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"Qualitätsentwicklung ist ein immer wiederkehrender Prozess"

24.11.2017, Text: Lucia Paar, Online-Redaktion
Die Frauenstiftung Steyr erhielt den Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung 2017 - Geschäftsführerin Klaudia Burtscher über Qualitätsentwicklung in der Organisation
  • Alle Rechte vorbehalten, Bildungsministerium/APA-Fotoservice/Martin Lusser, https://www.apa-fotoservice.at/galerie/11158
    Mitarbeiterinnen der Frauenstiftung Steyr mit Stadträtin Ingrid Weixelberger und Bundesministerin Sonja Hammerschmid
  • Montage: CC0 Public Domain, SplitShire/pixabay.com, http://pixabay.com
    "Die Berücksichtigung von Kompetenzen, die außerhalb des formalen Bildungssystems erworben wurden, stehen bei uns im Vordergrund"
Am 16. November verlieh Bundesministerin Dr. Sonja Hammerschmid den Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung 2017 in drei Kategorien. In der Kategorie "Themenschwerpunkt 2017: Qualitätsentwicklung" ging die Frauenstiftung Steyr mit der Qualitätsentwicklung bei der Validierung informell und nicht-formal erworbener Kompetenzen als Siegerin hervor.

 

Lucia Paar: Sie haben am 16. November 2017 den Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung in der Kategorie "Themenschwerpunkt: Qualitätsentwicklung" gewonnen. Was bedeutet die Auszeichnung für Sie, Ihre Organisation und Ihre Arbeit?

 

Klaudia Burtscher: Der Österreichische Staatspreis für Erwachsenenbildung ist für uns eine sehr große Ehre und ein toller Erfolg. Wir freuen uns sehr, dass unsere Arbeit von den Expertinnen und Experten der Jury sowie von den Menschen, die online gevotet haben, so geschätzt und gewürdigt wurde. Auch sind wir noch überwältigt von den zahlreichen positiven Reaktionen und Glückwünschen. Es freuen sich so viele mit uns.
Der Staatspreis bedeutet, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Er ist Bestätigung und Ansporn zugleich, uns in der Qualität immer wieder mit innovativen Zugängen weiter zu entwickeln.

 

Wie kam es zu der Entscheidung eines Peer Review Verfahrens für die Qualitätsentwicklung?

 

Das Thema Validierung von informell und nicht-formal erworbenen Kompetenzen beschäftigte uns seit Längerem. Insbesondere wollten wir der Frage nachgehen, ob unsere Methoden und Herangehensweisen adäquat sind und ob die Validierungsergebnisse für die Teilnehmerinnen am Arbeitsmarkt ausreichend nutzbar sind.

 

Die Entscheidung für ein Peer Review Verfahren ist nach Einladung durch Maria Gutknecht-Gmeiner vom European Peer Review Netzwerk, sich an einem internationalen Qualitätsentwicklungsprojekt zu diesem Thema zu beteiligen, dann sehr schnell gefallen.

 

Das Peer Review Verfahren bot uns mehrere Vorteile und Besonderheiten im Qualitätsentwicklungsprozess. Zum Beispiel entscheidet die Organisation selbst, in welchen Qualitätsbereichen sie das Peer Review Verfahren umsetzen möchte und alle Beteiligten (Teilnehmerinnen, Mitarbeiterinnen, Stakeholder, AuftraggeberInnen etc.) sind eingebunden. Außerdem fließen internationale Erfahrungen, Methoden und Zugänge zum Thema "Validierung" ein. Es ist ein kompetenzorientiertes Lernen voneinander, das auch mit viel Spaß verbunden ist.

 

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit und der Qualität Ihrer Arbeit besonders wichtig?

 

Unser Arbeitsrahmen ist das Bestreben, kontinuierliche Lernprozesse als "Lernende Organisation" zu initiieren und damit gemeinsames Lernen zu fördern. Besonders wichtig ist uns die pädagogische Sicht auf Qualität. Ein qualitativ hochwertiges pädagogisches Handeln ist stark geprägt von interaktiver, personenbezogener und situativer Kompetenz der Mitarbeiterinnen.

 

Die Teilnehmerinnen, d.h. die Lernenden, nehmen eine ganz wesentliche Perspektive in unserem Qualitätsdenken ein. Bei unseren Bildungsangeboten achten wir neben dem Einsatz vielfältiger Methoden auf die Klarheit des individuellen Nutzens für die Teilnehmerinnen und die Klarheit, welche ihrer Handlungskompetenzen im jeweiligen Angebot weiterentwickelt werden. Eine konsequente Lernergebnisorientierung und die Berücksichtigung von Kompetenzen, die außerhalb des formalen Bildungssystems erworben wurden, stehen bei uns im Vordergrund.

 

Dr. Monika Thum-Kraft - Jurymitglied - sagte bei der Verleihung, dass Qualitätsentwicklung seit Jahren eines der wichtigsten Felder der Erwachsenenbildung sei - vor allem, weil es keine vorgefassten Curricula gibt. Wie sehen Sie die Qualitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung in den letzten Jahren?

 

Wir sehen es als eine sehr lebhafte und dynamische Entwicklung. Neu an der Qualitätsdebatte ist ja nicht der Anspruch, gute Arbeit zu leisten, ambitionierte Ziele zu formulieren und Maßstäbe für die Bewertung aufzustellen. Neu ist, dass die Ergebnisse der Lernprozesse in den Vordergrund rücken und dass diese Effekte empirisch erfasst werden sollen. Spannend bleibt in diesem Bereich die Debatte über den Stellenwert von pädagogischer Qualität und pädagogischen Ergebnissen bzw. deren Messung.

 

Was sind Ihre nächsten Ziele/Pläne - im Bereich der Qualitätsentwicklung, aber auch persönlich und in anderen Bereichen Ihrer Arbeit?

 

Qualitätsentwicklung ist für uns ein immer wiederkehrender Prozess, der sich nicht abschließen lässt. Diesbezüglich werden wir uns weiterhin interessante und innovative Vorgehensweisen einfallen lassen und Herausforderungen annehmen.
Wichtig dabei ist, die Freude an der Beratungs- und Bildungsarbeit mit Frauen zu bewahren. Alles, was an unseren Angeboten gut ist, werden wir beibehalten und frei nach Michael Honig: Alles, was wir immer schon besser machen wollten, werden wir konsequent weiter verfolgen.

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