Brücken über die digitale Kluft mit DISKIT
WLAN ist fast überall, KI in aller Munde – und doch bleibt ein beachtlicher Teil der österreichischen Bevölkerung digital abgehängt. Laut Statistik Austria fehlten Ende 2024 rund einem Drittel der österreichischen Bevölkerung die grundlegenden digitalen Kompetenzen. Besonders schwach ausgeprägt sind dabei laut Digital Skills Indicator die Fähigkeiten in den Bereichen „Sicherheit“ und „Erstellen digitaler Inhalte“. Und ganze drei Viertel der Bevölkerung wissen laut Sonderausgabe des Digital Skills Barometer noch nicht einmal grundsätzlich über Künstliche Intelligenz Bescheid. Die Digitalisierung schreitet voran – aber nicht alle kommen mit. Die Erwachsenenbildung spielt in dieser Situation eine zentrale Rolle und ist gefordert, neue Wege zu gehen.
Was bedeutet der Gap für die Betroffenen?
Digitale Ungleichheit hat reale Auswirkungen. Menschen, die nicht online sind oder digitale Dienste nur eingeschränkt nutzen können, verpassen Chancen: im Bildungsbereich, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Gesundheitsversorgung und sogar im Alltag – etwa beim digitalen Amtsweg.
Offliner können beispielsweise keine Termine online buchen, keine Online-Förderanträge stellen, kein E-Banking nutzen und viele Informationen nicht erhalten. Auch soziale Kontakte, günstige Angebote oder Jobchancen sind für sie schwerer zugänglich. Dabei ist den Betroffenen oft gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten ihnen entgehen – mit weitreichenden Folgen für Teilhabe und Gerechtigkeit.
Warum entsteht digitale Ungleichheit überhaupt?
Besonders betroffen vom Digital Divide sind ältere Menschen, Personen mit geringerem Einkommen, niedriger formaler Bildung oder Menschen im ländlichen Raum. Diese Gruppen können oft nicht am digitalen Leben teilhaben – sei es aus technischen, finanziellen oder sozialen Gründen. Vielen fehlt es an Zugang, Kompetenzen oder Motivation im Umgang mit digitalen Technologien.
Die Fachliteratur nennt mehrere Dimensionen des Digital Divide: Zugang zu Geräten und Internet, aktive Nutzung (Häufigkeit und Vielfalt), Kompetenz, also der bewusste und sichere Umgang mit digitalen Medien sowie soziodemografische Faktoren wie Alter, Einkommen oder Bildung. Hinzu kommt eine soziale Dimension, etwa familiäre Unterstützung, Einstellungen gegenüber Technik oder fehlende Motivation. Studien wie „Digitale Ungleichheit“ (Laura Bassi 4.0) und Arbeiten von Jana Heinz betonen zudem, dass faire Zugangschancen zum Kompetenzerwerb die Grundlage für Bildungsgerechtigkeit im digitalen Zeitalter sind.
Wo die Erwachsenenbildung ansetzen kann
Bedingt durch die laufende Weiterentwicklung der Technologien, sind digitale Kompetenzen der Inhalt schlechthin, wenn es um lebenslanges Lernen geht. Bei diesem Thema hat niemand je ausgelernt.
Die Erwachsenenbildung hat hier eine Schlüsselfunktion: Sie kann niedrigschwellig, zielgruppengerecht und inklusiv auf digitale Teilhabe hinarbeiten. Sie kann auch Brücken schlagen – etwa zwischen analogen Lebenswelten und digitalen Anforderungen. Erwachsene brauchen Lernangebote, die sie dort abholen, wo sie stehen – mit ihrem Vorwissen, ihren Fragen, aber auch ihren Ängsten.
Wichtig zur Überbrückung des Gap sind niederschwellige, lokale Angebote, wie zum Beispiel Gemeindeworkshops, in denen grundlegende Fertigkeiten vermittelt werden – praxisnah, alltagsbezogen und auf die Zielgruppe abgestimmt, wie das im Programm Digital Überall und Digital Überall PLUS der Fall ist. Auch mobile Angebote, Mentoring-Programme oder Schulungsreihen mit Fokus auf ältere Menschen oder bildungsferne Gruppen können viel bewirken.
Passende Lehrkompetenz erwerben mit DISKIT
Wie eine gute didaktische Gestaltung und Umsetzung dieser Bildungsangebote durch Erwachsenenbildner*innen aussieht, ist Gegenstand des offenen Lernprogramms DISKIT, das seit September am Lernportal Digital Austria zugänglich ist.
Im Modul „Digitale Kompetenzen“ können Interessierte das Thema des Digital Divide multimedial und interaktiv vertiefen und auf Wunsch auch einen Badge erwerben - ein lohnender Einstieg für alle, die digitale Teilhabe fördern wollen.
Weitere Lernmodule für Trainer*innen werden im kommenden Halbjahr sukzessive veröffentlicht. Dazu gehört schon jetzt ein Modul zu künstlicher Intelligenz, und im Oktober folgt ein Schwerpunkt auf Didaktik für digitale Kompetenzen. Danach geht es weiter mit Medienbildung, Digitaltraining für Jugendliche, digitaler Inklusion und mehr. Das reichhaltige Lernprogramm steht im Kontext der Digitalen Kompetenzoffensive, wurde vom OeAD (Geschäftsstelle Digitale Kompetenzen) beauftragt und wird vom Institut CONEDU und weiteren Institutionen auf der Lernplattform Digital Austria umgesetzt.
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