Wie emanzipatorische Bildung zu mehr Chancengleichheit beitragen kann
Rund um dieses Thema drehen sich 14 Beiträge von Autorinnen und Autoren, die der Frage nachgehen, wie emanzipatorische Bildung zu mehr Chancengleichheit beitragen kann. Dabei lassen die Autorinnen und Autoren nicht aus den Augen, dass emanzipatorische Bildung zwar ein Instrument sein kann, um Wege aus der sozialen Ungleichheit zu finden, sie könne aber nicht der Schlüssel zur Lösung insgesamt sein. Dazu brauche es anderes, wie etwa die Umverteilung von Arbeit, Einkommen und Vermögen.
Im Buch finden sich Perspektiven aus unterschiedlichen Bildungsbereichen, u.a. auch aus der Perspektive der Erwachsenenbildung, genauer: aus dem Blickwinkel politischer Bildung und gewerkschaftlicher Bildungsarbeit:
Soziale Ungleichheit bei Lehrenden und Lernenden in der Erwachsenenbildung
Sonja Luksik von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung fragt in ihrem Beitrag danach, ob Bildung tatsächlich aus der sozialen Ungleichheit befreien kann oder diese vielmehr reproduziert.
Sie stellt heraus, dass soziale Ungleichheit in der Erwachsenenbildung sowohl auf Ebene der Teilnehmenden als auch auf Ebene der Lehrenden existiert. Als Beispiel nennt sie, dass die Unvereinbarkeit mit Familie oder Beruf, ein fehlendes regionales Angebot oder zu hohe Kosten als häufigste Hinderungsgründe für eine Teilnahme an Erwachsenenbildung gelten. Bzgl. der Ungleichheit zwischen den Lehrenden schreibt sie, dass ErwachsenenbildnerInnen nach wie vor eine recht homogene Gruppe sind, bei der Menschen mit Migrationshintergrund, gemessen an der Bevölkerung, unterrepräsentiert sind. Viele sind AkademikerInnen, die dennoch oftmals prekär beschäftigt sind. Die Formel, dass mehr Bildung zu sicheren Arbeitsverhältnissen und mehr Einkommen führe, geht nicht auf, so Luksik.
Trotzdem gebe es in der Bildungspraxis Potenzial für emanzipatorische Bildungsarbeit – nämlich dann, wenn der Austausch über die Verbindung von Herrschaft, sozialer Ungleichheit und Bildung ermöglicht wird. Zum Beispiel können ErwachsenenbildnerInnen Reflexionen über historische und gesellschaftliche Funktionen von Bildung anregen, so Luksik.
Gewerkschaftliche Bildungsarbeit: Solidarisch und handlungsorientiert
Sabine Letz und Pia Lichtblau vom Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung stellen an Beispielen ausgewählter Bildungsangebote dar, wie soziale Ungleichheit im Rahmen gewerkschaftlicher Bildungsarbeit thematisiert wird.
Als ein Beispiel beschreiben sie die Gestaltung von Lernprozessen in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit: Demnach ist der Ausgangspunkt von Lernprozessen immer ein konkretes Problem oder eine Herausforderung der betrieblichen Praxis, das bzw. die es zu überwinden gilt. Dabei stehe Handlungsfähigkeit im Vordergrund: Es gehe also nicht nur darum, die eigenen Rechte zu kennen, man müsse sie auch durchsetzen können. Darum umfassen Lernprozesse neben Faktenwissen auch Aspekte strategischer und sozialer Kompetenzen sowie eine politische Reflexion dahinterliegender Machtstrukturen, so Letz und Lichtblau.
Die Autorinnen betonen weiters, dass es bei gewerkschaftlicher Bildungsarbeit immer um solidarische Handlungsermächtigung geht. D.h., dass die Teilnehmenden nicht in erster Linie für den eigenen Vorteil lernen, sondern für eine bessere Situation von vielen. Dies gelte auch dann, wenn sich die eigenen Vorteile und der Vorteil für viele auf den ersten Blick widersprechen. Dies komme z.B. immer wieder bei Diskussionen rund um die Erhaltung von Arbeitsplätzen einerseits und globale Anliegen wie Klimaschutz andererseits vor.
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