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Die Wirklichkeit spielen

02.11.2015, Text: Online-Redaktion
Planspiele verpacken die Komplexität unserer Welt in ein Spiel und lassen uns herausfordernde Situationen ausprobieren. (Serie: Methoden der Erwachsenenbildung)
  • Foto: beteiligung.st
    PlanspielerInnen bauen ihr Land
  • beteiligung.st
    Verhandlungen der TeilnehmerInnen am Ratstisch
Wie wäre es, nur einmal, als FinanzministerIn das Budget einer Länderunion zu verhandeln? Die Methode des Planspiels kann es möglich machen - zumindest sich in dieser Rolle auszuprobieren. Dabei werden modellhafte Situationen und Abläufe der Wirklichkeit erstellt und von den TeilnehmerInnen gespielt.

Mit der Realität experimentieren
Die Methode des Planspiels erlaubt es, lebensweltliche Erfahrungen zu simulieren. Wirklichkeit und Prozesse werden bewusst reduziert und vereinfacht. Es geht nicht darum, die Realität wirklichkeitsgetreu nachzuahmen um das Erlernte dann im Alltag anzuwenden. Vielmehr soll damit gelerntes abstraktes Wissen greifbar und verständlich werden und auch ein vernetztes Denken angeregt werden.   

Abschlussphase: Reflexion
Eine wesentliche Spielphase von Planspielen ist die Reflexion. Dabei geht es darum die Wahrnehmung der Rollen und das Spielergebnis zu besprechen, soziale und motivationale Aspekte zu reflektieren und auch den Bezug zur Realität zu diskutieren. Beim folgenden Beispiel der Demokratie-Bausteine stehen dabei das demokratische Handeln und die Entscheidungsfindung im Vordergrund.

Zum Beispiel das Planspiel "Demokratie-Bausteine"

 

... politisches Handeln erproben
Der Verein beteiligung.st hat 2011 in Kooperation mit Jugendlichen und der Universität Graz das Planspiel "Demokratie-Bausteine" entwickelt und verwendet diese Methode in der politischen Bildung, um demokratische Prozesse für Jugendliche erlebbar zu machen. Die TeilnehmerInnen bekommen im Spiel die Möglichkeit, sich selbst im politischen Handeln und in der Entscheidungsfindung gemeinsamer politischer Lösungen zu versuchen. Abstrakte große Begrifflichkeiten wie beispielsweise Demokratie, Wirtschaft oder Supranationalität, die gelernt wurden, sollen so aktiv erfahrbar gemacht werden.

... Bundeskanzlerin oder Wirtschaftsminister?
Ausgangspunkt des Spiels sind vier Länder auf dem Planeten XY. Diese Länder zeichnen unterschiedliche wirtschaftliche, kulturelle und naturräumliche Bedingungen aus. Um zukünftige Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen, schließen sich diese Länder zu einer Gemeinschaft zusammen. Jede/r SpielerIn bekommt ein Land zugewiesen und übernimmt im jeweiligen Land eine bestimmte Rolle und somit ein politisches Ministerium, wie beispielsweise WirtschaftsministerIn oder BundeskanzlerIn.

Zwar sind wirtschaftliche Faktoren und naturräumliche Ressourcen vorgegeben, dennoch haben die BürgerInnen in einer ersten Spielphase die Möglichkeit, ihre Geschichte und Kultur, somit ihre eigene Landesidentität zu erfinden, ehe die Länder in die gemeinsamen politischen Verhandlungen treten.

... Supranationalität erleben
Nach einer offiziellen Ländervorstellung und der Vertragsunterzeichnung zur gemeinsamen Union werden nun Ereigniskarten gespielt, die gemeinsame Lösungen verlangen. Dabei geht es etwa um das Erstellen eines gemeinsamen Budgets, darum ein gemeinsames Gesetz für den Jugendschutz zu erarbeiten oder auch die Schädlingskatastrophe eines Landes zu bekämpfen. Die Spielleitung leitet die nächsten Spielzüge an und teilt jeweils eine Ereigniskarte an die zuständigen MinisterInnen der Länder aus. Nach einer ersten Diskussion im Land treffen sich diese MinisterInnen am Ratstisch, um an einem gemeinsamen Ergebnis zu erarbeiten. Ziel ist es unter anderem auch, Demokratie-Bausteine zu sammeln, die je nach Beschluss - einstimmig oder mehrstimmig - vergeben werden.

 

Planspiel "Demokratie-Bausteine" 2011/2012

Ein Video von beteiligung.st 

 


Serie "Methoden der Erwachsenenbildung"
Die Serie "Methoden der Erwachsenenbildung" ist ein Service von und für Studierende und EinsteigerInnen in das Berufsfeld der Erwachsenenbildung. Im Rahmen der Serie stellen wir einzelne Lehr-Lernmethoden sowie deren Varianten und Einsatzmöglichkeiten vor. Wir unterscheiden dabei, welche Funktion die jeweilige Methode im Lehr-Lernprozess hat, zum Beispiel Informieren, Motivieren usw. Alle Beiträge zur Serie finden Sie hier.

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