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Lernmaschinen und Künstliche Intelligenz auf der OEB 2019

03.01.2020, Text: Hildegund Heczko, Redaktion: Birgit Aschemann, Online-Redaktion
Immer stärker personalisiertes Lernen bei immer höherem Automatisierungsgrad des Unterrichts – mit diesem scheinbaren Widerspruch beschäftigten sich die TeilnehmerInnen der internationalen Konferenz für technologisch gestützte Aus- und Weiterbildung im November 2019.
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, OEB Learning Technologies Europe GmbH, https://oeb.global
    Lernmaschinen, Chatbots, Roboter und Künstliche Intelligenz: die Online Educa in Berlin ist eine der größten internationalen Messen zum Thema Bildungstechnologien

Lernen wie im Film „Matrix"?

„Auch in 25 Jahren wird man nicht durch das Schlucken einer Pille plötzlich Kung Fu beherrschen, wie es der Film Matrix prognostiziert.", so Audrey Watters im Opening der Online Educa in Berlin (OEB). Die auf Bildungstechnologien spezialisierte Journalistin enttäuschte und begeisterte auf der Berliner Messe zum digitalen Lernen über 2000 Anwesende mit ihren Attacken gegen Stories über die Großartigkeit des E-Learnings und kritisierte die These, das digitale Lernen sei unvermeidlich. Vielzitierte Aussagen – etwa über die kurze „Halbwertzeit" beruflichen Wissens oder die völlige Neuartigen von zwei Dritteln der künftigen Berufe – seien übertrieben und nicht belegt. Die Journalistin forderte daher: „Lassen wir die akademische Welt nicht von Silicon Valley manipulieren!"

 

Lernmaschinen ähnlich wie Suchmaschinen

Das Misstrauen gegen „Lernmaschinen" versuchte Inge De Waard von der Open University UK zu zerstreuen: So wie Suchmaschinen mit ihren Algorithmen optimale Ergebnisse für die suchenden Personen präsentieren, könnten Lernmaschinen mit individuell angepassten Algorithmen optimale Lernschleifen für LernerInnen erzeugen. Die Innovation dabei sei, dass die Lernmaschinen – so wie erfolgreiche Suchmaschinen – keine Inhalte speichern müssten, sondern nur die Verbindung zwischen Inhalten, Lernwegen und lernenden Personen bereitstellen sollten.

 

Lernmaschinen in China

Keynote-Speaker Wei Cui, leitender Wissenschaftler beim chinesischen Ed-Tech-Unternehmen Squirrel AI Learning, berichtete von den Erfolgen der künstlichen Intelligenz (KI) im chinesischen Bildungssystem: Innerhalb von fünf Jahren seien 2.300 Lernzentren mit adaptiven KI-Lernsystemen eröffnet worden, denn: „Jedes Kind hat das Recht auf einen guten Lehrer, auf ein 1:1 Setting beim Lernen." Der chinesische Zugang – so Cui – setzt einen Schwerpunkt auf den kleinteilig kartographierten nachgefragten Lehrstoff und legt viel Wert auf die Individualisierung der Lernwege: Jeder Lerner wisse aufgrund eines permanenten Testsystems, welche Teile des Lernziels nicht erreicht wurden, und müsse sich mit genau diesen Aspekten beschäftigen.

 

Chatbots als hilfreiche Coaches

Folgt man einer Gruppe Niederländer um Steven van Luipen, so könnten Chatbots den Eigenschaften eines „guten Lehrers" nahekommen: Bots können genau die richtigen Fragen passend zur jeweiligen Situation stellen. Sie sind im Gegensatz zu realen Personen immer verfügbar, unendlich geduldig und können mehrere Konversationen gleichzeitig führen. Lerngespräche mit Bots würden durchwegs positiv beurteilt, auch wenn die Lernenden um die nichtmenschliche Eigenschaft ihrer GesprächspartnerInnen wüssten.

 

Kann man „die gute Lehrperson" automatisieren?

„Lernmaschinen" und Chatbots legen nahe, dass es zum Lernen keine Lehrenden mehr braucht. Dem gegenüber steht die Hattie-Studie von 2013, die besagt: von der Lehrperson und ihrer Beziehung zu den Lernenden hängt es ab, ob das Lernen funktioniert. Eine Konferenzteilnehmerin brachte es auf den Punkt: „Wenn meine Institution es schafft, freue ich mich darauf, dass das Testen und Korrigieren automatisiert wird. Auch die individuellen Lernwege über eine Plattform sind mir ganz recht. Aber meine Position als Lehrerin in der Schule, als role model in der Erwachsenenbildung oder als forschendes Vorbild an der Universität – Das muss bleiben."

 

Über die Online Educa Berlin (OEB)

Die Konferenz für technologisch gestützte Aus- und Weiterbildung in Berlin ist eine der größten internationalen Messen zum Thema Bildungstechnologien und findet alljährlich statt, zuletzt am 28. und 29. November 2019. Sie bietet ExpertInnen und AnwenderInnen ein Forum für Austausch und Info-Updates in englischer Sprache. Die OEB 2020 ist für 2.-4. Dezember in Vorbereitung.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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