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Magazin erwachsenenbildung.at
Birge Krondorfer

Bildung und Humanität?

Ein Plädoyer wider die Fortschrittsgläubigkeit

Humanistische Bildung und die europäische Aufklärung haben bis heute geltende Wertmaßstäbe für Selbstbestimmung, Befreiung von Herrschaft und Weltbürgertum gesetzt. Obgleich diese Ideale anfangs ausschließlich für Männer konzipiert waren, so die Argumentation des vorliegenden Beitrages, müssen sie immer wieder erinnert werden. Erinnert werden müsse auch die zeitgleiche Entwicklung des neuzeitlichen Wirtschaftsmodells, das Emanzipation durch Monetarisierung, Wachstum und Beschleunigung zum Ziel hatte und dessen zerstörende Konsequenzen heute offensichtlich werden: Quantität (statt Qualität, Individualität), Messbarkeit (statistische Gewalt) und die Denkstruktur der Logik (Widerspruchsfreiheit, Subsumptionslogik) sind, wie die Autorin aufzeigt, notwendige Bedingungen einer global erfolgreich gewordenen Produktivität. Das Individuum ist in dieser Logik funktionstüchtiger als (bestehende) soziale Konstellationen. Doch wie kann sich der entwertete „ganze“ Mensch wehren? Wie können Selbstreflexion und Systemkritik ihren Ort, ihre „kollektive Autonomie“ finden? Orte und Zeiten für Opposition und Alternativen zum vorherrschenden rein immanenten Fortschrittsglauben scheinen nicht vorgesehen. Daher, so das Fazit der Autorin, bedarf es umso dringlicher einer Bildung, die erschüttert, und einer Aufklärung, die ihre eigenen Widersprüche reflektiert. (Red.)
  1. Birge Krondorfer
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