Wer spricht da eigentlich? So wirken KI-Avatare in Lernvideos
Mithilfe von KI-Avataren können Erwachsenenbildner*innen Lernvideos schneller erstellen sowie aktualisieren, barrierearm aufbereiten und in unterschiedlichen Sprachen bereitstellen. Doch mit den technischen Möglichkeiten ergeben sich wichtige didaktische Fragen – etwa danach, wie sich der Einsatz von Avataren auf das Lernen auswirkt, wie Lernende sie wahrnehmen und in welcher Form sie Lernprozesse am nachhaltigsten unterstützen.
Welche Effekte haben KI-Avatare auf den Lernprozess?
Wie sich der Einsatz von KI-Avataren auf das Lernen auswirkt, wurde bislang in mehreren Studien untersucht: In einer Studie im Hochschulkontext machte es in Bezug auf die Lernleistung keinen Unterschied, ob KI-Avatare oder reale Personen in Inhalte präsentierten. Auch in einer weiteren Untersuchung mit erwachsenen Lernenden ließen sich durch KI-generierte Videos ähnliche Lernzuwächse erzielen wie mit klassisch produzierten Formaten.
Gleichzeitig zeigen einzelne Befunde, dass sichtbare Figuren in Lernvideos (ob real oder KI-generiert) bei komplexen Inhalten auch ablenkend wirken können – ein Effekt, der auch aus Studien zum Talking-Head-Format bekannt ist.
So kommen Avatare bei Lernenden an
In vielen Studien bewerteten Lernende den Einsatz von Avataren grundsätzlich als positiv: So können Avatare soziale Präsenz erzeugen, wodurch die Interaktion im digitalen Raum erleichtert und die Lernmotivation erhöht wird. Gleichzeitig äußerten Lernende den Wunsch nach mehr Variation in Sprache und Mimik, um die Vermittlung der Inhalte authentischer wirken zu lassen.
Wie stark Akzeptanz und Motivation von Transparenz abhängen, zeigt eine weitere Studie: Lernende wurden zunächst, ohne es zu wissen, mit einem KI-Avatar konfrontiert. Die Bewertungen fielen positiv aus – bis zur nachträglichen Offenlegung. Als deutlich wurde, dass es sich um keine reale Person gehandelt hatte, sanken Vertrauen und Bereitschaft zur weiteren Nutzung der Lernmaterialien.
Das passende Format für den Avatar-Einsatz finden
In Diskussionen um KI-Avatare stehen oft möglichst realitätsnahe Figuren im Mittelpunkt. Eine deutsche Studie mit Hochschulstudierenden hat deshalb unterschiedliche Gestaltungsformen systematisch miteinander verglichen. Getestet wurden vier Varianten: ein Realfilm mit menschlicher Lehrperson, ein KI-generierter Avatar, ein animiertes Comic-Video mit Realstimme und eines mit KI-Stimme.
Eine klare Präferenz zeigte sich dabei nicht. Vielmehr hing die Bewertung stark vom Thema und den persönlichen Erwartungen ab. Der Realfilm kam vor allem bei komplexeren Inhalten besser an, weil er als authentischer wahrgenommen wurde. Die animierten Versionen überzeugten hingegen mit visueller Klarheit und wurden vor allem für einführende und allgemeine Themen als hilfreich empfunden.
Manche Teilnehmende erkannten gar nicht, wenn es sich um KI-generierte Stimmen oder Avatare handelte. Andere nahmen es wahr und waren davon irritiert. Eine grundsätzliche Ablehnung gegenüber KI-generierten Inhalten zeigte sich insgesamt nicht – im Gegenteil: In manchen Fällen wurde die KI-Stimme sogar als passender empfunden, besonders in Kombination mit einer animierten Figur.
Was Erwachsenenbildner*innen beachten können
Ob der Einsatz von Avataren sinnvoll ist, hängt stark von Thema, Zielgruppe und konkreter Umsetzung ab. Allgemeine oder einführende Inhalte können von KI-Avataren profitieren. Bei komplexeren oder sensiblen Themen hingegen schafft eine reale Lehrperson vermutlich mehr Vertrauen. Auch Mischformate können sinnvoll sein – etwa ein Einstieg mit Comic-Avatar, gefolgt von vertiefenden Abschnitten mit realer Präsentation.
Ein Avatar muss in Lernvideos nicht unbedingt durchgängig präsent sein. Gerade bei grafisch dichten oder komplexen Inhalten kann er vom Wesentlichen ablenken. Oft wirkt ein gezielter Einsatz – zur Strukturierung, bei Übergängen oder zur Begrüßung – motivierender.
Besonders wichtig ist ein transparenter Umgang mit KI-generierten Inhalten. Ein klarer Hinweis – etwa in Einleitung oder Abspann, als Callout oder Anmerkung im gesprochenen Text – schafft Klarheit. Offene Kommunikation stärkt dabei nicht nur das Vertrauen, sondern ist auch aus ethischer und rechtlicher Sicht unerlässlich.
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