteiligte erreichen und für Bildung motivieren

22.12.2015, Text: Sabine Schnepfleitner, Online-Redaktion
Die "Bildungsberatung Österreich" will in den nächsten Jahren mehr bildungsbenachteiligte Personen erreichen und ihnen den Zugang zu Bildungsangeboten erleichtern.
  • Grafik: CONEDU
    Aufsuchende Bildungsberatung für mehr Bildungsmotivation
Die bundesweite Initiative Bildungsberatung Österreich, mit Netzwerken in allen Bundesländern und rund 80 beteiligten Institutionen, ist seit Anfang 2015 in ihre zweite ESF-Förderperiode gegangen. Während in den vergangenen Jahren der Fokus vor allem beim Aufbau der Bildungsberatung in den Bundesländern lag, steht jetzt die Ansprache bildungsbenachteiligter Erwachsener mit spezifischen Angeboten im Vordergrund.

Gemeint sind damit ältere Menschen ab 55 Jahren, Personen mit maximal Pflicht- oder Lehrabschluss, Personen mit Migrationshintergrund sowie Nichterwerbstätige, die weder eine schulische noch eine berufliche Bildung absolvieren. Sie alle sollen ab heuer stärker für Aus- und Weiterbildung sensibilisiert und motiviert und der Zugang zu Bildungsangeboten erleichtert werden.

Die Herausforderung bildungsbenachteiligte Menschen zu adressieren


Wer als bildungsbenachteiligt gilt und somit in die prioritäre Zielgruppe der Initiative Bildungsberatung fällt, ist messbar beschrieben und abgegrenzt. Definiert sind damit auch konkrete Ziele der Initiative, die am Ende der Förderperiode somit evaluiert werden können. Doch in der Praxis bleibt die Herausforderung, die zu diesen Gruppen gezählten Personen auch zu erreichen.

Die besondere Schwierigkeit in der Zielgruppenerreichung sieht beispielsweise die Koordinatorin des steirischen Netzwerks der Bildungsberatung Monika Anclin vor allem in der Festsetzung von Paramatern, die zwar statistisch gut abbilden lassen, aber die dahinterstehende soziale Komplexität nicht erfassen.

Gut verdeutlichen lässt sich das laut Anclin bei älteren Personen. "Sie werden mit dem Alter von 55 plus definiert und ihnen werden entsprechende Bedarfe zugeordnet. Genau diese Bedarfe haben aber vielleicht auch 45-Jährige, die - obwohl sie 10 Jahre jünger sind - ähnliche soziale Problemlagen aufweisen. Damit zeigt sich, dass vor allem Alterskohorten ein schwieriger Parameter sind, um festzustellen, ob wir zielgerecht arbeiten."

 

Anclins Argumentation zeigt auf, dass eine an Kennzahlen orientierte Bildungspolitik zwar planbare Zielgrößen definieren , damit aber der Beratungskomplexität auch nicht immer ausreichend gerecht werden kann. Messbare Ziele erschweren die Adressierung der BeratungskundInnen manchmal sogar. "Will ich beispielsweise formal gering qualifizierte Menschen ansprechen, kann ich nicht mit dieser Defizitorientierung auf die Menschen zugehen und das so auf Angebote draufschreiben. Ich würde damit eine Schublade aufmachen, die von einer statistisch festgestellten Zielgruppe ausgeht und nicht von so komplexen sozialen Realitäten, wie sie uns im Beratungsalltag begegnen. Damit würde ich meinen BeratungskundInnen Bildungsziele zuweisen, die sie für sich selbst vielleicht nicht so definieren" führt Monika Anclin die Herausforderung der Zielgruppenansprache und -erreichung weiter aus.


Ein aufsuchendes und vielfältiges Angebot


Der Austausch mit zielgruppenerschließenden AkteurInnen ist ein zentraler Ansatz um die jeweilige Zielgruppe zu erreichen. "Um ‚Alle' anzusprechen braucht es eine Vielfalt in den Angeboten und Zugängen" schreibt Bettina Novacek von der Bildungsberatung in Wien, im Online-Medium "Bildungsberatung im Fokus".

In der Steiermark beispielsweise setzt die Bildungsberatung laut Monika Anclin darauf, Menschen in den "Momenten der Orientierung" abzuholen. Die Bildungsberatung arbeitet eng mit Institutionen und Communities zusammen, die bildungsbenachteiligte Erwachsene an unterschiedlichen Schnittstellen unterstützen, wie zum Beispiel mit dem Verein ZEBRA, der Menschen mit Migrationshintergrund berät oder dem Verein ISOP, der unter anderem bildungsbenachteiligte Menschen durch unterschiedliche Angebote unterstützt.

In "Bildungsberatung im Fokus" beschreiben die Ländernetzwerke ihre Vorhaben, Angebote und Maßnahmen für das gemeinsame Anliegen der Initiative Bildungsberatung Österreich. Eine Palette, die von mobilen Angeboten wie Bildungsbussen, über Peer Guidance bis hin zur gebührenbefreiten Telefonberatung und weit darüber hinaus reicht. Anclin: "Die unglaubliche Diversität unserer Gesellschaft drückt sich auch in einer sozialen Komplexität aus. Eine Maßnahme reicht somit meist nicht aus. Umso wichtiger ist es, dass wir ständig an den Problemen und Themen dranbleiben, um sie in Angebote zu übersetzen."

Erwachsenenbildung und Bildungsberatung stärker verzahnen


Katrin Reiter, Projektkoordinatorin des Netzwerk Bildungsberatung Salzburg beschreibt die Entwicklung der österreichweiten Arbeit in der Bildungsberatung so: "Im ersten Schritt haben wir den Blick vor allem nach innen gerichtet, hin zum Auf- und Ausbau der österreichweiten Bildungsberatung und ihrer Netzwerke. Jetzt folgt der Schritt nach außen." 

Der Blick nach außen heißt für die Koordinatorin nicht nur gezielt auf die Bildungsinteressierten zuzugehen, sondern ihnen auch bedarfsorientierte Angebote zu machen. Damit dies gelingt, braucht es aus ihrer Sicht eine stärkere Verzahnung von Erwachsenenbildung und Bildungsberatung. Es gelte gemeinsam hinzuschauen, welche Bedarfe und Lücken es gibt und wo strukturelle Lösungen benötigt werden. "Unser Ziel ist es eine nachhaltige Bildungsberatung und den BürgerInnen ein an ihre Bedürfnisse angepasstes Angebot zu machen" fasst Katrin Reiter zusammen.

Die Bildungsberatung Österreich und ein gemeinsames Ziel


Seit 2011 arbeiten die Ländernetzwerke der Bildungsberatung und ein überregionales Netzwerk als "Bildungsberatung Österreich" gemeinsam am Auf- und Ausbau einer niederschwelligen Bildungsinformation und einem zielgruppenadäquaten Bildungsservice. Geschaffen werden soll dabei ein österreichweites Beratungsangebot, das vor allem benachteiligten Personen den Zugang zu Bildungsmöglichkeiten erleichtern soll.

Im Endbericht zur ESF-Förderperiode 2007-2013 des IHS hat die Initiative ein positives Resümée erhalten. Rund 185.000 Beratungsfälle waren in diesem Zeitraum dokumentiert worden. Entwicklungspotential fand das Evaluationsteam aber bei der Treffsicherheit der Zielgruppenerreichung. Daran wird - wie oben ausgeführt - aktuell gearbeitet. Gefördert wird die Initiative vom Europäischen Sozialfonds und dem Bundesministerium für Bildung und Frauen.

Weitere Informationen:

 

 


  

Erstellung des Artikels gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und des Europäischen Sozialfonds.

 

CC BY CONEDU, auf erwachsenenbildung.at 2015

Lizenziert unter CC BY http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/