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Blockchain in der Erwachsenenbildung – Hype oder Zukunft?

02.08.2022, Text: Karin Kulmer, Redaktion/CONEDU
Die Blockchain liegt im Trend, ist aber umstritten. Während es bereits einige Pilotprojekte für die (Erwachsenen-)Bildung gibt, bleibt abzuwarten, ob sich die Technologie langfristig bewährt.
  • Silberne Metallkette auf blauem Hintergrund Foto: Unsplash Lizenz, JJ Ying, https://unsplash.com
    Es gibt bereits zahlreiche spannende Ansätze, die Blockchain im Bildungsbereich zu etablieren – bei allem Enthusiasmus sollte dabei jedoch der gesellschaftliche Auftrag der Erwachsenenbildung mitgedacht werden.

Die Blockchain: Eine dezentrale Datenbank

Die Blockchain ist eine dezentrale Datenbank in Form einer „Kette“ von Datensätzen in einzelnen Blöcken. Dezentral bedeutet, dass sie nicht mit einem bestimmten Server verbunden ist. Stattdessen ist sie auf vielen Computern in einem Peer-to-Peer-Netzwerk gespeichert und wird laufend chronologisch und linear erweitert. Dadurch soll sie vor Manipulationen geschützt werden. Ein Video der Hochschule Luzern fasst die Grundlagen der Technologie zusammen. Zu den bekanntesten Anwendungen der Blockchain zählen Kryptowährungen wie Bitcoin. Abgesehen davon wird die Technologie vor allem dort eingesetzt, wo transparente Dokumentation wichtig ist – etwa bei der Rückverfolgung der Lieferkette von Lebensmitteln.

Die Potenziale für die Bildung: Zertifizierung und Vernetzung

Der englischsprachige Kurs „Decentralising Education Using Blockchain Technology“ der Open University zeigt einige Anwendungsmöglichkeiten der Technologie in der Bildung. Dazu gehören Zertifizierungen oder elektronische Portfolios, die mittels Blockchain fälschungssicher gestaltet werden sollen. Die TU Lübeck erprobt blockchain-basierte digitale Leistungsnachweise im Projekt „Digital Campus“ bereits seit 2017.

 

Das QualiChain Projekt der Open University (2019-2021) zielte auf die Entwicklung, Erprobung und Evaluierung einer dezentralisierten Plattform, auf der Bildungs- und Arbeitsqualifikationen gespeichert, geteilt und verifiziert werden können. Die Ergebnisse der Pilotphase sind auf der Projektwebsite zugänglich.

 

Weitere Einsatzmöglichkeiten stellen sogenannte Smart Contracts dar. Diese folgen einer vordefinierten Logik in Form einer Wenn-Dann-Beziehung. Beispiele hierfür sind digitale Prüfungen, die automatisch bewertet werden, oder Credits, die automatisiert für bestimmte Leistungen verliehen werden.

 

Nicht zuletzt könnten Bildungseinrichtungen die Blockchain als Netzwerk nutzen, um kooperatives Arbeiten zu ermöglichen oder individuelle Lernergebnisse in Form von Bildungshistorien zu speichern.

Die Schattenseiten: hoher Energieaufwand und unklarer Mehrwert

Ist Blockchain also eine zukunftsträchtige Technologie mit Potenzial für die (Erwachsenen-)Bildung? Neben Enthusiasmus und „Hype-Stimmung“ ruft das Konzept auch viel Kritik auf den Plan oder wird als „Lösung für ein nicht existentes Problem“ bezeichnet. Der wohl häufigste Kritikpunkt ist der hohe Energieaufwand, der besonders bei dem (aktuell in vielen Blockchains eingesetzten) „Proof-of-work“-Mechanismus auftritt. Angesichts der drohenden Klimakatastrophe wäre es Auftrag der Bildung, nachhaltige technologische Lösungen zu forcieren.

 

Eine Verbesserung der Energiebilanz ließe sich mit einem Wechsel von „Proof-of-work“ zu „Proof-of-stake“ bewerkstelligen – dabei werden neue Blöcke nicht auf Basis komplexer Rechenoperationen, sondern nach Einzahlen eines Anteils („stake“) erzeugt. Doch selbst wenn das Energieproblem gelöst wäre, stellt sich die Frage, ob eine Blockchain tatsächlich die beste Lösung für die genannten Anwendungsfälle in der Bildung ist. 

 

Das Potenzial der Blockchain liegt vor allem in ihrer Dezentralität, also dem Weglassen vermittelnder Instanzen. Misstrauen sich zwei Parteien, so kann die Technologie von Vorteil sein. In der (Erwachsenen-)Bildung werden Zertifikate häufig von vertrauenswürdigen Organisationen ausgestellt. Statt einer dezentralen Technologie wären hier auch Maßnahmen denkbar, die die Professionalisierung dieser Organisationen fördern und so den ausgestellten Zertifikaten angemessenes Gewicht verleihen.

 

Ein weiteres Charakteristikum der Blockchain-Technologie ist ihre Unveränderlichkeit, sobald ein Block einmal gespeichert wurde. Das soll die Sicherheit erhöhen, hat jedoch zur Folge, dass bei Fehlerkorrekturen (z.B. in Zertifikaten) oder nachträglichen Änderungen (z.B. des Namens) der historische Stand in der Blockchain verewigt bleibt. Um die Fälschungssicherheit von Dokumenten zu gewährleisten, gäbe es Alternativen wie z.B. Public Key Infrastrukturen (PKI) – mehrstufige Sicherheitssysteme, bei denen als vertrauenswürdig zertifizierte Instanzen digitale Zertifikate ausstellen. PKIs werden beispielsweise für elektronische Ausweisdokumente eingesetzt.

Die Zukunft: Unsicher

Es gibt bereits zahlreiche Ansätze, die Blockchain im Bildungsbereich zu etablieren. In vielen Fällen stellt sich jedoch die Frage, ob Blockchain tatsächlich die beste Technologie für alle Einsatzbereiche ist – oder ob mit alternativen Ansätzen effizientere und nachhaltigere Lösungen geschaffen werden können. Für die Zukunft braucht es neben einer Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie vor allem auch Weiterbildungsmöglichkeiten für das Fachpersonal im (Erwachsenen-)Bildungsbereich, die eine kritische Reflexion beinhalten, denn: Bei allem Enthusiasmus für die neuen Möglichkeiten trägt gerade die Erwachsenenbildung eine gesellschaftliche Verantwortung, auf Nachhaltigkeit und Professionalisierung der Akteur*innen zu achten.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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