Wie gefährlich ist Desinformation und was kann die Erwachsenenbildung tun?

04.08.2025, Text: Gunter Schüßler, Redaktion/CONEDU
Wie groß ist der Einfluss von Desinformation wirklich und welchen Effekt haben Debatten darüber? Erwachsenenbildner*innen können Lernende dabei unterstützen, einen reflektierten Umgang mit Medien und Informationen auszubilden und zu stärken.
Ein Mann schaut auf ein Smartphone.
Berichte über die Verbreitung von Desinformation resultieren auch in einem Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Medien, wie eine Studie herausfand.
Foto: , Nick Fancher (Unsplash +), https://unsplash.com

Desinformation ist ein ernst zu nehmendes Thema. Dennoch darf das Problem nicht überbewertet werden, wie Studienergebnisse zeigen. Angebote der Erwachsenenbildung können Kritische Medienkompetenz fördern, praktische Tipps und Methoden zum Umgang mit Fake News vermitteln und dazu beitragen, das Vertrauen in seriöse Medien zu stärken.

Fake News: Was tun?

Eine im September letzten Jahres veröffentlichte Studie kam zum Ergebnis, dass sowohl Prebunking als auch Debunking wirksame Strategien sind, um gegen Desinformation vorzugehen – wobei Debunks laut Studienergebnis eine etwas stärkere Wirkung erzielen. Während beim Prebunking Personen präventiv für Desinformation und typische Manipulationstechniken sensibilisiert werden sollen, werden beim Debunking Falschmeldungen enttarnt und richtiggestellt.

Desinformation in Zeiten von KI

Angesichts der Möglichkeiten, die KI-Tools mit sich bringen, scheint Vorsicht und kritisches Denken im Umgang mit Informationen in der digitalen Gesellschaft wichtiger denn je. Desinformation kann mithilfe von KI personalisiert erfolgen und damit zielgerichtet Einfluss nehmen.

Deepfakes sind mittlerweile kaum noch von Originalaufnahmen zu unterscheiden. Da sie zudem ohne spezielles Fachwissen und mit wenigen Klicks generiert werden können, verstärkt sich ihre Verbreitung. Technische Lösungen, um Deepfakes zu erkennen, wie etwa der „Deepfake-O-Meter“, liefern sehr oft nicht die gewünschten Resultate.

Die starke Verbreitung KI-generierter Inhalte in sozialen Medien ist – auch wenn sie ohne Täuschungsabsicht erfolgt – durchaus kritisch zu sehen, da sie auf Kosten qualitativ höherwertiger Informationen erfolgt. Eine 2024 veröffentlichte UNESCO-Studie hebt hervor, wie wichtig es ist, Kritische Medienkompetenz unter Content-Creator zu stärken.

Wie beeinflusst das den politischen Diskurs?

Politiker*innen werben mit KI-generierten Influencer*innen in den sozialen Medien für die eigene Partei und verbreiten dabei etwa rechtspopulistische Ideen. Sie nutzen die KI-Technologie auch, um in unterschiedlichen Sprachen potenzielle Wähler*innen zu erreichen oder verstorbene Politiker*innen „wiederauferstehen“ zu lassen. Diese Anwendungsbeispiele werden als „Softfakes“ bezeichnet. 

Aber: Wie Studien nahelegen, scheint der Einfluss von Desinformation auf Wahlen oder eine mögliche politische Polarisierung dennoch eher begrenzt. Eine unmittelbare Auswirkung von Desinformation auf die Demokratie konnte nicht empirisch nachgewiesen werden.

Was hingegen festgestellt wurde ist, dass der Diskurs über Desinformation ein Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Medien schürt. Forschenden zufolge sollten vermehrt Versuche unternommen werden, das Vertrauen in glaubwürdige Medien zu stärken.

Medienkompetenz in der Erwachsenenbildung fördern

Lehrenden stehen online kostenlose Materialien aus Projekten wie information matters oder Unblack the Box zur Verfügung, die dabei unterstützen, Lernenden einen bewussten Umgang mit Informationen zu vermitteln und ihre Kritische Medienkompetenz zu stärken.

Auch ein KI-Chatbot, wie ChatGPT, kann herangezogen werden, um die eigene Kritische Medienkompetenz spielerisch zu trainieren. Als Ausgangspunkt könnte folgender Prompt dienen: „Ich möchte meine Kritische Medienkompetenz stärken. Kannst du mir dabei behilflich sein und mit mir in einem Rollenspiel-Szenario gemeinsam üben?“ ChatGPT generiert dann z.B. ein Szenario zum Umgang mit Fake News. Nutzer*innen können etwa zwischen unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten wählen und erhalten Feedback zu ihren Entscheidungen. Erwachsenenbildner*innen können solche Szenarien auch in Workshops nutzen, um die Medienkompetenz der Lernenden zu fördern.

Nachrichten-Serie über Kritische Medienkompetenz

Der kritische und konstruktive Umgang mit Medien ist Voraussetzung für eine selbstbestimmte Teilhabe an der (digitalen) Welt. Kritisches Medienhandeln ist damit mehr als die Fähigkeit, sich über die Geschehnisse in der Welt zu informieren. Es ist zentral für Lernen, Kommunikation, Partizipation und zur Meinungsbildung. Die Nachrichten-Serie „Kritische Medienkompetenz“ versammelt aktuelle Nachrichten und Hintergrundinformationen zum Thema.

Weitere Informationen:
Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

Verwandte Artikel