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Hybride Veranstaltungen als Chance und Herausforderung

16.02.2022, Text: Beatrice Kogler, Redaktion/CONEDU
Technik, Teilnehmende oder Personal – viele Faktoren setzen hybriden Veranstaltungen Grenzen. Im Rahmen des Fachtags „Hybride Sessions – ein Format der Zukunft“ plädierte Birgit Aschemann dafür, die Herausforderungen des hybriden Settings anzunehmen.
Video: CC BY 4.0 CONEDU erwachsenenbildung.at

Der Hype um das hybride Format

Ab Herbst 2020 haben hybride Veranstaltungen in der Erwachsenenbildung einen regelrechten Boom erlebt. Schließlich können Bildungsanbieter mit diesem Format sehr viele Personen erreichen: einerseits jene, die bevorzugt an Präsenzveranstaltungen teilnehmen und andererseits auch die Gruppe, die Online-Möglichkeiten nutzen möchte. Dennoch sind mittlerweile Ende 2021 die Einstellungen zur hybriden Lehre in der Erwachsenenbildung nicht nur positiv, wie Birgit Aschemann aus eigener Erfahrung berichtet. Dieser abflauende Enthusiasmus entspricht der Kurve des Hype-Zyklus, wonach es bei der Einführung neuer Technologien nach einer ersten Phase des Erfolgs zu einer gewissen Ernüchterung kommt, da die Nutzerinnen und Nutzer nicht nur positive Erfahrungen machen.

Herausforderung Hybriditätsgraben

Eine zentrale Herausforderung bei hybriden Veranstaltungen ist das Überwinden des „Hybriditätsgrabens" zwischen der Online- und der Präsenzgruppe. Dabei stellt sich das Problem, dass die Teilnehmenden der Präsenzgruppe in den Online-Raum kommen können, aber nicht umgekehrt. Arbeiten die Präsenz-Teilnehmenden verstärkt mit digitalen Geräten und Tools, erfahren sie jedoch kein richtiges Präsenz-Erlebnis.
 
Birgit Aschemann empfiehlt, vor allem über die Technik eine Brücke zwischen der Präsenz- und der Online-Gruppe zu schaffen. Bei kleinen Gruppen hat sich der Einsatz von 360-Grad-Kameras (z.B. Meeting Owls) bewährt; bei einer größeren Veranstaltung können die Online-Teilnehmenden am besten über einen audiotechnisch voll aufbereiteten Raum mit installierten Mikrofonen auf jedem Tisch in die Veranstaltung miteingebunden werden. Eine solche Ausstattung braucht neben der nötigen Infrastruktur auch einen qualifizierten Techniksupport.

Gelungene Hybrid-Didaktik

Hybride Veranstaltungen erfordern eine schrittweise Planung der einzelnen Sequenzen. Ausgehend von der Zielgruppe und den Zielen der Veranstaltung, werden die Inhalte, Sozialformen, Methoden, Medien und Zuständigkeiten abgeleitet. Dabei braucht jede Sozialform in hybriden Veranstaltungen eine eigene Brücke, die die beiden Teilnehmendengruppen miteinander verbindet. Eine Herausforderung bei der didaktischen Planung sind die möglichen unterschiedlichen Ansprüche der Zielgruppen. So können die Präsenzteilnehmenden mehr oder weniger Bereitschaft zum digitalen Arbeiten zeigen und die Online-Teilnehmenden unterschiedliche Erwartungen an Interaktion und Beteiligung stellen. Völlige Einbindung der Online-Gruppe sowie ein Arbeiten ohne digitale Hilfsmittel mit der Präsenzgruppe sind im hybriden Setting nur schwer umzusetzen.

Alternativen zu hybriden Veranstaltungen

Je nach Veranstaltungsziel sollten Bildungsanbieter entscheiden, ob das hybride Format die beste Option für ihr Vorhaben ist. Geht es um die bloße Informationsvermittlung, lässt sich das hybride Setting relativ einfach umsetzen. Allerdings könnte eine solche Veranstaltung alternativ als Live-Stream mit Chat-Begleitung stattfinden. Je höher der Interaktions- und Diskussionsbedarf unter den Teilnehmenden, desto höher wird auch der Umsetzungsaufwand eines hybriden Formats und somit der Ressourcenbedarf. Birgit Aschemann empfiehlt in diesem Fall, hybride Veranstaltungen in ein Blended- oder Flipped-Learning-Format einzubetten. Der Bildungsveranstalter kann so die Zeit der gemeinsamen synchronen Zusammenarbeit reduzieren und teilweise in den asynchronen Raum verlagern. Eine weitere Möglichkeit um beiden Zielgruppen des hybriden Formats gerecht zu werden ist, die Veranstaltung nicht im hybriden Format anzubieten, sondern einmal in Präsenz abzuhalten und ein weiteres Mal im Online-Setting.
Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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