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Lehrlingsausbildung für Erwachsene attraktiver gestalten

13.10.2020, Text: Jennifer Friedl, Redaktion/CONEDU
Um Erwachsene für eine Lehrlingsausbildung zu motivieren, müsse man vor allem deren Bedürfnisse und Beweggründe in den Vordergrund stellen, so Cedefop.
  • Foto: Pixabay Lizenz, jarmoluk , http://pixabay.com
    6 % der Lehrlinge in Österreich sind Erwachsene.
Noch ist nicht abzusehen, wie weitreichend die Konsequenzen der Covid-19-Pandemie für den Arbeitsmarkt sind. Laut dem Europäischen Zentrum für die Förderung von Berufsbildung (Cedefop) steht jedoch fest, dass sich die vorübergehende oder dauerhafte Schließung von Unternehmen maßgeblich auf die Verfügbarkeit von Ausbildungsplätzen auswirkt. Dies betrifft nicht nur Jugendliche. In einem Bericht erläutert Cedefop, wie es um die Lehrlingsausbildung für Erwachsene in europäischen Ländern steht und welche Aspekte zu einer Förderung beitragen können.

6% der Lehrlinge in Österreich sind Erwachsene

Laut Schätzungen des Cedefop gibt es in der Europäischen Union ca. 128 Millionen Erwachsene, die potenzielle KandidatInnen für eine weiterbildende Qualifizierung oder eine Umschulung sind. Eine Möglichkeit, die unter Erwachsenen in Österreich nach wie vor wenig verbreitet ist, ist die Absolvierung einer Lehre. In den EU-Ländern zeigen sich dabei laut Cedefop große Unterschiede: In Österreich sind lediglich 6% aller Lehrlinge Erwachsene. Das Durchschnittsalter der Personen, die eine Lehre beginnen, liegt bei 16 Jahren. In Deutschland liegt der Anteil Erwachsener in einer Lehrausbildung bei 12%, in Dänemark weitaus höher bei 35% und in Finnland sogar bei 85%.

Mehr Zugang für Erwachsene schaffen

In z.B. Österreich, Dänemark, Deutschland und Irland haben Erwachsene zwar Zugang zur Lehrlingsausbildung, die Ausbildungsprogramme in der Praxis sind jedoch meistens auf Jugendliche ausgerichtet. Hierbei sei laut Cedefop vor allem zu klären, wie Erwachsene zur Absolvierung einer Lehre motiviert und die Maßnahmen konkret auf sie ausgerichtet werden können. Beispielsweise könnten Länder hier auf die Anekrennung von Vorkenntnissen und Berufserfahrung setzen oder Kurzlehrgänge einführen, die Zeit sparen sollen.

 

In einer weiteren Ländergruppe, der z.B. Spanien, Frankreich, Ungarn und Finnland angehören, bestimmt die Struktur des Berufsbildungssystems (d.h. z.B. welche Weiterbildungen in der beruflichen Erwachsenenbildung vorhanden sind), inwiefern Erwachsene Zugang zu einer Lehre haben. In dieser Ländergruppe unterscheidet sich die Lehrlingsausbildung von anderen Berufswegen dadurch, dass ein Vertrag inkl. Vergütung und Ausbildung abgeschlossen wird.

Bedürfnisse und Beweggründe in den Vordergrund stellen

Um die Lehrlingsausbildung für Erwachsene optimieren zu können, sei es laut Cedefop notwendig, die Zielgruppe klar vor Augen zu haben. Erwachsene unterscheiden sich von Jugendlichen in vielerlei Hinsicht - im Alter, der Lernerfahrung, der vorangegangenen Ausbildung sowie der Lebenssituation. Auch im Laufe des Lebens eingegangene Verpflichtungen wie z.B. Familiengründungen oder Bankdarlehen wirken sich auf die Zeitgestaltung und Energie von Erwachsenen aus. Aus diesem Grund sollten, so Cedefop, anstatt des Alters mehr die Bedürfnisse und Beweggründe ins Zentrum von Maßnahmen zur Förderung der Lehrlingsausbildung gerückt werden.

Vorteile für ArbeitsgeberInnen durch erwachsene Auszubildende

Laut Cedefop ergeben sich für ArbeitgeberInnen zahlreiche Vorteile, wenn Sie erwachsenen Lehrlingen eine Chance geben. Zum Beispiel haben Erwachsene meist mehr Berufs- und auch Lebenserfahrung und bringen vielfältige Kompetenzen mit. Zusätzlich können die ArbeitgeberInnen die Lehrlingsausbildung nutzen, um auch die Weiterqualifizierung anderer Beschäftigter zu verbessern und die Bindung zum Unternehmen zu stärken, so Cedefop.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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