BMBWF   Mitteilungen  |  Über das BMBWF  |  bifeb
PORTAL   Newsletter  |  Sitemap  |  English

Neu: Das große Handbuch der Kreativitätsmethoden

23.01.2014, Text: Adrian Zagler, Online-Redaktion
Kreativität gezielt einsetzen um Probleme zu lösen: Michael Luther präsentiert über 200 Techniken und Methoden für Individuen und Gruppen.
  • Cover: (C) managerSeminare Verlags GmbH
    Indem Sie ungewohnte Wege gehen, setzen Sie kreative Ressourcen frei.
Kreativität lässt sich trainieren. Wie das geht, zeigt Kreativitätstrainer Michael Luther in Das große Handbuch der Kreativitätsmethoden, 2013 im Verlag managerSeminare erschienen. Auf rund 400 Seiten erklärt Luther, was Kreativität eigentlich ist, wie man sie wecken und üben kann, und welche Techniken und Methoden dabei helfen, nicht nur gute Ideen zu bekommen, sondern diese auch umzusetzen.

 

Mensch sein heißt kreativ sein

Luther zufolge ist jeder Mensch von Geburt an kreativ, allerdings kann dieses Potential durch die Sozialisation „verschüttet“ werden. Kreativität ist für ihn mehr als die Fähigkeit, ein Kunstwerk zu erschaffen. Sie äußert sich in unterschiedlichsten Bereichen, unter anderem in innovativen Problemlösungen oder Erfindungen. Luther spricht dabei von „angewandter Kreativität“, die oft übersehen werde und die er mit seinem Buch wirtschaftlich nutzbar machen möchte.

 

Kreativität ist am Mark gefragt

Aufgrund der Anforderungen durch Globalisierung und Co. entdecken immer mehr Unternehmen den Wert der Kreativität für sich, erklärt Luther, der als Trainer weltweit tätig ist. Dem wachsenden Bedarf stünde aber ein schier unübersichtliches Angebot an Kreativitätstechniken gegenüber. Hier setzt Luther an, indem er über 200 der wichtigsten Techniken klassifiziert, beschreibt und geordnet darstellt.

 

Vier Schritte zum Ideenprofi

Luther teilt sein Buch in vier große Kapitel ein, jedes für sich ein „Schritt zum Ideenprofi“. In Kapitel 1 präsentiert er die Grundlagen: Forschungsergebnisse zum Verständnis von Kreativität, Begriffsdefinitionen und einen historischen Überblick über das Kreativitätsmanagement. Außerdem räumt er mit „Kreativitätsmythen“ auf, z.B. dass Kreativität nicht steuerbar sei. Kapitel 2 ist der Erforschung des kreativen Prozesses gewidmet bzw. seiner bestimmenden Parameter. Kapitel 3 und Kapitel 4 präsentieren schließlich konkrete Techniken und übergreifende Methoden für unterschiedlichste Stadien in diesem Prozess.

 

Parameter der Kreativität

Luther identifiziert vier Phasen des kreativen Prozesses: Orientierung, Generierung, Optimierung und Implementierung. Diese sind im Optimalfall wiederum durch Zwischenphasen von einander getrennt. Im Alltag wird unter Kreativität meist nur die zweite Phase, die Ideengenerierung, verstanden. Tatsächlich aber sind die anderen drei Phasen ebenso bedeutsam, wenn es darum geht, gute Ideen zu finden und in die Tat umzusetzen. Kreative Arbeit gelingt Luther zufolge vor allem dann, wenn die einzelnen Phasen des Prozesses nicht vermischt werden.

 

Ein gut strukturierter Prozess allein ist allerdings nicht ausreichend, um Kreativität zu fördern. Ebenso wichtig ist, diesen auf die einzelne Person und ihre individuellen Talente, Bedürfnisse und Persönlichkeitsstruktur zuzuschneiden. In Kapitel 2 bietet Luther ein Analysetool, mit dessen Hilfe man die eigene kreative Persönlichkeit einschätzen kann. Zum Dritten ist es Luther zufolge wichtig, die richtige Umgebung für kreatives Arbeiten herzustellen. Diese Umgebung kann je nach situationsbezogenen Bedürfnissen vollkommen unterschiedlich aussehen: von der Wohlfühloase mit entspannender Musik zum kahlen Raum mit Platz für Bewegung und Interaktion. Wichtig sei es, sich bewusst zu machen, welche Person in welcher Phase welche Umgebung und welche Methoden und Techniken benötige, so Luther.

 

Auch Kreativität braucht Struktur

Wer kreativ sein will, muss Neues zulassen und sich auf Ungewohntes einlassen können. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kreativität ein Spiel ohne Regeln ist. Kreative Prozesse brauchen Struktur, ansonsten können sie im Sand verlaufen, meint Luther. In der Phase der Ideenfindung z.B. gehe es darum, möglichst viele Ideen zu generieren, unabhängig davon, wie realistisch sie seien. Bewertet würden die Ideen erst zu einem späteren Zeitpunkt, um den Ideenfluss nicht mit rationalen Argumenten abzuwürgen.

 

Um Ideen ernten zu können, müsse das kreative Potential gehegt und gepflegt werden. Einige Grundregeln dafür: Wie vor einem sportlichen Wettkampf müsse man sich auch für kreative Arbeit „aufwärmen“, d.h. den eigenen Geist durch Übungen und eine positive Umgebung auf den kreativen Prozess einstimmen. Idealerweise sprechen kreative Methoden mehrere Sinne gleichzeitig an; auf jeden Fall aber sollten Ideen für alle sichtbar festgehalten werden. Während der kreativen Arbeit können strategische Fragen und Änderungen des Standpunkts bzw. der Sichtweise ungeahnte Potentiale freisetzen. Die echten Geistesblitze zucken meist nur abseits der gewohnten Denk- und Handlungsbahnen, erklärt Luther. Darum sei es so wichtig, eingefahrene Muster zu durchbrechen und sich selbst zu überraschen.

Es muss nicht immer Brainstorming sein

Brainstorming ist neben Mind Mapping und Clustering eine der beliebtesten Kreativmethoden. Entwickelt wurde das Brainstorming bereits 1935 von Alex F. Osborn; seitdem hat das Konzept viele Variationen erfahren. Ob Brainwalking, Brainwriting, Buzz Session oder Inspirationsstern – eine große Zahl der von Luther beschriebenen Techniken baut auf Brainstorming auf. Doch Luther zufolge wird Brainstorming „in der Praxis selten korrekt und effizient durchgeführt“, z.B. indem sich die Teilnehmenden nicht über wichtige Grundregeln verständigen würden.

 

Obwohl einfach und wirkungsvoll – es muss nicht immer Brainstorming sein. Je nachdem, ob es sich um Einzelpersonen, Kleingruppen oder große Teams dreht, wie diese zusammengesetzt sind, in welchem Stadium der Ideenentwicklung sie sich befinden und welche Persönlichkeitsstrukturen sie haben, bieten sich andere Kreativmethoden an. Ob stilles Schreiben, lautes Diskutieren, Herumwandern, Basteln, Fotografieren, Zeichnen oder spielerisches Ausleben: Luther präsentiert Ansätze für die unterschiedlichsten Gelegenheiten.

 

Umfangreich und übersichtlich

Luthers Buch ist eine Fundgrube für TrainerInnen, die mit Gruppen kreativ Produkte und Lösungen erarbeiten wollen, besonders innerhalb von Unternehmen. Einzelpersonen, die z.B. privat kreativ schreiben möchten, werden dagegen nur wenige hilfreiche Tipps finden. Das erste Kapitel über Geschichte und Begrifflichkeiten der Kreativität ist für manche LeserIn wohl etwas lang geraten; wirklich praxisnah wird Luther erst ab Seite 122. Die nächsten dreihundert Seiten machen das Buch zu einem umfangreichen Techniken- und Methodenkatalog, der sowohl als Anregung aber auch als Nachschlagewerk für TrainerInnen dienen kann. Kapitel 4 beinhaltet neben phasenübergreifenden Methoden auch zahlreiche Praxisbeispiele.

 

Das Design des Buches ist einerseits ansprechend und ermöglicht es andererseits auch, sich gut zurechtzufinden. Teil-Inhaltsverzeichnisse zu Beginn jedes der vier großen Kapitel sowie kurze Zusammenfassungen erleichtern den Überblick. Zahlreiche Grafiken lockern den Text visuell auf, haben aber nur selten informativen Mehrwert. Für PraktikerInnen besonders interessant: Über einen Link im Klappentext bekommt man weitere Informationen und Arbeitsmaterialien zum Gratis-Download.

 

Über den Autor: Michael Luther ist nach Verlagsangaben seit Jahren als Experte für Kreativitätsmanagement und Spin Doctor tätig. Er hält weltweit Vorträge über kreative Performance und berät Unternehmen dabei, kreative Prozesse zu fördern und zu entwickeln. Er hat bereits mehrere Fachbücher zum Thema Kreativität verfasst und selbst Methoden zum Kreativitätsmanagement  entwickelt.

 

Michael Luther (2013): Das große Handbuch der Kreativitätsmethoden. Wie Sie in vier Schritten mit Pfiff und Methode Ihre Problemlösungskompetenz entwickeln und zum Ideen-Profi werden. 424 Seiten, plus 590 Seiten Online-Ressourcen. managerSeminare Verlags GmbH.  ISBN 978-3-941965-47-8, EUR 49,90.

Weitere Informationen:

 

esf logoESF 2014-2022eb und coronaEB und Corona